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Frankreich : Der Journalist, der Hollande in Bedrängnis brachte

Wieder ein „Scoop“: der französische Journalist Edwy Plenel in seinem Büro in Paris Bild: AP

Edwy Plenel enthüllte die Sprengung des Greenpeace-Schiffs Rainbow Warrior durch den Geheimdienst, die Bettencourt-Affäre um Nicolas Sarkozy - und nun Jérôme Cahuzacs Auslandskonten. Der Aufklärer der Republik ist der politischen Elite ein Graus.

          François Hollande ist nicht der erste französische Präsident, den Edwy Plenel in Bedrängnis gebracht hat. Der Journalist, der einst beim linksextremen Kampfblatt „Rouge“ begann und nun die Cahuzac-Affäre enthüllte, hat sich auf Staatsaffären spezialisiert. Bekannt wurde Plenel 1985 mit dem „Scoop“ über die Sprengung des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior durch den französischen Geheimdienst. Die in „Le Monde“ veröffentlichten Enthüllungen erschütterten die damalige sozialistische Staatsführung unter François Mitterrand. Verteidigungsminister Charles Hernu musste zurücktreten.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Seither ist der frühere Trotzkist nicht müde geworden, als oberster Aufklärer durch die Republik zu ziehen. Mitterrand hielt den Journalisten aus Nantes für einen Staatsfeind und ließ ihn abhören. Auch Nicolas Sarkozy soll den Inlandsgeheimdienst auf Plenels Journalisten angesetzt haben, das behauptete zumindest Plenel.

          Plenel scheint sich permanent in einem Machtkampf mit den Mächtigen zu befinden. Seine Lieblingsrolle sei „Ich gegen den Präsidenten“, spottete das linke Magazin „Marianne“. Manchen gilt der 60 Jahre alte schmächtige Mann mit dem buschigen dunklen Schnurrbart als Fanatiker, andere bewundern ihn als Vorkämpfer der Pressefreiheit. Die Zeitung „Le Monde“ prägte Plenel als Chefredakteur - teils im Duo mit dem Herausgeber Jean-Marie Colombani - mehr als zwei Jahrzehnte.

          In dem Buch „La face cachée du Monde“ („Die verborgene Seite von ,Le Monde‘“) wurde Plenel angegriffen, aus der Zeitung ein Kampfblatt der Linken gegen Präsident Chirac gemacht zu haben. Die Vorwürfe von Selbstzensur und Nachrichtenmanipulation sollen mit dazu beigetragen haben, dass Plenel 2005 entlassen wurde. Plenel hatte sich zudem dagegen gestemmt, den Rüstungsunternehmer Lagardère bei „Le Monde“ einsteigen zu lassen.

          Der politischen Elite ein Graus

          Plenel machte sich selbständig und gründete 2008 mit anderen ehemaligen „Le Monde“-Journalisten die Internetredaktion Mediapart. In einer kleinen Seitenstraße gleich hinter der Bastille sitzt die inzwischen 31 Journalisten zählende Redaktion, die jetzt wegen ihrer Unabhängigkeit in der Cahuzac-Affäre gefeiert wird. Plenel hatte auch die sogenannte Bettencourt-Affäre um die L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt ins Rollen gebracht. Er veröffentlichte die Abhörprotokolle, die ein Angestellter in der Privatvilla der Milliardärin aufgenommen hatte. Sarkozys Haushaltsminister Eric Woerth musste als Folge zurücktreten, noch immer ermittelt die Justiz.

          Plenel ist davon überzeugt, dass Frankreichs Demokratie an einem Mangel von unabhängigen Presseorganen krankt. Mediapart finanziert sich größtenteils aus Abonnements und Werbung. Der politischen Elite hingegen ist der investigative Journalismus Plenels oftmals ein Graus. Der frühere UMP-Generalsekretär Xavier Bertrand hielt Plenel „faschistische Arbeitsweisen“ vor. Jérôme Cahuzac strengte kurz vor seinem Rücktritt als Haushaltsminister eine Verleumdungsklage gegen Plenel an. Darüber lacht Plenel heute besonders herzhaft.

          Quelle: F.A.Z.

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