Home
http://www.faz.net/-hox-7b05y
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Britischer Medienskandal Tonmitschnitte belasten Rupert Murdoch

In Großbritannien sind Tonmitschnitte eines Treffens des Medienmoguls Murdoch mit inhaftierten Redakteuren des Boulevardblattes „The Sun“ aufgetaucht. Murdoch wusste offenbar viel mehr über die Bestechung von Polizisten, als er bisher eingestanden hat.

© AP Vergrößern Ein von einem Mitarbeiter der Zeitung „The Sun“ weitergegebenes Tonband belastet Medienmogul Rupert Murdoch

Das britische Online-Magazin „ExaroNews“ hat das Transkript eines 45-minütigen Tonbands veröffentlicht. Darauf spricht Rupert Murdoch am 6. März diesen Jahres mit in Untersuchungshaft sitzenden Redakteuren der Zeitung „The Sun“ - einer von ihnen hatte das Gespräch mitgeschnitten. „Wir sprechen über Zahlungen für Nachrichtentipps von Polizisten: das geht schon seit hundert Jahren so, absolut. Das habt nicht ihr angestiftet“, sagt Murdoch den Journalisten, und weiter: „Ich denke mir, 100 Prozent, mindestens 90 Prozent aller Zahlungen wurden gemacht, weil Polizisten sagten 'Hey ich habe hier eine gute Story, ist 500 oder so wert' - worauf ihr sagen würdet: 'Nein, ist sie nicht'. Worauf sie wieder sagen würden, 'Na gut, dann rufen wir den „Mirror“ an' - das war einfach die Kultur der Fleet Street.“

Dann regt sich Murdoch auf, über die Untersuchungen und Verhaftungen, die die britische Polizei im Zusammenhang mit den Bestechungsvorwürfen durchführte: „Die Polizei ist total inkompetent. Es ist entwürdigend was sie tun. Die größte Untersuchung aller Zeiten, über so gut wie nichts.“

„So gut wie nichts“, damit meint Murdoch dann eben jenen Skandal um sein Medienimperium, der seit 2007 Großbritannien erschüttert.

Gegen die Polizei „zurückschlagen“

Die Fleet Street, ehemaliger Hauptsitz und immer noch Sinnbild für die britische Presse - besonders die unter Rupert Murdochs Kontrolle - wurde damals mit dramatischen Enthüllungen konfrontiert: Führende Mitglieder der Murdoch-Zeitung „News Of The World“ wurden verdächtigt, Telefone abgehört zu haben und verhaftet. In der Folge brach eine Welle von Anschuldigungen über die Verlagshäuser des Medienmoguls hinein. Der sich wiederholende Vorwurf: illegales Abhören und Hacken unzähliger Telefone. Viele davon gehörten Prominenten, eines gehörte dem ermordeten Mädchen Milly Dowler. Die „News Of The World“ ging am 10. Juli 2011 an dem Skandal zu Grunde.

Beginnend im Januar 2012 wurden auch mehrere Journalisten von „The Sun“ in Gewahrsam genommen - darunter eben jene, mit denen Murdoch auf den Tonaufnahmen spricht. Denen er dabei auch sein Mitgefühl versichert und für ihre Inhaftierung die mangelhafte Leistung der von ihm engagierten Anwälte verantwortlich macht. Als einer der „Sun“-Redakteure fragt, ob es nicht möglich wäre gegen die Polizei „zurückzuschlagen“ antwortet Murdoch: „Das werden wir.“

„News Corporation“ leitete Akten an die Polizei weiter

Dabei war es gerade Murdochs Unternehmen „News Corporation“, dass die polizeiliche „Operation Elveden“ möglich machte, im Zuge derer die Boulevardjournalisten verhaftet wurden. “News Corporation“ hatte den Behörden interne Papiere weitergeleitet. Murdoch hatte im Zuge des Medienskandals immer wieder betont, mit der Polizei zusammenarbeiten zu wollen. Den über ihre Rolle als Sündenböcke erzürnten „Sun“-Mitarbeitern entgegnet er im Gespräch: „Ich bin genauso genervt von der Polizei wie ihr.“ Dass „Banden von Polizisten“ seine Leute um sechs Uhr morgens aus dem Bett klingelten, sei „unglaublich.

Murdoch selbst ist trotz aller Enthüllungen und Ermittlungen bis heute unbeschadet davongekommen.Tatsächlich, als er sich in der von Premierminister James Cameron angeforderten Untersuchung durch den Richter Brian Leveson verantworten musste, zeigte der Großunternehmer sich rechtsbürgerlich.

Murdoch und die Demut

In seiner Anhörung am 13. April 2012 antwortete er auf die Frage nach einer Stellungnahme zur „Operation Elveden“: „Ich glaube, dass es falsch ist Polizisten für Informationen zu bezahlen.“ “Das Gesetz ist das Gesetz und wir sollten ihm gehorchen“, betonte Murdoch. Als „Tag der größten Demut“ in seinem Leben hatte der 82-Jährige diese Vorladung bezeichnet.

Die nun neu aufgetauchten Tonbänder überschatten jedoch das öffentlich vorgetragene Bild des reumütigen Aufklärers Murdoch. Der gebürtige Australier wusste demnach, dass Polizisten seit Jahrzehnten bestochen wurden. Dass dem Gesetz eben nicht gehorcht wurde. Und er fand das nicht „falsch“. Es war für ihn „business as usual“, ein alltägliches Geschäft auf der Fleet Street - und die polizeilichen Untersuchungen und Empörungen dazu „entwürdigend“ und übertrieben. Von Demut fast ein Jahr nach seiner Anhörung also keine Spur.

Labour-Politiker fordert polizeiliche Befragung

Das sorgt in der Politik nun für Empörung. Der Parlamentarier Tom Watson von der Labour Party fordert, Murdoch müsse von der Polizei befragt werden. Watson sagte dem Sender „Channel 4 News“: „Was er hier zu sagen scheint ist, dass er schon aufgehört hat mit der Polizei zu kooperieren, bevor die Mitarbeiter bei der „Sun“ rebellierten. Und ich möchte wissen, was sie noch für sich behalten.“ Das Tonband sollte schon den Ermittlern übergeben werden, verlangte Watson, „um Murdoch dazu zu befragen, was er über Kriminalität in seiner Organisation wusste.“

Diese Organisation hat durch Aussagen eines Sprechers von „News Corporation“ auf das veröffentlichte Tonband reagiert. Kein anderes Unternehmen habe mehr getan als „News Corporation“ um herauszufinden was falsch gelaufen sei und um Opfer zu entschädigen. Unter der Aufsicht der Gerichte solle weiter mit den Behörden kooperiert werden.

Bezogen auf die der Bestechung beschuldigten Redakteure der Zeitung “The Sun“ ließ der Sprecher wissen: „Rupert Murdoch hat unmissverständlich Empathie mit den betroffenen Beschäftigten und ihren Familien gezeigt und wird ihre Unschuld annehmen, solange nichts anderes bewiesen ist.“

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET mit dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bundesliga-Ausschreitungen Zwölf verletzte Polizisten auf Schalke

In Gelsenkirchen werden nach dem Bundesligaspiel zwischen Schalke und Hertha zwölf Polizeibeamte verletzt. Oberbürgermeister Baranowski verurteilt die Ausschreitungen und fordert harte Strafen. Mehr

19.10.2014, 14:54 Uhr | Sport
Mutmaßlichen Polizistenmörder gefasst

In Kanada hat die Polizei den Mann gefasst, der bei einer Schießerei drei Polizisten getötet haben soll. Der Mann soll schwer bewaffnet gewesen sein. Mehr

06.06.2014, 11:12 Uhr | Gesellschaft
Polizist zielt auf Schwarzen Abermals tödliche Schüsse in St. Louis

Wenige Wochen nach dem Tod eines schwarzen Jugendlichen, der von weißen Polizisten in der amerikanischen Stadt St. Louis erschossen worden war, ist es in der Stadt abermals zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Ein 18 Jahre alter Mann starb. Mehr

09.10.2014, 09:55 Uhr | Gesellschaft
Scharfe Waffen aus dem 3D-Drucker

Sie sehen nur aus wie Spielzeugpistolen. Mit einem dreidimensionalen Drucker hat sich ein 27 Jahre alter Japaner mehrere Waffen gedruckt. Die Polizei hat den Mann verhaftet. Mehr

09.05.2014, 08:39 Uhr | Aktuell
Mexiko Polizisten schießen deutschen Studenten an

Studenten ignorieren eine Polizeisperre - und die Beamten eröffnen das Feuer. Ein Deutscher wird beim Vorfall im mexikanischen Bundesstaat Guerrero verletzt. Dort werden seit Tagen 40 Studenten nach Zusammenstößen mit der Polizei vermisst. Mehr

13.10.2014, 19:30 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.07.2013, 15:52 Uhr

Entscheidungsfähiger Staat

Von Reinhard Müller

Nach dem Urteil aus Karlsruhe sollte klar sein, dass auch ein demokratischer Staat mit Gewaltenteilung entscheidungsfähig sein muss; das reicht von europäischer Einigung über Rüstungsbeschlüsse bis zu Kampfeinsätzen der Bundeswehr. Absolute Offenheit bedeutet offene Kapitulation. Mehr 9