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Aktualisiert: 28.08.2015, 12:48 Uhr

Flüchtlingsdrama in Österreich Tote Flüchtlinge vermutlich aus Syrien - drei Festnahmen

Bei dem Flüchtlingsdrama in Österreich sind nach offiziellen Angaben 71 Menschen ums Leben gekommen - darunter 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder. In Ungarn wurden drei mutmaßliche Schlepper festgenommen.

© Reuters Ein Sarg mit einem der verstorbenen Flüchtlinge wird abtransportiert.

In dem an einer österreichischen Autobahn abgestellten Schlepperlastwagen sind nach offiziellen Angaben 71 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern befinden sich 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder, darunter auch ein etwa einjähriges Mädchen. Das teilte der Polizeichef des Burgenlandes, Hans Peter Doskozil, am Freitag bei einer Pressekonferenz mit.

Bei den Toten wurde demnach ein syrisches Reisedokument gefunden. Daraus schließt die Polizei, dass es sich um eine Flüchtlingsgruppe aus Syrien handelt. Ob es sich bei allen Opfern um Syrer handelt, ist aber noch nicht klar.

Nach einer ersten Einschätzung der Polizei sind die Flüchtlinge im Kühlraum des Lastwagens erstickt. Die Untersuchungen dazu seien aber noch im Gange, sagte Polizeichef Doskozil. Experten gingen unter anderem der Frage nach, ob und wieviel Luft in den Laderaum des Fahrzeugs gelangen konnte.

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Nach der Ausstellung von vier internationalen Haftbefehlen durch die österreichischen Behörden wurden in Ungarn vorübergehend sieben Verdächtige festgenommen. Drei von ihnen befinden sich derzeit noch in Haft. Das bestätigte die österreichische Staatsanwaltschaft auf der Pressekonferenz. Bei einem der drei Männer handle es sich um einen „bulgarischen Staatsangehörigen libanesischer Herkunft“, der vermutlich der Fahrzeughalter sei. Außerdem wurden ein weiterer Bulgare und ein Mann mit ungarischen Ausweispapieren festgenommen, dessen Staatsangehörigkeit aber noch unklar sei. Ungarn bestreitet, dass es sich um einen Staatsbürger das Landes handelt. Bei ihnen handelt es sich „mit ziemlicher Sicherheit“ um jene Personen, die das Fahrzeug gelenkt haben, sagte Polizeichef Doskozil. Er sprach von den „untersten beiden Ebenen einer organisierten Verbrechensstruktur“. Die Polizei gehe von einem bulgarisch-ungarischen Schlepperring aus.

Laut ersten Ermittlungserkenntnissen war der Lastwagen am Mittwoch in den frühen Morgenstunden südlich von Budapest in Ungarn gestartet. Um 9 Uhr befand er sich laut polizeilichen Erkenntnissen noch in Ungarn unmittelbar vor der österreichischen Grenze. Während der folgenden Nacht erfolgte der Grenzübertritt. Am frühen Donnerstagmorgen wurde der Lastwagen laut Polizei von Zeugen in einer Pannenbucht auf der A4 zwischen Neusiedl und Parndorf gesehen. Mitarbeiter des Autobahn-Streckendienstes Asfinag verständigten darauf die Polizei.

Infografik / Karte / Über den Balkan nach Europa © dpa Vergrößern

Bereits am Donnerstagabend hatte Polizeichef Doskozil gesagt, dass vieles dafür spreche, dass die Flüchtlinge schon tot gewesen seien, als der Lastwagen die Grenze nach Österreich überquert habe. Die Polizei geht davon aus, dass die Flüchtlinge bereits eineinhalb bis zwei Tage vor ihrer Entdeckung gestorben waren.

Die österreichische Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) wiederholte bei der Pressekonferenz am Freitag ihre Forderung nach legalen Wegen in die Europäische Union. Nur so könne man die Schlepperei unterbinden. Mikl-Leitner kündigte abermals „null Toleranz gegen Schlepper“ an.

Zusätzlich zu den Ermittlungen nach der Flüchtlingskatastrophe ist die Polizei im Burgenland weiterhin mit der aktuellen Lage beschäftigt. Landespolizeikommandant Doskozil sagte, dass man für die kommenden Tage und die nächste Woche einer weitere Zunahme bei der Ankunft von Flüchtlingen erwarte. Allein in den vergangenen beiden Tagen seien Hunderte Flüchtlinge aufgegriffen worden, sagte Doskozil. In den kommenden Tagen sei wegen der nahenden Fertigstellung des ungarischen Grenzzauns zudem mit einer Verschärfung der Schlepperproblematik zu rechnen.

© Reuters, reuters Ein Forensiker untersucht im August den Lastwagen, in dem 71 Flüchtlinge erstickt waren.

Die Bundesregierung hat sich angesichts der 71 Toten für verstärkte Anstrengungen gegen Schlepper ausgesprochen. Man werde mit aller Konsequenz überlegen müssen, wie man noch energischer gegen das Schlepperwesen auch auf der Balkanroute vorgehen könne, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin.

„Ein solches Ausmaß an Leid lässt einen verstummen“, sagte Seibert. „Die Bundesregierung hofft, dass es gelingen wird, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu bringen.“ Dies gelte auch für ihre Hintermänner. Die Schlepper seien gewissenlose Geschäftemacher, denen das Leben von denjenigen wenig bedeutet, von denen sie viel Geld nehmen.

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte, die Nachricht mache einen „unendlich wütend“. Es gebe Menschenhändler, denen das Leben anderer Menschen völlig egal sei, sagte Gabriel am Freitag bei einer Sommerreise durch Hessen. Diese Schlepper wollten nur Geld verdienen und trügen dazu bei, Menschen umzubringen. Man müsse alles dafür tun, „diese Typen zu erwischen und vor Gericht zu bringen und zu bestrafen und solchen Schleppern das Handwerk zu legen“, mahnte er. Das Flüchtlingsdrama in Österreich zeige auch, „dass die Not von Menschen zum Geschäftsmodell geworden ist - ohne Rücksicht auf Leben und Gesundheit“.

Deutsche Tagesordnung

Von Jasper von Altenbockum

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