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Politik und Sport : Die Macht, das Recht – und der Fußball

Kosovo-Albaner feierten im Mai die Aufnahme ihres Landes in die Uefa. Bild: Picture-Alliance

Das Kosovo will Uefa-Mitglied werden, doch Serbien klagt dagegen. Nun entscheidet ein Gericht. Welche Rolle spielt Franz Beckenbauer in der Geschichte?

          Diese Geschichte begann vor mehr als 15 Jahren in Moskau, und enden wird sie, zumindest vorläufig, am Montag dieser Woche in Lausanne. In ihr spielen Franz Beckenbauer und Wladimir Putin eine Rolle, weshalb es darin um Geld und Macht gehen wird, aber ein wenig auch um Fußball. Die Geschichte beginnt an einem Frühlingstag des Jahres 1999 in Russland, und zwar mit drei Namen, die nicht nur für russische Ohren fremdländisch klingen: Mabetex ist der erste, Behgjet Pacolli der zweite, Carla Del Ponte der dritte. Mabetex ist zu dieser Zeit ein Baukonzern mit Sitz im schweizerischen Lugano, Herr Pacolli sein Besitzer und Frau Del Ponte die oberste Staatsanwältin der Schweiz.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Bei gemeinsamen Ermittlungen mit Russlands Generalstaatsanwalt Jurij Skuratow ist sie dem Umstand nachgegangen, dass Mabetex im Reich des siechen russischen Präsidenten Boris Jelzin auffällig viele staatliche Großaufträge erhalten hat, unter anderem zur Renovierung des Kremls. Skuratow und Del Ponte hegen den Verdacht, dass Mabetex Aufträge im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar nur durch massive Bestechung von Jelzin und dessen Umfeld gewonnen hat. Im Kreml ist man erbost über die staatsanwaltlichen Schnüffeleien und fordert Skuratow zum Rücktritt auf. Doch der unbequeme oberste Ankläger weigert sich.

          Mabetex-Besitzer Behgjet Pacolli

          Dann sendet das russische Fernsehen eines Nachts Ausschnitte eines Videos, das den Generalstaatsanwalt mit zwei Prostituierten im Bett zeigt. Der in der Öffentlichkeit seines Landes kaum bekannte Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, ein gewisser Herr Putin, versichert, die Aufnahmen seien „authentisch“. Nachdem der Herr Putin bald darauf Regierungschef und dann Präsident Russlands geworden ist, setzt er Skuratows Amtsenthebung durch. Seither erfrechen sich russische Staatsanwälte nicht mehr, gegen die Mächtigen ihres Landes zu ermitteln. Die Hintergründe des Falls Mabetex bleiben im Dunkeln.

          Der Mabetex-Besitzer aber macht weiter Geschäfte in Russland und einige Jahre später auch wieder Schlagzeilen. Behgjet Pacolli ist Schweizer, geboren wurde er im Kosovo. Als sich abzeichnet, dass die ehemalige serbische Provinz mit westlicher Hilfe ihre Unabhängigkeit erklären und ein eigener Staat werden wird, beginnt Pacolli in seiner Heimat aktiv zu werden. Er gründet im Jahr 2006 eine eigene Partei, lässt sich als reichster Albaner des Planeten feiern, prunkt mit seinen Bauprojekten in Russland und Kasachstan oder seinen guten Verbindungen zu Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi.

          Uefa-Vorsitzender Aleksander Ceferin unter Druck: Die Uefa muss sich verteidigen.
          Uefa-Vorsitzender Aleksander Ceferin unter Druck: Die Uefa muss sich verteidigen. : Bild: Reuters

          Wählt ihr mich, wird das Kosovo so erfolgreich sein wie Mabetex, lautet seine Botschaft. Im Kosovo wird gespottet, Pacollis Politik bestehe darin, alle und alles zu kaufen. Doch der Unternehmer hat Erfolg. Viele Kosovaren glauben ihm. Im Februar 2011 wird er zum Staatspräsidenten des Kosovos gewählt. Seine Karriere als Oberhaupt des ärmsten Staates Europas währt allerdings nur fünf Wochen, dann muss Pacolli zurücktreten. Das Verfassungsgericht hat grobe Unregelmäßigkeiten bei seiner Wahl festgestellt.

          Eines ist ihm in seiner kurzen Amtszeit aber gelungen: Er hat einen Kaiser im Kosovo empfangen. Am 4. März 2011 besucht Franz Beckenbauer auf Einladung Pacollis die kosovarische Hauptstadt Prishtina. Er besichtigt das Fußballstadion der Stadt und spricht mit Funktionären des kosovarischen Fußballverbands.

          Pacolli ernennt Beckenbauer zum „Ehrenbotschafter des kosovarischen Fußballs“ und bittet ihn, er möge „tun, was er kann“, damit das bisher vom internationalen Fußball ausgeschlossene Kosovo in die Uefa aufgenommen werde, den europäischen Fußballverband. Beckenbauer sagt zu: Politische Konflikte könne der Sport zwar nicht lösen, „aber wenn ich bei dem sportlichen Aspekt helfen kann, dann werde ich das tun“. Beckenbauer werde das Kosovo bei der Annäherung an die Uefa beraten, verkünden kosovarische Fußballfunktionäre stolz.

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