http://www.faz.net/-gq5-7ydfu

Ermordete Pariser Polizisten : „Je suis Ahmed“

Bei Twitter wurde ein Bild veröffentlicht, das den Polizisten Ahmed Merabet zeigen soll. Bild: Twitter/akchishti

Viele gedenken der getöteten Zeichner und Journalisten. Doch auch zwei Polizisten verloren ihre Leben, weil sie ihre Pflicht taten. Einer davon war muslimischen Glaubens – wie die Attentäter.

          Nicht alle in Frankreich „sind Charlie“. Manche sagen „Je suis Ahmed“ – in Verbeugung vor dem muslimischen Polizisten, der in Paris von den Terroristen unmittelbar nach ihrem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ kaltblütig erschossen worden war.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Er sprach fließend arabisch wegen seiner algerischen Wurzeln, er war Muslim, er war ein begeisterter Sportler und er war bei seinen Kollegen sehr beliebt. Ahmed Merabet, 42 Jahre alt, hatte am vergangenen Mittwoch das Pech, zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein. Doch er tat seine Pflicht als Polizist des 11. Arrondissements, das er vor Gewalttätern jeder Art zu schützen hatte.

          Mit seinem Fahrrad auf dem Boulevard Richard-Lenoir unterwegs, zog er seine Waffe, als sich der schwarze Citroën näherte. Im Wagen saßen die Brüder Chérif und Saïd Kouachi, die gerade Redakteure und Zeichner der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ brutal ermordet hatten.

          Polizisten hatten keine Chance gegen Attentäter

          Gegen die schwer bewaffneten Attentäter hatte Merabat nie eine Chance. Während des Feuergefechts wurde er in der Leistengegend getroffen und fiel stöhnend auf den Bürgersteig. Doch die Brüder Kouachi wollten sich damit nicht zufrieden geben.

          Anstatt die Flucht fortzusetzen, was ohne weiteres möglich gewesen wäre, sprangen sie mit ihren Sturmgewehren aus dem Wagen. Einer von ihnen lief auf Merabet zu und schrie ihn an: „Willst Du uns töten?“. Der Angeschossene hob den Arm und gab zurück: „Nein, ist schon gut, Chef“. Das waren seine letzten Worte. Einer der Kouachi-Brüder schoss ihm aus nächster Nähe in den Kopf. Eine kaltblütige Hinrichtung eines Glaubensbruders durch jene, die vorgeben, im Namen Allahs zu töten.

          Amateur-Video : Attentäter erschießen kaltblütig Sicherheitskraft

          All das ist im Internet aus nächster Nähe zu sehen. Ein Anwohner filmte ein Video, das die französischen Fernsehsender wegen seiner Brutalität nicht in vollständiger Länge zeigen.

          Ahmed wurde „wie ein Hund erschossen“, empörte sich einer seiner Kollegen, der Sprecher der Polizeigewerkschaft SGP-FO, Nicolas Comte. Seit seinem Tod häufigen sich die Würdigungen des Polizisten, der auf den überall veröffentlichten Fotos sympathisch blickt. Im März wollte er seine lokale Polizeistelle verlassen und einen anspruchsvolleren Posten bei der Kriminalpolizei annehmen. Dafür hatte er sich länger weitergebildet und qualifiziert.

          Als die tödlichen Schüsse auf Ahmed Merabet fielen, war sein Kollege Franck Brinsolaro schon tot. Der 48 Jahre alte Polizist war für die Bewachung des Chefredakteurs von „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier, abgestellt. Nach Augenzeugenberichten hatte er nicht einmal Zeit, seine Waffe zu ziehen, als die Attentäter in die Redaktion stürmten.

          Brinsolaro hatte gerade die junge Chefredakteurin einer Lokalzeitung geheiratet. Zusammen hatten sie eine einjährige Tochter. „Ganz Frankreich muss sich jetzt mobilisieren“, sagte sein Zwillingsbruder, Philippe Brinsolaro, der auch Polizist ist, am Donnerstag, „man darf die Meinungsfreiheit nicht so angreifen, wie es geschehen ist.

          Mehrere Polizeigewerkschaften forderten unterdessen eine schwerere Bewaffnung der Beamten. „Wir sind mit hochgefährlichen Terroristen konfrontiert und müssen auf diese neue Gefahr besser eingestellt sein“, sagt Gewerkschaftssprecher Comte. Im Zuge der ausgerufenen höchsten Alarmstufe des Planes „Vigipirate“ sind die meisten Polizisten bereits mit Maschinenpistolen und kugelsicheren Westen ausgestattet worden. Viele Polizisten fordern nun, diese permanent tragen zu dürfen.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Polizeieinsatz gegen Hells Angels Video-Seite öffnen

          Nordrhein-Westfalen : Polizeieinsatz gegen Hells Angels

          Mit einem Großaufgebot hat die Polizei am Mittwochmorgen in 16 Städten in Nordrhein-Westfalen Wohnungen und Geschäfte im Rockermilieu durchsucht. Mehr als 700 Polizisten waren im Einsatz. Zuvor hatte das nordrhein-westfälische Innenministerium eine Hells-Angels-Ortsgruppe in Erkrath und deren Unterstützerorganisation verboten.

          Massenflucht der Rohingya Video-Seite öffnen

          Burma : Massenflucht der Rohingya

          Die Zahl der aus Burma fliehenden muslimischen Rohingya ist nach Angaben der Vereinten Nationen drastisch gestiegen. Sie fliehen vor Gewalt und Hunger. Im Süden von Bangladesch droht sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation eine Cholera-Epidemie auszubreiten. In den Flüchtlingslagern werden Platz, Wasser und Nahrung knapp.

          Topmeldungen

          Monokulturen und der Einsatz von Agrarchemikalien stehen im Verdacht als Auslöser des Insektenschwunds.

          75 Prozent weniger Insekten : „Wir befinden uns mitten in einem Albtraum“

          Das Insektensterben lässt sich nicht mehr abstreiten. Der oft kritisierte Krefelder Entomologen-Verein hat jetzt in einer Langzeitstudie gezeigt: Die Populationen sind seit der Wende um drei Viertel geschrumpft. Welchen Anteil hat die Landwirtschaft, welchen das Klima?
          Flüchtlinge gehen am 27. Oktober 2015 nahe des bayerischen Wegscheid hinter einem Fahrzeug der Bundespolizei her, das sie zu einer Notunterkunft geleitet.

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Konfusion als Methode

          Das Bild im Studio zeigt einen Flüchtlingstreck aus dem Jahr 2015. Die musikalische Untermalung stammt von der amerikanischen Serie „House of Cards“. Sandra Maischbergers Fragen erzeugen Verwirrung.
          Im Mittelpunkt des Interesses: Der Parteikongress in Peking lähmt sogar den Straßenverkehr.

          Zurück in die Zukunft : China will wieder mehr Staat

          Auf dem Parteikongress ordnet Xi Jinping seine Prioritäten neu. Mehr Planwirtschaft und Kontrolle sollen China zu neuer Größe führen. Welche Folgen könnte das haben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.