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Ukraine-Konflikt : Wie Russland die Separatisten unterstützt

Kampfpanzer vom Typ T-72B3, hier bei der Siegesparade in Moskau, hat die ukrainische Armee nicht. Trotzdem wurden Exemplare in der Ostukraine gesichtet. Bild: AFP

Mit öffentlich zugänglichem Material wollen internationale Sicherheitsanalytiker die Anwesenheit russischer Truppen in der Ostukraine beweisen. Putin versucht derweil, weitere unliebsame Berichte zu verhindern.

          Kämpfen russische Soldaten in der Ostukraine? Zumindest Fachleute der amerikanischen Denkfabrik „Atlantic Council“ sind davon überzeugt. Sie haben nun in einem Bericht öffentlich zugängliche Indizien für die Militärhilfe aus Moskau zusammengetragen.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Der Bericht mit dem Namen „Hiding In Plain Sight“ fasst Erkenntnisse zusammen, die die Berichterstatter aus Quellen wie Google-Maps, Youtube, VKontakte (ein russisches soziales Netzwerk), Instagram, Medienberichten und anderen Untersuchungen gewonnen haben. Sie untersuchten die Herkunft von Fotos russischer Soldaten, analysierten Google-Maps-Bilder von Kraterfeldern und durchforsteten Youtube nach Videos, in denen russische Soldaten zu sehen sind.

          Nach Durchsicht all dieses Materials kamen die Analytiker zu dem Schluss, dass Russland mehrere Basen an der ukrainischen Grenze aufgebaut hat, die den Armee-Einheiten als Übungsgelände dienen, bevor sie in die Ukraine verlegt werden. Außerdem stellen sie fest, dass die russischen Einheiten systematisch versuchen, ihre Identität zu verschleiern, indem sie Erkennungszeichen von Uniformen und Fahrzeugen entfernen. Deutlich ist demnach auch, dass viele Waffen, die die Separatisten in der Ostukraine nutzen, nicht von der ukrainischen Armee stammen können. Ebenso klar scheint zu sein, dass russische Artillerieeinheiten über die Grenze hinweg auf die ukrainische Armee gefeuert haben, um Offensivoperationen der Separatisten zu unterstützen.

          Informationen werden Staatsgeheimnis

          Die Anwesenheit von russischen Truppen in der Ukraine, und zwar nicht als „freiwillige Kämpfer“ wie der Kreml immer wieder behauptet, wird in dem Bericht durch Bilder belegt. So gibt es Aufnahmen von militärischem Gerät, das in Russland Richtung Westen unterwegs ist und Bilder von denselben Waffensystemen in der Ukraine. So wurde etwa eine Panzerhaubitze vom Typ MSTA-S im Juli 2014 in Rostow am Don gesichtet und im September in Nowoasowsk in der Ukraine. Auch gibt es Bilder von Soldaten der russischen Armee, die diese selbst in sozialen Netzwerken veröffentlicht haben und die sie in der Ukraine zeigen. Außerdem gibt es Soldaten, die nach ihrem Einsatz in der Ukraine ihre Erfahrungen in den Medien öffentlich gemacht haben.

          Und nicht nur mit Soldaten, sondern auch mit Waffen und Kriegsmaterial hat Russland die Separatisten laut „Atlantic Council“ unterstützt. Kampfpanzer vom Typ T72-B3 und Luftabwehrsysteme Panzir-S1 wurden dem Bericht zufolge in der Ostukraine gesichtet, obwohl diese nicht von der ukrainischen Armee eingesetzt werden, von den Separatisten also nicht erbeutet worden sein können.

          Weitere Beweise dafür, dass russische Soldaten in der Ukraine kämpfen, sind die Berichte über Soldaten, deren Tod und Beerdigung als Geheimnis behandelt werden. Informationen über Soldaten, die in Friedenszeiten während ihres Dienstes sterben, wurden am Donnerstag durch einen Erlass von Präsident  Wladimir Putin zu Staatsgeheimnissen erklärt. Schätzungen zufolge sind schon mehr als 200 russische Soldaten bei Kämpfen im Donbass gefallen. Diese Zahlen werden unterstützt von einer Untersuchung, die der ermordete russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow vor seinem Tod unternommen hatte und die postum veröffentlicht wurde.

          Putins Absichten aufklären

          Die Existenz von russischen Basen an der ukrainischen Grenze ist auf Satellitenbildern von Google-Earth zu sehen. Auch Reporter vor Ort haben diese beschrieben. So berichtete eine Reuters-Reporterin in dieser Woche, dass sie in der Nähe von Rostow beobachtet habe, wie russische Panzer, Raketenwerfer und andere Waffensysteme in eine Basis rund 50 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt verlegt worden seien.

          Dort soll sich auch eine der Abschussbasen befinden, von der russische Raketen in die Ukraine abgefeuert wurden. Die Internet-Plattform „Bellingcat“, deren Gründer Eliot Higgins auch einer der Autoren der Studie ist, hatte im Februar berichtet, dass sie durch die Analyse von Einschlagskratern in der Ukraine mehrere solcher Abschussstellen in Russland identifiziert haben.

          Die Fachleute des „Atlantic Council“ verfolgen mit ihrem Bericht dezidiert die Absicht, die Politik des Westens Russland gegenüber zu beeinflussen. So fordern sie, dass wesentlich mehr Mittel, vor allem der Geheimdienste, genutzt werden sollen, die Absichten Putins in der Ukraine aufzuklären und der Informationskampagne des Kremls entschlossen entgegenzutreten. Dazu gehört ihrer Ansicht nach mindestens auch die Verlängerung der europäischen Sanktionen gegen Russland, über die die EU-Staaten im nächsten Monat entscheiden wollen.

          Quelle: FAZ.NET

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