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Caritas-Studie : Drei Millionen Spanier „extrem arm“

  • -Aktualisiert am

„Extrem arm“: Ein Mann bettelt in einer Einkaufsstraße in Sevilla Bild: REUTERS

Drei Millionen Spanier leben in „extremer Armut“, zehn Millionen sind „relativ arm“, das geht aus einer Studie der katholischen Hilfsorganisation Caritas hervor. Die Zahl der verarmten Bevölkerung in Spanien hat sich seit Beginn der Wirtschaftskrise damit verdoppelt.

          Die Wirtschaftskrise, die im Jahr 2008 mit dem Platzen der „Immobilienblase“ begann, hat seitdem in Spanien zu einer deutlichen Verarmung der Bevölkerung und zugleich auch zu einer erheblichen Verbreiterung der Kluft zwischen Arm und Reich geführt. In einer Studie, die jetzt von der katholischen Hilfsorganisation Caritas in Madrid vorgelegt wurde, werden drei Millionen Spanier - die Bevölkerung umfasst gegenwärtig rund 47 Millionen - als „extrem arm“ bezeichnet. Das ist mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 3650 Euro die letzte Stufe vor dem „Sozialfall“. Die Reintegration dieser Gruppe, so heißt es, werde auch bei einer wieder wachsenden Wirtschaft voraussichtlich bis zu ein Jahrzehnt dauern.

          Mehr als 26 Prozent arbeitslos

          Im sechsten Krisenjahr liegt die Arbeitslosigkeit bei mehr als 26 Prozent der Bürger im erwerbsfähigen Alter, bei den Jugendlichen unter 25 Jahren sogar schon bei über 50 Prozent. In mehr als 1,5 Millionen Haushalten hat gegenwärtig nach Angaben des Nationalen Statistikamtes kein einziges Mitglied mehr eine geregelte Arbeit. Die Rezession und die Sparmaßnahmen der Regierung, die sich um eine Eindämmung des Haushaltsdefizits bemüht, haben vor allem die breiter gewordene Unterschicht getroffen. Neben den genannten drei Millionen in „extremer Armut“ - die Kategorisierungen stammen von Eurostat - werden zehn Millionen Spanier inzwischen als „relativ arm“ eingestuft. Das bedeutet, dass ihr Jahreseinkommen unter 7300 Euro liegt. Die Zahl der „relativ“ und „extrem“ Armen hat sich seit dem Jahr 2008 jeweils fast verdoppelt. Das Durchschnittseinkommen ist laut dem Caritas-Bericht im Jahr 2012 auf einen neuen Tiefstand von 18.500 Euro pro Kopf gesunken und liegt damit auf einem niedrigerem Niveau als im Jahr 2001.

          Die katholische Organisation, die inzwischen nach eigenen Angaben selbst mehr als eine Million Spanier mit Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern versorgt - im Jahr 2007 waren es knapp 400.000 - macht ferner auf eine „beispiellose Zunahme der Ungleichheit in der Gesellschaft“ aufmerksam. Seit Krisenbeginn hätten die Spanier mit den höchsten Einkommen rund zwanzig Prozent mehr Einnahmen erzielt, während die ärmeren Schichten etwa gleich viel einbüßten. So habe sich die Schere zwischen den beiden gesellschaftlichen Gruppen „um ein Drittel weiter geöffnet“.

          Fast zwei Millionen Auswanderer

          Das Nationale Statistikinstitut (INE) veröffentlichte derweil neue Angaben zur Auswanderung. Danach ist die Zahl der im Ausland lebenden Spanier in den vergangenen fünf Jahren um mehr als eine halbe Million auf nunmehr fast zwei Millionen angewachsen. Allein im vergangenen Jahr wurde ein Anstieg um 114.000 (6,3 Prozent) registriert. Von den zwei Millionen sind indes nur ein Drittel gebürtige, zwei Drittel dagegen naturalisierte Spanier. Zu den Letztgenannten zählen insbesondere Lateinamerikaner, die aufgrund des - von dem früheren sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero durchgesetzten - sogenannten Enkel-Gesetzes die Staatsangehörigkeit erhielten. Es handelt sich dabei um Nachfahren von Spaniern, die während des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur das Land verlassen hatten.

          Von den zwei Millionen Auslandsspaniern leben laut INE 1,2 Millionen in Lateinamerika. Die größten Gruppen sind in Argentinien (385.000), Venezuela (183.000), Brasilien (110.000), Mexiko (100.000) und Kuba (100.000). Viele von ihnen haben nach dem Erhalt eines spanischen Passes wegen der Krise in ihrem neuen „Mutterland“ ihr Geburtsland gar nicht verlassen. Bei dem Drittel gebürtiger Spanier, die in den vergangenen fünf Jahren ausgewandert sind - ihre Zahl nahm in dieser Zeit um etwa 50.000 auf nunmehr 673.000 zu - sind europäische Nachbarländer die bevorzugten Ziele. Die stärksten Anziehungspunkte sind Frankreich, wo inzwischen 206.000 Spanier leben, Deutschland (116.000) und die Schweiz (100.000). Die INE-Zahlen erlauben den Schluss, dass trotz der zunehmenden Versuche insbesondere qualifizierter junger Spanier, im Ausland Arbeit zu finden, noch nicht von einer massiven Auswanderung gesprochen werden kann.

          Quelle: F.A.Z.

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