Home
http://www.faz.net/-gq5-760ks
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Gesetz zur Home-Ehe In Frankreich bleibt es bei „Vater“ und „Mutter“

Präsident Hollande haben die Demonstrationen gegen die Homo-Ehe offensichtlich doch beeindruckt: Die sozialistische Mehrheit will darauf verzichten, die Bezeichnungen „Vater“ und „Mutter“ sowie „Ehefrau“ und Ehemann“ aus dem Gesetzbuch zu streichen.

© AFP Protest gegen die Homo-Ehe in Paris am 13. Januar

Jetzt bleibt es doch bei „Vater“ und „Mutter“ in Frankreich. Unbeachtet von der Öffentlichkeit hat die sozialistische Regierung zumindest einer Forderung der Gegner der „Ehe für alle“ stattgegeben. Im Rechtsausschuss der Nationalversammlung brachte der sozialistische Berichterstatter Erwann Binet einen Änderungsantrag ein, bevor die Nationalversammlung am 29. Januar die Beratungen über den Gesetzesentwurf zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe aufnimmt. Die sozialistische Mehrheit will darauf verzichten, dass die Bezeichnungen „Vater“ und „Mutter“ sowie „Ehefrau“ und Ehemann“ aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (Code civil) verschwinden. Ursprünglich war geplant, diese Begriffe durch Elternteil 1 und Elternteil 2 sowie Ehepartner 1 und Ehepartner 2 zu ersetzen. Die Gegner der „Ehe für alle“ hatten geargwöhnt, dass mit dieser Änderung der Geschlechterunterschied aufgehoben und die Familienstrukturen in ihren Fundamenten erschüttert würden.

Präsident Hollande, der sich von der Massendemonstration am 13. Januar in Paris zunächst unbeeindruckt gezeigt hatte, gibt offensichtlich etwas nach. An diesem Freitagabend will er die Wortführerin der Protestbewegung gegen die Homo-Ehe, Frigide Barjot, und zwei ihrer Mitstreiter im Elysée-Palast zu einem Gespräch empfangen.

Lange hatte sich Hollande gesträubt, sich auf einen Austausch mit den Kritikern seines Wahlkampfversprechens einzulassen. Der Präsident bleibt dabei, ein Referendum über die Homo-Ehe auszuschließen. Auch will er die Beratungen über den Gesetzentwurf nicht vertagen, wie es Frau Barjot und die Demonstranten am 16. Januar forderten. Die Organisatoren der „Demo für alle“ sind erbost über den sozialistischen Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoe, der von ihnen die Zahlung von 100000 Euro verlangte wegen der Beschädigung der Rasenfläche auf dem Marsfeld vor dem Eiffelturm. Es ist unüblich, dass die Stadtverwaltung bei genehmigten Demonstrationen Rechnungen entsendet, zumal es zu keinerlei Sachbeschädigung kam. Vielmehr hat die Rasenfläche nur darunter gelitten, dass mehrere hunderttausend Franzosen sich darauf versammelt hatten. Die Organisatoren bringt die Forderung Delanoes in finanzielle Schwierigkeiten. Sie sehen in der Rechnung einen politischen Racheakt. Delanoe befürwortet seit langem die Homo-Ehe und hat sich in der französischen Hauptstadt als Organisator der Gay Parade hervorgetan. Er unterstützt die von der Sozialistischen Partei zusammen mit dem Dachverband der Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen organisierte Demonstration für die „Ehe für alle“ in der Hauptstadt.

Die Sozialistische Partei hat sich die Mobilisierung der Gegner zum Vorbild genommen und Busse in allen Landesteilen gemietet, um Befürworter nach Paris zu transportieren. Auch im Internet und den sozialen Netzwerken mobilisieren sich die Anhänger der Homo-Ehe. Sie streben an, genauso viele Demonstranten aufzubieten wie die Gegner am 13. Januar. Deren Zahl bleibt weiterhin ein Geheimnis. Während die Polizeipräfektur von 340.000 spricht, gehen die Veranstalter von einer Million Teilnehmern aus.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Terror in Frankreich Hollande warnt vor weiteren Anschlägen

Staatspräsident Hollande weist auf die anhaltende Terrorgefahr in Frankreich hin. Unterdessen wurde nun bekannt, dass der von Reisenden überwältigte Thalys-Angreifer kurz vor dem Besteigen des Zuges ein Dschihadisten-Video angeschaut haben soll. Mehr

25.08.2015, 14:08 Uhr | Politik
Demonstration in Paris Lehrer protestieren gegen Bildungsreform

In der französischen Hauptstadt Paris haben zahlreiche Lehrer gegen eine Schulreform protestiert. Die Regierung unter Präsident François Hollande will mit den Maßnahmen für einen gerechteren Einsatz von Bildungsressourcen an Mittelschulen sorgen. Die Demonstranten hingegen fürchten Nachteile für die zweite Fremdsprache. Mehr

12.06.2015, 10:53 Uhr | Politik
Thalys-Helden ausgezeichnet Ihr Heldenmut sollte ein Vorbild für viele sein

François Hollande hat die Thalys Helden, drei Amerikaner und einen Briten, zu Rittern der französischen Ehrenlegion ernannt. Mit ihrem Einsatz gegen den schwerbewaffneten Angreifer hätten sie einen Anschlag und ein Blutbad verhindert. Mehr

24.08.2015, 10:53 Uhr | Politik
Demonstration Hunderte G-7-Gegner protestieren vor Schloss Elmau

Rund um den G-7-Gipfel haben Demonstrationen begonnen. Hunderte G-7-Gegner protestierten in der Region um Schloss Elmau. Mehr

07.06.2015, 16:47 Uhr | Politik
Frankreichs Präsident Hollande will Krieg gegen den Terrorismus führen

Der französische Präsident François Hollande bezeichnete den Krieg gegen den Terror als das wichtigste Thema der französischen Außenpolitik. Von einem Erfolg hänge auch die Eindämmung der Flüchtlingsströme ab. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

25.08.2015, 17:21 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 24.01.2013, 16:17 Uhr

Hell und Dunkel

Von Jasper von Altenbockum

Das Wort vom „Dunkeldeutschland“ hat weder Hilfsbereitschaft noch Aufnahmekapazitäten wachsen lassen, sondern ideologische Gräben. Die verlaufen mitten unter Demokraten. Mehr 478