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Kriegsversehrte in Deutschland : Der ukrainische Patient

  • -Aktualisiert am

Bisher 26 Operationen: Vadim Bevza im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg Bild: Henning Bode - Photographer

In Bundeswehrkrankenhäusern werden schwerverwundete Soldaten aus der Ukraine behandelt. Ohne die deutschen Ärzte hätten viele ihre Verletzungen wohl nicht überlebt.

          Es gibt dieses Bild von ihnen, er hat es auf seinem Smartphone gespeichert. Vadim Bevza steht in blauer Uniform neben seiner Frau, beide Anfang 30, lächelnd, hübsche Gesichter, glücklich. Das war vor anderthalb Jahren. Danach erhielt Vadim Bevza, Angehöriger der ukrainischen Nationalgarde, den Marschbefehl nach Donezk. Mit seiner paramilitärischen Einheit sollte er die Armee im Kampf gegen die prorussischen Separatisten unterstützen. Er zog in den Krieg im eigenen Land – und sitzt nun als Versehrter auf einem Bett im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg, für immer entstellt.

          Als er hier ankam, habe mitten in seinem Gesicht ein großes Loch geklafft, sagt Hauptfeldwebel Charleen Zientek. Sie leitet die „Internationale Station“ des Krankenhauses mit insgesamt acht Betten. Sechs davon sind derzeit belegt, alle mit schwerverwundeten Männern aus der Ukraine, Soldaten, Nationalgardisten, Freiwilligen, die für die Regierung in Kiew gekämpft haben.

          Von Separatisten „verarscht“

          Seit gut anderthalb Jahren behandeln deutsche Militärärzte und Krankenpfleger schwerverletzte Ukrainer. Sie sind damit Teil eines Unterstützungsprogramms der Bundesregierung für die Ukraine. Oberstabsfeldwebel Jürgen Icks war dabei, als die ersten Verwundeten im Sommer 2014 in Hamburg ankamen. Es seien sehr schwere Fälle gewesen, sagt er, ein Patient, dem die Hüfte weggeschossen worden war, andere mit Verletzungen an Kopf und inneren Organen, die sie ohne die Versorgung in Deutschland nicht überlebt hätten. Es gibt Patienten, die sind seit mehr als einem Jahr in Hamburg, weil sie noch immer nicht reisefähig sind. Andere fliegen zwischen einzelnen Behandlungsabschnitten nach Hause und sind schon zum vierten Mal zurück in Wandsbek. Seit Vadim Bevza am 2. September 2014 hier eingetroffen ist, wurde er 26 Mal operiert. Das ist ein großes Glück für ihn, denn bei der Bundeswehr wird er besser als ein deutscher Soldat versorgt. Einzelzimmer, Fernsehen, Internet, Telefonieren, Verpflegung, Chefarztbehandlung, alles kostenlos. Für Bundeswehrangehörige gibt es das nicht.

          Vadim Bevza ist 34 Jahre alt. Mit einem Kühlakku betupft er sich unaufhörlich das Gesicht. Am Vortag haben sie ihn operiert, nun kämpft er gegen die Schwellung. „Die Separatisten haben uns verarscht“, sagt er. Seit dem Frühjahr 2014 kämpften die ostukrainischen Gegner der neuen Regierung in Kiew mit russischer Unterstützung um Donezk und Luhansk. Im August verhandelte die OSZE erstmals mit der ukrainischen und der russischen Regierung in Minsk über einen Friedensvertrag. Für die Zeit der Gespräche sollte ein Waffenstillstand gelten, den die ukrainischen Regierungstruppen nutzen wollten, um ihre Truppen aus dem eingeschlossenen Ilowajsk zurückzuziehen. Vadim Bevza und die Nationalgarde sollten den Rückzug absichern. „Wir rechneten nicht mit Beschuss“, sagt er. Doch die Separatisten hätten sich nicht an die Abmachung gehalten und aus Artilleriegeschützen auf sie gefeuert. Eine 120-Millimeter-Granate sei einige Meter von ihm entfernt eingeschlagen, die Wucht der Detonation habe ihn an eine Hauswand geschleudert.

          Eine solche Explosion überlebt man so gut wie nie. Vadim Bevza aber hatte Glück, obwohl er sehr schwer verletzt wurde. Aus dem rechten Oberschenkel ragte der gebrochene Knochen, Nase und rechte Wange hingen in Fetzen aus seinem Gesicht. Ein Kamerad habe ihm die Wange auf das Gesicht und die Nase auf die rechte Schulter gelegt, sagt er. Auf dem Weg ins Hospital wurde der Verwundetenkonvoi beschossen. Eine Kugel traf seinen ohnehin schon zerfetzten Oberschenkel. Die Einschussstelle ist vernarbt, nach mehreren Operationen aber heute noch zu erkennen.

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