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Balkan : Kosovos Kicker und die großalbanische Versuchung

Kosovo-Albaner greifen wenn es emotional wird, oft noch zur roten albanischen Flagge, nicht zur blau-gelben des Kosovo. Bild: AP

Der Internationale Sportgerichtshof entscheidet heute über das Begehren Serbiens, das Kosovo wieder aus der Uefa auszuschließen. Diese Entscheidung könnte die Stabilität des Balkans gefährden.

          An diesem Montag wird in der Schweiz eine der für den Balkan wichtigsten politischen Entscheidungen des Jahres eingeleitet. Vor dem Sportgerichtshof in Lausanne findet auf Initiative Serbiens eine Anhörung zur Aufnahme des Kosovos in den europäischen Fußballverband Uefa statt. Ziel des serbischen Fußballverbands ist es, die auf dem Uefa-Kongress in Budapest im Mai beschlossene Aufnahme des Kosovos rückgängig zu machen. Serbien argumentiert, dass in Budapest die Statuten der Uefa verletzt worden seien, laut denen ein Verband nur dann Mitglied werden kann, wenn er seinen Sitz in einem von den Vereinten Nationen anerkannten Staat hat.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Das Kosovo hat seine Unabhängigkeit mit amerikanischer und weitgehender europäischer Unterstützung im Jahr 2008 proklamiert, ist aber bis heute nicht Mitglied der Vereinten Nationen, da die Aufnahme von Russland mit einer Vetodrohung im Sicherheitsrat verhindert wird. Setzt Serbien sich in Lausanne durch, müsste das Kosovo auch den Fußball-Weltverband Fifa verlassen, denn dort können nur solche europäischen Verbände Mitglied sein, die vorher in die Uefa aufgenommen wurden. Folglich müsste dann wohl auch die erst vor wenigen Monaten gegründete Fußball-Nationalmannschaft, die derzeit an der Qualifikation zur Fußball-WM in Russland teilnimmt, aus dem laufenden Wettbewerb ausgeschlossen werden.

          Furcht vor Großalbanien

          Für den Westen, allen voran die Vereinigten Staaten, Deutschland, Großbritannien und Frankreich, die wichtigsten Förderer der kosovarischen Eigenstaatlichkeit, wäre ein serbischer Erfolg in Lausanne eine herbe Niederlage ihrer Balkan-Politik. Denn kosovarische Erfolge im internationalen Sport sind ein oft unterschätztes Element in der Bildung einer spezifisch kosovarischen Identität, die sich von Albanien abgrenzt – und die versucht der Westen aus guten Gründen zu fördern.

          Die Furcht vor einer Vereinigung des Kosovos mit Albanien und einer danach zu befürchtenden Kaskade neuer, möglicherweise gewaltsamer Grenzverschiebungen auf dem Balkan ist groß. Deshalb tut der Westen viel, um eine nationale kosovarische Identität bei den Kosovo-Albanern (die serbische Minderheit wird sich dafür nicht gewinnen lassen) zu fördern. Die Erfolge sind freilich übersichtlich.

          Politisch korrekter Jubel nach Olympiasieg

          Doch einer 25 Jahre alten kosovarischen Sportlerin gelang in diesem Sommer per Schulterwurf, was die westliche Politik jahrelang kaum vermocht hatte: Als Majlinda Kelmendi bei den Olympischen Spielen in Rio bei der ersten Olympiateilnahme des Kosovos auch gleich die erste Goldmedaille für Europas jüngsten Staat gewonnen hatte, gingen in ihrer Heimat Tausende begeisterte Kosovo-Albaner auf die Straßen und schwenkten zur Feier der besten Judoka der Welt die heimatliche Flagge. Das entscheidende Detail dabei: Viele schwenkten tatsächlich die blau-gelbe Flagge des Kosovos, die bei der Medaillenverleihung in Rio gehisst worden war – und nicht etwa die rot-schwarze Fahne Albaniens.

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