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Italien Die Sedisvakanz der Politik

Eine neue Regierung ist in Rom nicht in Sicht. Auch die Amtszeit von Präsident Napolitano endet. Er hat jetzt noch einmal die Ehre des Landes verteidigt, auch gegen Deutschland.

© Greser & Lenz Vergrößern Halb so wild: Clowns in der italienischen Politik

In Rom gibt es nicht nur keinen Papst mehr, auch die alte Regierung Mario Monti ist abgewählt, eine neue nicht in Sicht. „Sedisvakanz“ nennen die Italiener auch das. Immerhin gibt es noch zwei Monate lang Staatspräsident Giorgio Napolitano, aber der war diese Woche ebenfalls nicht in Rom, sondern bemühte sich auf seinem letzten Staatsbesuch, die angekratzten deutsch-italienischen Beziehungen zu polieren. Dabei schrieb er sich abermals in die Herzen seiner Italiener. Zuletzt hatte er das Ende 2011 getan, damals bewahrte Napolitano Italien vor dem Staatsbankrott und setzte bei den Parteien durch, dass Silvio Berlusconi die Regierung an den Technokraten Monti abgeben musste.

Jetzt rettete der Präsident in Deutschland die Ehre ganz Italiens. Niemand nimmt an, dass der frühere Kommunist Napolitano Sympathie für den Konservativen Berlusconi hegt. Aber als ein gewisser Peer Steinbrück in Berlin, derzeit SPD-Kanzlerkandidat, den bisher in Italien fast niemand kannte, das „Unentschieden“ bei den Wahlen kommentierte und sich „entsetzt“ darüber äußerte, dass da zwei „Clowns“ gewonnen hätten, da sagte Napolitano ein Abendessen mit Steinbrück ab. Der Kanzlerkandidat hatte Berlusconi „einen Clown mit besonderem Testosteronschub“ genannt und den Chef der „Bewegung 5 Sterne“ Beppe Grillo als einen „beruflich tätigen Clown“ bezeichnet, „der auch nichts dagegen hat, wenn man ihn so nennt“.

Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano bezeichnet die jüngsten Äußerungen des SPD-Kanzlerkandidaten über Berlusconi und Grilloals (Clowns“) als „nicht in Ordnung“. Napolitano sprach nach einem Treffen mit Bundespräsident Joachim Gauck von einer „bedauerlichen Angelegenheit“. Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© reuters, Reuters Vergrößern Napolitano kritisiert Steinbrück: „Bedauerliche Angelegenheit“

Napolitano stellte sich schützend vor die beiden Politiker. So eine Äußerung sei „nicht in Ordnung“, sagte er und erbat sich „mehr Respekt“ für den Willen der Wähler in Italien. Im Trubel um den Abschied vom Papst und das chaotische Wahlergebnis, das dem Block der linken Mitte die Mehrheit in der einen und der rechten Mitte die Mehrheit in der anderen Kammer bescherte, während in beide Häuser starke Fraktionen der „Grillini“ einziehen, blieben jenseits der Alpen zunächst Reaktionen auf die Steinbrück-Kontroverse aus. Berlusconi äußerte sich auch später nicht. Auf dem Weg zurück zur Teilhabe an der Macht will er wohl jede Äußerung vermeiden, die ihm selbst schaden könnte.

Der zweite „Clown“ aber, Grillo, der bisher nur Häme über Napolitano und Deutschland geäußert hatte, schrieb plötzlich über seinen Präsidenten in seinen Blog: „Chapeau“. Die Nachricht über Napolitanos Reaktion auf Steinbrück habe er „natürlich mit Anerkennung gelesen“, und er nannte Steinbrücks Bemerkung „arrogant und wenig intelligent“. Steinbrück habe „etwa 8.700.000 Italiener, die für die ,Bewegung 5 Sterne‘ stimmten, und die 7.300.000 Italiener, die Berlusconis ,Volk der Freiheit‘ (PdL) wählten, schwachköpfig behandelt“, schrieb Grillo. Steinbrück mangele es an den unerlässlichen Fähigkeiten, die für das Kanzleramt nötig seien. „Wir respektieren Deutschland, aber auch Italien verdient Respekt.“

„Wir brauchen Frau Merkels Hinweise nicht“

Die italienischen Zeitungen, die Grillo sonst meist kritisieren, stimmten ihm diesmal zu. Der „Corriere della Sera“ nannte Steinbrücks Äußerung „rüpelhaft“; es gebe einen „Unterschied zwischen Sorge und Flegelhaftigkeit, über den man nicht einfach hinweggehen kann“. „La Repubblica“ stellte fest, Napolitanos Reaktion sei „diplomatische Notwendigkeit“ gewesen. In einem Rundfunkkommentar hieß es aber auch, es wäre gut, wenn Grillo nun an Steinbrücks schlechtem Beispiel lernen würde. Grillo sollte nun selbst die angemahnte „unerlässliche Fähigkeit“ erwerben und den Wahlerfolg verantwortungsvoll zum Nutzen von ganz Italien nutzen.

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