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Doppelanschlag in Reyhanli Türkei macht syrischen Geheimdienst verantwortlich

Bei einem Doppelanschlag in der türkischen Grenzstadt Reyhanli sind 46 Menschen getötet worden. Die Polizei nahm neun türkische Verdächtige fest. Die türkische Regierung sieht eine Verbindung zum syrischen Geheimdienst.

© dpa Vergrößern Nach dem Doppelanschlag: türkische Polizei in Reyhanli

Die türkische Polizei hat nach dem verheerenden Doppelanschlag in der Grenzstadt Reyhanli neun Verdächtige festgenommen. Sie seien alle türkische Staatsbürger, zitierten türkische Medien den Vizeregierungschef Besir Atalay. Nach seinen Angaben haben die Beschuldigten die Tat teilweise gestanden.

Beim schwersten Bombenschlag seit Beginn des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien waren am Samstag in Reyhanli mindestens 46 Menschen getötet worden. Die Explosion von zwei Autobomben verletzte am Samstag in der Grenzstadt Reyhanli zudem etwa 140 Menschen. Nach Angaben türkischer Regierungspolitiker führen Spuren zum Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die Täter sollen Kontakt zum syrischen Geheimdienst haben. Das syrische Regime weist jede Verantwortung zurück.

Kerry: Amerika steht an der Seite seines Verbündeten Türkei

International wurden die Anschläge verurteilt. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte nach Angaben eines Sprechers, er verurteile „alle terroristischen Taten“. „Kein Grund oder Missstand kann jemals Angriffe auf Zivilisten rechtfertigen.“ Der amerikanische Außenminister John Kerry sprach in Washington von „schrecklichen Nachrichten“. Die Vereinigten Staaten stünden an der Seite „unseres Verbündeten Türkei“.

Fernsehbilder zeigten massive Zerstörungen - eine Explosion hatte ein riesiges Loch in die Straße gerissen. Nach Angaben syrischer Aktivisten waren unter den Verletzten auch einige Syrer. Die türkische Armee schickte Verstärkung in das Grenzgebiet.

Explosions in Reyhanli near of Turkey- Syria border Bomben verwüsteten den Marktplatz © dpa Bilderstrecke 

Davutoglu: Niemand soll unsere Macht testen

Vor Atalay hatte bereits Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärt, die Anschläge könnten im Zusammenhang mit dem Krieg in Syrien stehen. Außenminister Ahmet Davutoglu sieht in der Tat eine gezielt gegen sein Land gerichtete Provokation. Er verwies auf Kräfte, die den Frieden in der Türkei stören wollten. „Niemand sollte unsere Macht testen. Unsere Sicherheitskräfte werden alle nötigen Maßnahmen ergreifen“, sagte Davutoglu in Berlin. Dort wollte er am Sonntag mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP) einen neuen strategischen Dialog zwischen Deutschland und der Türkei eröffnen. Er solle „unsere Beziehungen auf eine neue Ebene heben“, schrieben beide Minister in einem Gastbeitrag für die F.A.S.

Die syrische Opposition verurteilte die Anschläge mit scharfen Worten. „Wer diese verabscheuungswürdigen Terroranschläge verübt hat, will damit die türkische Regierung, die dem syrischen Volk beisteht, für ihre ehrenhafte Haltung bestrafen“, erklärte die Nationale Syrische Koalition in Istanbul. Ziel des Terrors sei es offensichtlich, einen Keil zwischen Syrer und Türken zu treiben.

Türkische Jugendliche demolieren syrische Geschäfte und Autos

Syrische Revolutionsaktivisten warnten vor möglichen Übergriffen auf Syrer im Grenzgebiet. Sie riefen über den Kurznachrichtendienst Twitter alle in Reyhanli lebenden Flüchtlinge dazu auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Als Reaktion auf die Anschläge soll es in dem Ort auch zu Übergriffen der türkischen Bevölkerung gekommen sein. Ein Augenzeuge des Anschlags in Reyhanli berichtetet der F.A.S., kurz nach den beiden Explosionen seien etwa fünfzig türkische Jugendliche marodierend durch die Straßen gezogen. Sie hätten Autos mit syrischen Kennzeichen demoliert und die Scheiben syrischer Geschäfte eingeschlagen. Nach einer Stunde habe ein großes Polizeiaufgebot die Jugendlichen vertrieben und die Anschlagsorte weiträumig abgesperrt.

Etwa sechzig Prozent der Einwohner von Reyhanli sind syrischer Herkunft, die Provinz Hatay gehört erst seit 1939 zur Türkei. Dort leben auch Syrer, die loyal zu Präsident Assad stehen, während die türkische Regierung die Opposition unterstützt. Das hatte schon früher zu Spannungen geführt. Von Reyhanli aus wird ein Teil der humanitären Hilfe für die „befreiten Gebiete“ in Syrien geliefert.

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Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 12.05.2013, 11:01 Uhr

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