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Veröffentlicht: 14.10.2014, 12:32 Uhr

Französische Streitkräfte Sakrosankt, aber nicht einsatzbereit

Frankreich ist die Wehrfähigkeit seiner Armee äußerst wichtig. Deshalb zögern die Franzosen nie lange, wenn es um Militäreinsätze im Ausland geht. Doch wie die Bundeswehr sind auch die französischen Streitkräfte in einem schlechten Zustand.

von , Paris
© AFP Der französische Präsident Francois Hollande erklärte die Armee kürzlich für „sakrosankt“

Libyen, Mali, Zentralafrikanische Republik und jetzt der Irak: Die Franzosen zögern nicht lange, wenn es um Militäreinsätze im Ausland geht. Die Wehrfähigkeit der Armee ist ihnen wichtig, so wichtig, dass Präsident François Hollande das Verteidigungsbudget kürzlich für „sakrosankt“ erklärte. Der Haushaltsentwurf, über den Mitte dieser Woche in der Nationalversammlung debattiert wird, sieht zwar für 2015 einen Personalabbau von 7500 Stellen bei den Streitkräften vor. Aber die Verteidigungsausgaben sollen mit 31,4 Milliarden Euro auf hohem Niveau festgeschrieben werden. Auch wenn sich die Franzosen ihre Armee im Vergleich zu den Deutschen viel mehr kosten lassen, ist es um die Einsatzbereitschaft von Panzern, Kampfhubschraubern oder U-Booten nicht besser bestellt. So hat der Rechnungshof (Cour des Comptes) in einem Ende September veröffentlichten Bericht zur Wartung und Instandhaltung des Wehrmaterials Alarm geschlagen.

Michaela Wiegel Folgen:

Nur knapp die Hälfte der Flugzeuge der französischen Luftwaffe ist einsatzbereit, Tendenz fallend, warnen die staatlichen Rechnungsprüfer. Ein Flugzeug gilt als „nicht einsatzbereit“, wenn es nicht innerhalb von sechs Stunden eingesetzt werden kann. 2008 lag die Bereitschaftsrate der Fluggeräte der Luftstreitkräfte noch bei 60 Prozent, inzwischen ist sie auf 41 gesunken. Besonders dramatisch sind die Ausfälle des deutsch-französischen Kampfhubschraubers Tiger. Der von der Airbus-Tochter Eurocopter gebaute Kampfhubschrauber war 2013 nur zu 22 Prozent einsatzbereit. Die von Dassault produzierten Kampfflugzeuge Super Étendard der Marine kommen auf eine Einsatzbereitschaft von 31 Prozent, die Transportflugzeuge C-130 Hercules auf 39 Prozent. Grund zur Sorge bereitet weiterhin der einzige französische Flugzeugträger „Charles de Gaulle“, dessen Verfügbarkeitsrate wegen großer Reparaturanfälligkeit auf 46 Prozent gesunken ist. Einen zweiten Flugzeugträger, wie er ursprünglich geplant war, wird es aufgrund der Kostenzwänge nicht geben. Bei den 16 Fregatten hat sich indes die Bereitschaft leicht verbessert, sie liegt bei 60 Prozent, ebenso wie bei den sechs nuklearbetriebenen U-Booten. Hohe Ausfallraten gibt es aber trotzdem noch.

Beim Fuhrpark des Heers sieht es nicht viel besser aus

Auch beim Fuhrpark des Heers sieht es nicht viel besser aus. Die staatlichen Rechnungsprüfer weisen darauf hin, dass die Einsatzbereitschaft bei den geschützten Landfahrzeugen bei 62 Prozent liegt, 1997 hatte sie noch bei 82 Prozent betragen. Der Soldatenverband „Association de défense des droits des militaires“ (Adefdromil) hat sich zur Plattform für Beschwerden über unzureichende Ausrüstung, Materialmängel und Pannen entwickelt. So berichteten Soldaten, die in der Zentralafrikanischen Republik eingesetzt sind, anonym über ihren täglichen Kampf mit veralteten Einsatzfahrzeugen. Eine Soldatenmutter namens Caroline unterhält eine Facebook-Seite, auf der die Afrika-Kämpfer ihr Leid klagen: „Wir müssen mit einer Eisenstange auf den Starter einprügeln, damit das Fahrzeug anspringt – manchmal funktioniert das, manchmal nicht. Man kann nur hoffen, dass man dann nicht unter feindlichen Beschuss gerät.“

Der gerade abgelöste Generalstabschef des Heeres, Bertrand Ract-Madoux, beschwerte sich öffentlich über den Zustand des Wehrmaterials. Dabei investiert die Armee mehr Geld als je zuvor für Instandsetzung und Wartung. Die Kosten sind von 4,9 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf sechs Milliarden 2013 gestiegen. Die Rechnungsprüfer empfehlen der Armee deshalb, ihre Wartungsprozeduren neu zu organisieren. So sei einer der Gründe für die unzureichende Einsatzbereitschaft die zu große Anzahl von Standorten zur Wartung und Reparatur des Geräts. Eine große Debatte über den Zustand der französischen Streitkräfte hat der Rechnungshofbericht nicht hervorgerufen.

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Von Berthold Kohler

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