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Marine Le Pen : Schritt für Schritt an die Macht

„Ich bin nicht aufzuhalten“: Marine Le Pen Bild: AFP

Die Front-National-Chefin Marine Le Pen arbeitet systematisch am Aufstieg. Die rechtsextreme Partei könnte bei den Europawahlen stärkste Kraft in Frankreich werden.

          Jean-Marie Le Pen blickte ziemlich verdutzt in die Kameras, als er sich 2002 überraschend für die Stichwahl der Präsidentenwahl qualifizierte. Marine Le Pen aber hofft nicht auf Überraschungen. Die 45 Jahre alte Front-National-Chefin arbeitet systematisch an ihrem Aufstieg, der sie ins höchste Staatsamt bringen soll. In ihrem Stufenplan an die Macht stellen die Kommunalwahlen in drei Wochen eine wichtige Etappe dar. „Das Ziel ist klar: Wir wollen unsere lokale Verankerung stärken“, sagt die Parteivorsitzende im Gespräch in Paris.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Sie beschreibt die Vorteile, die eine verstärkte Präsenz in den Rathäusern mit sich bringe. Berührungsängste gingen verloren, gerade dort, wo sie noch am stärksten seien, nämlich auf der lokalen Ebene. „Kommunalwahlen waren für uns immer die schwierigsten Wahlen“, seufzt Le Pen. Vor sechs Jahren, als die Partei vor dem finanziellen Ruin stand, konnte der Front National nur in 119 Wahlkreisen Kandidaten aufstellen.

          Doch an die dürren Jahre will Marine Le Pen nicht mehr erinnert werden. In 596 Städten mit mehr als 1000 Einwohnern treten FN-Kandidaten am 23. März an – ein neuer Rekord. So viele Kandidaten hatte die rechtsextreme Partei nicht einmal 1995 vorzeigen können, als sie in den drei Städten des Südens, Toulon, Orange und Marignane (bei Marseille), den Bürgermeisterposten eroberte. Le Pen rechnet in drei Wochen mit massiven Stimmgewinnen. „Stellen Sie sich vor, in vielen Wahlkreisen sagen uns die Umfrageinstitute bessere Ergebnisse als bei der Präsidentenwahl vorher!“, sagt sie. Die Zehn-Prozent-Hürde für den zweiten Wahlgang stellt kein Hindernis mehr für den Front National dar. 18 Prozent holte Le Pen im Landesdurchschnitt bei den Präsidentenwahlen.

          Referendum über EU-Mitgliedschaft

          Nationale Wahlbündnisse mit der UMP schließt Le Pen aus. „Ich lehne Bündnisse strikt ab. Genauso wenig bin ich für allgemeine Vereinbarungen auf lokaler Ebene“, sagt sie. Der UMP unterstellt sie, bei den Kommunalwahlen mit der Regierungspartei PS zu paktieren. Le Pen sieht sich in einer Position der Stärke gegenüber der von Skandalen und internen Streitigkeiten erschütterten UMP. In zehn bis fünfzehn Städten könnten FN-Bürgermeister gewählt werden, hat sie ausgerechnet. Dazu zählen traditionelle Hochburgen der extremen Rechten im Süden wie Fréjus, Carpentras, Sorgues, Perpignan und SaintGilles, aber auch Forbach im Elsass. „Am wichtigsten ist es, dass wir in so viele Kommunalräte wie möglich einziehen“, sagt Le Pen.

          Als Nächstes hat sie die Europawahlen im Blick, bei denen der Front National als „erste Partei Frankreichs“ abschneiden soll. Obwohl zwei Drittel der Franzosen in Umfragen angeben, einen Ausstieg aus dem Euro abzulehnen, will Le Pen mit einem Ausstiegsszenario werben. „Die Franzosen haben Angst vor einem Euro-Ausstieg. Ich werde sie ihnen nehmen“, sagt sie. In seiner langen Geschichte sei es Frankreich immer besser gegangen als während der „zwölf Jahre des Euro“, einer „verschwindend kurzen Periode“, als deren Markenzeichen sie „hohe Arbeitslosigkeit, Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und den industriellen Niedergang“ aufzählt.

          Sie wolle die Souveränität in allen Bereichen zurückerobern. Ein „neuer Franc“ soll die französische Wirtschaft wiederaufrichten und von der Schuldenlast befreien. Dabei soll ihr die Ankündigung eines Referendums über den Verbleib Frankreichs in der EU und in der Eurozone helfen. Den Zeitraum bis zum Referendum will sie für Verhandlungen mit der EU nutzen. So stellt sich die Präsidentin Le Pen ihre ersten Monate im Amt vor. „Ich bin nicht aufzuhalten“, sagt sie.

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