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Unangemeldete Manöver : Russische Bomber über der Nordsee

  • Aktualisiert am

Ein russischer strategischer Bomber vom Typ Tu-95, Nato-Bezeichnung: Bear Bild: Reuters

Innerhalb von 24 Stunden sind vier Gruppen von russischen Kampfflugzeugen über dem europäischen Luftraum abgefangen worden. Die Nato warnt vor einer Gefahr für den zivilen Luftverkehr.

          Mehrere Flüge russischer Bomber über der Nord- und Ostsee haben bei der Nato Alarm ausgelöst. Das Verteidigungsbündnis teilte am Mittwoch mit, innerhalb von 24 Stunden hätten Flugzeuge der Nato vier Gruppen mit insgesamt 26 russischen Maschinen durch Radarüberwachung entdeckt. Flugzeuge der Nato seien aufgestiegen und hätten die russischen Flieger begleitet. An den Abfangmanövern waren demnach auch deutsche Eurofighter beteiligt. Die Vorfälle ereigneten sich demnach auch über dem Atlantik und dem Schwarzen Meer.

          Ein Sprecher betonte, dass der Nato-Luftraum nicht verletzt worden sei. Eine derart hohe Zahl von Einsätzen habe es in den vergangenen Jahren aber nur selten gegeben. Nach Angaben der Luftwaffe des Nato-Mitgliedes Norwegen flogen russische Flugzeuge von Stützpunkten in der Arktis bis nach Portugal. Sie seien über internationalen Gewässern geblieben, den Grenzen der Mitgliedstaaten aber so nahegekommen, dass Jets losgeschickt worden seien.

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          Drei der Vorkommnisse haben sich laut Nato am Mittwoch ereignet. In einem Fall seien acht Flugzeuge, darunter strategische Bomber und Tankflugzeuge, über der Nordsee entdeckt worden. Unter den Langstreckenbombern seien auch Bomber vom Typ TU-95 gewesen, die bei Bedarf mit Nuklearwaffen bestückt werden können. Die russischen Maschinen flogen weiter über die Nordsee und wurden später von portugiesischen Einheiten über dem Atlantik westlich von Portugal gesichtet.

          Die russischen Flugzeuge wurden laut Nato während der gesamten Dauer ihrer Flüge von Kampfjets verschiedener Nato-Staaten begleitet und von der Nato-Luftraumüberwachung am Boden verfolgt.

          Die russischen Maschinen haben nach Nato-Angaben keinen Flugplan eingereicht und seien ohne Transponder-Signal geflogen. Das sei auch für die zivile Luftfahrt gefährlich gewesen, da die zivile Luftraumüberwachung nicht in der Lage sei, solche Flugzeuge aufzuspüren und mit Radar zu verfolgen.

          Deutsche Eurofighter über der Ostsee

          Zwei weitere Vorfälle am Mittwoch habe es über der Ostsee sowie über dem Schwarzen Meer gegeben. In beiden Fällen seien die russischen Flugzeuge von Nato-Maschinen abgefangen und beobachtet worden. Schon am Dienstag sei auch ein Eurofighter der Bundeswehr an einer solchen Beobachtung beteiligt gewesen, heißt es in dem Bericht. Sie hätten insgesamt sieben russische Flugzeuge abgefangen, die über dem Finnischen Meerbusen geflogen seien. Die russischen Jets hätten Kurs auf die Ostsee genommen und seien dann in die Region Königsberg geflogen, erklärte das Verteidigungsbündnis. Selbst schwedische und finnische Kampfflugzeuge hätten geholfen, obwohl beide Länder nicht Mitglied der Nato sind.

          Insgesamt habe die Nato in diesem Jahr schon mehr als 100 solcher Abfang-Einsätze fliegen müssen, was einer mehr als dreifachen Steigerung gegenüber dem Vorjahr entspreche.

          Die Mitteilung der Nato über die intensivierte russische Luftaktivität kommt am selben Tag, an dem der polnische Außenminister gefordert hatte, die Nato müsse gegenüber Russland wachsamer sein. Denn seiner Meinung nach sei es nur eine Frage der Zeit, wann Russland sich gegen den Westen wende.

          Quelle: okü./pede./Reuters/AFP

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