http://www.faz.net/-gq5-8cu7w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.01.2016, 19:27 Uhr

Rohani in Rom Italien versteckt nackte Statuen für Irans Präsidenten

Weil sie Rücksicht auf ihren Gast aus Iran nehmen wollten, haben italienische Behörden zahlreiche nackte Statuen für den Besuch von Präsident Rohani im berühmten Kapitol in Rom verhüllt. Mehrere italienische Politiker zeigten sich empört.

© dpa Hinter diesen Schränken verschwanden die Skulpturen im Kapitol

Es gibt Gäste, auf die muss man besondere Rücksicht nehmen und mit einer gewissen Vorsicht empfangen. Mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani begrüßte am Montagabend die italienische Regierung einen solchen Staatsgast. Aus Rücksicht vor dem Glauben und der Einstellung des Staatschefs aus dem Nahen Osten ließen die italienischen Behörden zahlreiche nackte Statuen in den Museen des berühmten Kapitols in Rom verhüllen, wo Rohani auf Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi traf und eine Pressekonferenz gab.

Verschiedene italienische Nachrichtenseiten veröffentlichten am Dienstag Bilder von Schränken, welche die Skulpturen im Kapitol verhüllten. Diese Aktion sei aus Respekt vor der iranischen Kultur und Rohanis Glauben erfolgt, hieß es. Zudem soll nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa beim Abendessen von Rohani und Essen auch kein Wein serviert worden sein.

Mehr zum Thema

Verschiedene italienische Abgeordnete haben auf die Verhängung der antiken Statuen nackter Körper mit Empörung reagiert. Der Fraktionsvorsitzende der Partei „Fratelli d’Italia“ in der Deputiertenkammer, Fabio Rampelli, sprach laut einem Bericht der Tageszeitung „Avvennire“ von einer Schande und Beleidigung der westlichen Kultur. Die Entscheidung sei Wasser auf die Mühlen islamistischer Terroristen.

Der Parteisekretär der rechten Lega Nord, Matteo Salvini, bezeichnete die Maßnahme als „Schwachsinn“. Seine Parteikollegin Barbara Saltamartini verurteilte sie als „x-ten Akt der Unterwerfung unter eine Kultur, die nicht zu uns gehört“. Nun bekämen schon Kunstwerke den Hijab, den islamischen Schleier, verpasst. Giuseppe Civati, Abgeordneter der regierenden Demokratischen Partei, kritisierte die Verdeckung als „enormen Provinzialismus“. Andere Stimmen betonten, Italien sei ein laizistisches Land. Darin dürfe es keine Kompromisse geben.

38247065 © AFP Vergrößern Hassan Rohani

Ruhani war am Montag vom italienischen Staatspräsidenten Sergio Mattarella und Ministerpräsident Renzi in Rom empfangen worden und nahm an einem Wirtschaftsforum mit Hunderten Gästen teil. Am Dienstag traf er im Vatikan mit Papst Franziskus zusammen. Das Oberhaupt der Katholiken und Rohani betonten die Wichtigkeit von Frieden und Toleranz und tauschten Geschenke aus. Das etwa 40-minütige Treffen fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt und galt als einer der Höhepunkte der Reise. Am Mittwoch fliegt Rohani nach Paris weiter. Es ist die erste Europareise des iranischen Staatsoberhaupts seit Ende des Atomstreits vergangenen Juli.

Quelle: sreu./KNA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Themen des Tages Stellung beziehen zum Brexit

Die Außenminister der sechs EU-Gründerstaaten wollen in Brüssel einen Tag nach dem britischen Referendum ein klares Bekenntnis zur EU abgeben. Auch auf anderen Ebenen gibt es Beratungen. Mehr

24.06.2016, 06:39 Uhr | Wirtschaft
Kommunalwahl in Italien Protestpartei Fünf Sterne verpasst Renzi schwere Niederlage

Die Protestpartei Fünf Sterne hat bei den Bürgermeister-Stichwahlen in Italien dem Mitte-Links-Lager von Ministerpräsident Matteo Renzi eine herbe Niederlage verpasst. Neben Rom holte die Protestpartei auch in Turin überraschenderweise die Mehrheit. Mehr

20.06.2016, 14:58 Uhr | Politik
Brexit Task Force Belgischer Diplomat soll Austrittsgespräche führen

Didier Seeuws arbeitete lange für den ehemaligen EU-Ratspräsidenten Van Rompuy und Belgiens Ex-Regierungschef Guy Verhofstadt. Jetzt soll er den Brexit abwickeln. Mehr

25.06.2016, 18:56 Uhr | Politik
Italien Mit der Vespa auf Sightseeing-Tour in Rom

Rund zehn Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Rom. Die wohl stilechteste Möglichkeit, die italienische Hauptstadt zu erkunden: eine Führung mit der Vespa. vorbei an Colosseum und Trevi-Brunnen. Mehr

17.06.2016, 14:13 Uhr | Reise
Bei Wandertag in Sachsen Bundespräsident Gauck schlägt blanker Hass entgegen

Eigentlich sollte es ums unpolitische Wandern gehen. Stattdessen musste sich Bundespräsident Gauck im sächsischen Sebnitz beschimpfen lassen. Mehr

26.06.2016, 18:53 Uhr | Politik

So nicht!

Von Lorenz Hemicker

Die Regierung Erdogan besteht auf einem Besuchsverbot für deutsche Politiker bei der Bundeswehr in Incirlik. Ein beispielloser Schritt unter Nato-Partnern. Die Verteidigungsministerin kontert - mit der richtigen Antwort. Mehr 46 134