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Ausländische Kämpfer in der Ostukraine : „Neurussland oder Tod“

Dieses Foto hat Rafael Marques Lusvarghi (rechts) am 24. September auf Facebook veröffentlicht. Bild: privat

Während der Fußballweltmeisterschaft protestierte Rafael Lusvarghi in São Paulo gegen Korruption und Geldverschwendung. Er wurde festgenommen - und in ganz Brasilien bekannt. Jetzt kämpft er in der Ostukraine an der Seite prorussischer Milizen.

          Mehrere Polizisten in grauen Uniformen ringen Rafael Marques Lusvarghi nieder. Einer drückt ihm den Arm um den Hals. Schwitzkasten. Ein zweiter hält ihm eine Dose vors Gesicht. Aus wenigen Zentimetern sprüht er dem Demonstranten Pfefferspray in die Augen.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das Foto des verzerrten Gesichts, die Brutalität der Polizei, aufgenommen am Tag der Eröffnungsfeier der Fußballweltmeisterschaft in São Paulo, wurde in vielen brasilianischen Zeitungen abgedruckt. Im Internet verbreitete es sich zusätzlich. Und als Lusvarghi, 30 Jahre alt, Englischlehrer, einige Tage später zum zweiten Mal festgenommen wurde, war er im ganzen Land bekannt.

          Die Polizei warf Lusvarghi vor, einer der Anführer der gewalttätigen Black Blocs zu sein. Bei seiner Festnahme während der Demonstration habe er „explosives Material“ bei sich gehabt. Auch ein Haftrichter sah genügend Indizien für die Anschuldigungen. Und so blieb Lusvarghi bis lange nach dem Finale der Weltmeisterschaft im Gefängnis. Erst nach 45 Tagen wurde er entlassen - weil endlich die Laboruntersuchung der bei ihm beschlagnahmten Gegenstände vorlagen. Sie stellten fest: Der vermeintliche Molotowcocktail enthielt keinerlei Spuren von brennbaren Stoffen. Es war ein Kakaofläschchen.

          Lusvarghi während seiner Festnahme am 12. Juni in São Paulo

          Wenige Wochen später werden nun wieder Fotos von Lusvarghi in den brasilianischen Zeitungen gedruckt. Sie zeigen ihn in Kampfuniform, mit schweren Waffen und vor Panzern. Aufgenommen wurden sie im Osten der Ukraine. Der Brasilianer hat sich dort den prorussischen Milizen angeschlossen.

          „Nein, ich bin nicht in der Ukraine; ich bin im Donbass, in Neurussland“, sagt Lusvarghi in einem über das Internet geführten Gespräch mit der brasilianischen Ausgabe der Zeitschrift Vice. Am 20. September sei er zu den prorussischen Milizen gestoßen. „Ich bin ein Kämpfer. Ein Kämpfer mit politischen und moralischen Überzeugungen“, begründet er seinen Schritt in einem weiteren Interview mit der Zeitung „Estado de São Paulo“. „Auf dem Spiel steht die multipolare Welt. Schon seit einiger Zeit will der Imperialismus hier eine Nato-Basis, um Russland zu unterdrücken und seine weltweite Hegemonie zu stabilisieren.“

          Für Russland habe er sich schon als Kind interessiert, sagt Lusvarghi. Er ist der älteste von vier Geschwistern, wurde in Jundiaí bei São Paulo geboren, in eine Mittelklassenfamilie. Mit 18 flog er nach Frankreich, wo er sich für drei Jahre der Fremdenlegion anschloss - so jedenfalls erzählt er es. Zurück in Brasilien begann er die Ausbildung zum Polizisten. 2010 ging er nach Russland, wollte dort in die Armee, wurde als Ausländer aber nicht angenommen. Er besuchte die Farc-Guerilla in Kolumbien. Und als kurz vor der Weltmeisterschaft die Proteste in Brasilien wieder anschwollen, ging er in São Paulo auf die Straße.

          Ein Black Bloc sei er nicht gewesen. Die weiterhin gegen ihn erhobenen Vorwürfe wie die „Gründung einer kriminellen Vereinigung“, weist er zurück. „Ich habe nichts gegen die Polizei, aber sehr wohl etwas gegen die Korruption im Land“, sagt er. „Und wenn mir die Polizei entgegentritt, dann gebe ich nicht auf, dann kämpfe ich für meine Rechte.“

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