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Homo-Ehe Jung, konservativ, dagegen

 ·  Viele Franzosen, die das Projekt der „Ehe für alle“ ablehnen, sind unter dreißig. Allabendlich treffen sich einige von ihnen unter den Augen der Polizei vor dem Invalidendom in Paris. Sie nennen sich selbstbewusst „die Wächter“.

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© dpa Vergrößern Es soll nur eine(n) geben: Demonstration gegen die Homosexuellen-Ehe am Sonntag vor dem Invalidendom

Die Grünflächen vor dem Invalidendom in Paris sind ihr Treffpunkt. Jeden Abend um 19 Uhr versammeln sie sich dort, junge Franzosen mit Kerzen und Teelichtern. Der Altersdurchschnitt liegt deutlich unter dreißig Jahren. Hunderte junge Leute sitzen schweigend auf der Wiese.

„In der Stille liegt unsere Widerstandskraft“, sagt einer der Wortführer der spontanen Protestbewegung, Axel. Hunderte Ordnungshüter säumen die Grünfläche, sie tragen Helme, Arm- und Beinschützer, gepolsterte Schusswesten und Schutzschilder, als müssten sie sich gegen schwerbewaffnete Randalierer rüsten. Die Seitenstraßen sind mit Polizeifahrzeugen und -bussen zugeparkt.

Friedlicher Widerstand

Die allabendlichen Wachen richten sich gegen das Gesetz über die „Ehe für alle“. „Les veilleurs“, die Wächter, hat sich die Gruppe der jungen Franzosen getauft, die aus der großen Bürgerbewegung „Demo für alle“ gegen die Homosexuellenehe hervorgegangen ist. „Les veilleurs“ verstehen sich als Wächter über eine Gesellschaft, die ihre christlich-abendländischen Werte zu vergessen drohe.

Immer mehr junge Leute fühlen sich von diesem friedlichen Widerstand angezogen. In Lyon, Toulon, Toulouse und Nantes haben „die Wächter“ Nachahmer gefunden. Auch dort finden sich junge Franzosen zu abendlichen Sit-ins zusammen, um gegen das geplante Gesetz zu protestieren. An diesem Dienstag will die linke Mehrheit in der Nationalversammlung dem Gesetzentwurf endgültig zustimmen, mit dem homosexuellen Paaren das Recht auf Ehe und Adoption zugesprochen wird.

„Das entmutigt uns nicht“, sagt Josephine, eine junge Studentin, die zum zweiten Mal mit auf der Wiese sitzt. „Wir werden weiter Widerstand leisten. Wir bleiben friedlich, aber wir geben nicht auf“, sagt sie. Axel, der ein Mikrofon hat, fängt jetzt an vorzulesen. Nelson Mandela, Gandhi, Winston Churchill, es sind Textauszüge über den zivilen Widerstand, über gewaltfreien Wandel, über demokratische Rechte. Auch Charles Péguy, Pierre-Joseph Proudhon, Louis Aragon und Georges Bernanos inspirieren die „Wächter“.

„Nicht länger schämen“

„Wir haben es satt, dass wir als Faschisten und reaktionäre Katholiken verspottet werden“, sagt Louis, der sich seines katholischen Glaubens „nicht länger schämen will“. Der Student sieht sich als Teil einer großen Bewegung, mit der seine Generation in die Geschichte der Republik eingehen könnte. „Ich habe das Gefühl, dass wir eine Rolle für unser Land spielen“, sagt er. Frédéric pflichtet ihm bei.

Er habe sich bei politischen Debatten immer gelangweilt, aber jetzt wolle er verhindern, dass die Familienstrukturen noch mehr zerstört würden, sagt der Student. Die jungen Linken hätten 2006 im Widerstand gegen den von der damaligen rechtsbürgerlichen Regierung angestrebten Jugendarbeitsvertrag CPE so etwas wie einen politischen Erweckungsmoment erlebt. „Uns geht das jetzt ähnlich im Protest gegen die Ehe für alle“, sagt Frédéric.

„Sie verstehen uns einfach nicht“, sagt Vivien über die linke Staatsführung. Der Student hat sich der konservativ-christlichen Bewegung „Französischer Frühling“ („Printemps Français“) angeschlossen. Er führt einen Blog, wie so viele der „Wächter“ von den Wiesen vor dem Invalidendom.

Gleichstellung sei inakzeptable

„Sie sagen uns: Die Ehe für alle nimmt auch kein Recht weg, sie kostet euch nichts, warum seid ihr also auf den Straßen? Sie verstehen nicht, dass wir für etwas anderes kämpfen können als für unser kleines Ego. Wir kämpfen aber gegen diese Zivilisation, die sie uns aufzwingen wollen. Wir sind in einer Gesellschaft groß geworden, in der die Werte verfallen. Wir wollen einen Mai 2013, der ein Gegen-Mai 1968 ist“, schreibt Vivien.

„Viele von uns sind Scheidungskinder. Wir haben selbst erlebt, was es heißt, ohne Vater und Mutter aufzuwachsen“, sagt Carol. „Wir wollen nicht, dass es zur Norm wird, ohne Vater und Mutter groß zu werden.“ Carol zählt zu den 45 Redakteuren von „Le Rouge et le Noir“, dem Internetauftritt der jungen Homosexuellenehe-Gegner.

Auf ihren Internetseiten sprechen sie einander Mut zu, rufen zu gemeinsamen Aktionen auf und warnen vor Polizeigewalt. Marie-Capucine hat vergangene Woche zum ersten Mal eine Nacht in Polizeigewahrsam verbracht.

„Ich hätte nicht gedacht, dass mir das passieren könnte“, sagt sie. Die junge Studentin gehörte zu den 67 „Campern“, die versucht hatten, ihre Zelte vor der Nationalversammlung aufzuschlagen Sie sagt, dass sie das Vertrauen in die Parteien ihrer Eltern verloren hat und für Marine Le Pen ist. Sie spricht von einem Zusammengehörigkeitsgefühl, das sie untereinander entwickelt hätten.

Im Polizeigewahrsam hätten sie alle zusammengehalten. Ein bisschen, sagt auch Adrien, erinnerten ihn die Wachen an die Pfadfinderlager, die er früher mitmachte. Er hebt hervor, dass er und seine Freunde nichts gegen Homosexuelle hätten. Aber er könne nicht akzeptieren, dass homosexuelle Paare mit Ehepaaren gleichgesetzt und Kinder adoptieren werden.

„Das ist nur der Anfang. Bald werden dann Homosexuelle auch die Reproduktionsmedizin beanspruchen und Leihmütter fordern. Und im Namen der Gleichheit wird auch das dann erlaubt“, sagt er. Er wolle aber nicht in einer Gesellschaft leben, in der alles käuflich sei. Sie wollen sich gleich am nächsten Abend wiedertreffen, auf der Wiese vor dem Invalidendom, beim Grab Napoleons. „Wir sind die Jugend und Frankreichs Zukunft“, schreibt ein Redakteur von „Le Rouge et le Noir“.

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