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Beppe Grillo im Porträt Der Dauerredner

Das Wahlergebnis hat die politische Landschaft Italiens völlig verändert. Wer ist der Komiker Beppe Grillo, der aus dem Stand ein Viertel der Stimmen auf sich vereinigen konnte?

© dpa Die Latzhose im Zirkus gelassen: Beppe Grillo im Wahlkampf Anfang des Jahres

Italien kennt ihn nur heiser, mit offenem Mund zwischen weißem Bart und weißen Wuschelhaaren. Beppe Grillo heißt der 1948 bei Genua geborene Mann, der die italienischen Parteien das Fürchten gelehrt hat: Seine „Bewegung 5 Sterne“ wurde in der Abgeordnetenkammer stärkste Einzelpartei; Sozialdemokraten und Konservative gingen Bündnisse mit anderen ein und sind deshalb als Fraktionen stärker als Grillo. Weil die „Grillini“ in Sizilien stärkste Kraft wurden, sind sie auch im Senat von Rom drittstärkste Gruppierung. Mit diesem Ergebnis geht ein Wahlkampf zu Ende, der Italiens politische Landschaft völlig verändert hat.

Jörg Bremer Folgen:

Als Komiker wird Piero (Beppe) Grillo gemeinhin bezeichnet; und so fing er auch vor knapp dreißig Jahren an, als er in Latzhose und Ringelpullover vor sein Publikum trat. Damals waren Haare und Bart noch schwarz, und er konnte sein Publikum mit unpolitischen Witzen erheitern. Seither hat er sich angewöhnt, stets selbst zu sprechen und niemand anderen zu Wort kommen zu lassen. Bei Pressekonferenzen bleibt Grillo in der Regel eine Antwort auf Fragen schuldig und verliert sich im Aneinanderreihen von Behauptungen. Dabei spielt er den ungebildeten Mann von der Straße.

Über die Jahre wurde Grillo immer politischer. Anfangs reichte es ihm noch, über die Sozialisten zu schimpfen, die den anderen das Geld stehlen oder darüber zu scherzen, wie man Schweinefleisch von Belgien nach Parma bringen kann, nur um es als Parma-Schinken wieder nach Belgien zurück zu fahren. Dann wetterte er gegen den Einsatz italienischer Soldaten im Irak, gegen die Politik der italienischen Zentralbank und wurde Agitator gegen die Trasse des Hochgeschwindigkeitszugs (TAV) durch das Susa-Tal, die dereinst Lyon und Turin verbinden soll. „Er sei ein unbekehrbarer Anarchist“ gestand er damals.

Der „Leck-mich-am-Arsch-Tag“

2005 begann Grillo einen Blog, damals eine Neuigkeit. Als er bald 60.000 „Follower“ hatte, kaufte er mit dem auch bei ihnen gesammelten Geld eine Anzeigenseite in der „Herald Tribune“, um der Welt klar zu machen, dass im italienischen Parlament vor allem Vorbestrafte und Verurteilte säßen. Damit wurde Grillo erstmals international bekannt und Italiens Politik desavouiert. Im Gespräch mit der Zeitung La Repubblica entwickelte er kurz darauf die Idee, über das Internet eine „völlig neue Demokratie“ zu schaffen, die die „alten Politiker im Koma“ weder begreifen noch wirkungsvoll beantworten könnten.

2007 hatte Grillo dann so viel Rückhalt im Internet, das er seine Unterstützer von den Bildschirmen auf die Plätze holte. Italien erlebte den „Leck-mich-am-Arsch-Tag“, der den Protest gegen das System lautstark artikulierte. Damals wollte Grillo per Volksabstimmung ein Gesetz durchbringen, das in Teilen erst in der Amtszeit von Mario Monti verwirklicht wurde: Wer einmal verurteilt wurde, darf nicht mehr kandidieren. Niemand darf länger als zehn Jahre in einem Parlament sitzen. Listenplätze dürfen nicht per Nominierung von der Parteispitze dekretiert werden. 2009 gründete Grillo dann seine „Bewegung 5 Sterne“, die jetzt Furore macht.

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Quelle: F.A.Z.

 
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