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Bergbau in Polen : Im Namen der Kohle

Schichtwechsel: Bergarbeiter in Knurow warten darauf, wieder ans Licht gebracht zu werden Bild: Matthias Lüdecke

Die stolzen polnischen Kumpels wollen nichts wissen vom Klimawandel. Die Regierung hat sich auch deshalb die Weltklimakonferenz ins Land geholt, um die eigenen Interessen stärker vertreten zu können.

          Die Kohle liegt tief. Die Männer haben ihre Oberkörper entblößt, die Schicht war hart, und es ist heiß hier unten. In Strömen fließt es an ihnen herunter, aus den Haaren, aus den Poren, schwarz glänzend im Licht der Grubenlampen. Schweiß und dieser feine dunkle Staub, der überall eindringt, in jede Falte, in den Mund, unter die Lider. Das Ende der Schicht am Schacht Pawel, Tiefe 850.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Schon bevor man die Männer sah, hat man sie aus der Dunkelheit hören können, schwer auftretend in ihren Arbeitsstiefeln, im langen Rückmarsch zur Grubenbahn. Kehlige Rufe, auf Polnisch und im schlesischen Dialekt, Gelächter, Männervokabular, derb, direkt, nichts für zarte Seelen. Jetzt sind sie da, am Endpunkt der Bahn, und noch bevor sie sich, immer noch rufend und lachend, in die engen Blechwagen gequetscht haben, ist schon alles ausgezogen: Arbeitsjacken, Hosen, Hemden.

          „Bergbau, das ist eine männliche, eine edle Arbeit“

          Noch einmal helle Körper im Lampenstrahl, schwarze Gesichter, dann ein metallisches Rucken, ein Hupen, und ab geht es zum Fahrkorb, hinauf ans Licht. „Bergbau, das ist eine männliche, eine edle Arbeit.“ Adam Rams, Bürgermeister der Stadt Knurow im polnischen Bergbaugebiet Oberschlesien, ist 27 Jahre in die Grube eingefahren. Mit 19 hat er begonnen, noch zu sozialistischer Zeit, gleich nach dem Militärdienst bei den Fallschirmjägern, wie er stolz bemerkt. Damals gab es noch keinen vollmechanisierten Abbau.

          Die gewaltigen Maschinen, die heute in Staub und Getöse die Kohle abfräsen wie riesige Höhlensaurier, hatten Hacke und Schaufel noch nicht verdrängt, und seine Mutter arbeitete noch in der Schießpulverfabrik, die es längst nicht mehr gibt. „Die Arbeit unter Tage verlangt Mut, Anstrengung, Solidarität.“ Der Bürgermeister hat seine Worte nicht zufällig gewählt. Der Bergbau in Polen ist unter Druck. Das Land produziert bis heute neunzig Prozent seines Stroms in Kohlekraftwerken – das ist mehr als das Doppelte des Kohleanteils in Deutschland –, und die EU dringt auf Minderung.

          Weniger Kohle aber hieße, dass Bergbauregionen wie Oberschlesien, Städte wie Knurow jenen Weg einschlagen müssten, den deutsche Bergarbeiterstädte schon in den siebziger Jahren wählten, als das Ruhrgebiet seinen langen Abschied von der Montanwirtschaft begann. Die polnische Gesellschaft aber, die nach Generationen von Armut, Diktatur und Transformationskrise zum ersten Mal ein wenig Wohlstand genießt, wehrt sich. Vom Kumpel am Flöz bis zum Ministerpräsidenten in Warschau, von den Oppositionsbänken bis ins Regierungslager, in Kirchen und Gewerkschaften sind sich alle einig: Wer die Kohle angreift, und sei es auch zur Rettung des Weltklimas, greift Polen an.

          Mehr als einmal hat die Regierung Donald Tusk in Brüssel gegen die Klimapolitik der anderen Europäer ihr Veto eingelegt, und sie hat die UN-Klimakonferenz, die gerade in Warschau tagt, unter anderem deswegen ins Land geholt, um als Gastgeber Polens „offensive und defensive Interessen“ umso besser verteidigen zu können, wie Umweltminister Marcin Korolec es ausgedrückt hat. Der Appell des Bürgermeisters an die Bergmannstugenden Mut, Anstrengung und Solidarität ist damit ein Aufruf an die Nation: gemeinsam für die polnische Kohle, zusammen gegen die Klimapolitiker von Berlin und Brüssel.

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