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Anschläge in Russland : „Es ist der Beginn einer Serie“

Wolgograd am 1. Januar 2014: Die Angst vor neuen Anschlägen ist groß. Um Olympia zu stören, müssen die Terroristen nicht nach Sotschi Bild: REUTERS

Deutsche Fachleute erwarten weitere Terroranschläge vor oder während der Olympischen Spiele in Sotschi. Noch immer hat sich niemand zu den jüngsten Attentaten in Russland bekannt.

          In diesen Tagen hält sich Wladimir Putin in Sotschi auf. Fünf Wochen vor Eröffnung der Olympischen Spiele steigt der russische Präsident dort gern selbst mal auf die Ski. Vor allem aber inspiziert er den Zustand der Sportanlagen und Hotels in der Stadt und informiert sich über die letzten Vorkehrungen für die Eröffnungsfeier. Die Spiele von Sotschi sollen ein großes Fest werden, bei dem sich das neue Russland von seiner besten Seite zeigt. Doch schon jetzt wirft eine Serie von Anschlägen einen Schatten auf die Spiele.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Begonnen hat sie im Oktober. Damals hatte sich eine Selbstmordattentäterin in einem Linienbus in der Stadt Wolgograd in die Luft gesprengt und dabei sechs weitere Menschen getötet. Die Fortsetzung folgte in den vergangenen Tagen: Am 27. Dezember explodierte eine Autobombe neben dem Gebäude der Verkehrspolizei in der Stadt Pjatigorsk, dem Verwaltungszentrum der südrussischen Region Stawropol. Drei Polizisten kamen ums Leben. Zwei Tage später wurde ein Sprengsatz im Bahnhof von Wolgograd gezündet, tags darauf schlug ein Selbstmordattentäter in einem Bus zu. Bei den zwei jüngsten Anschlägen in Wolgograd, dem früheren Stalingrad, kamen 36 Menschen ums Leben, etwa doppelt so viele wurden verletzt.

          Bisher hat sich niemand der Taten bezichtigt. Die russischen Behörden informieren noch kaum über ihre Ermittlungen. Doch wenige zweifeln daran, dass Terroristen aus dem Nordkaukasus hinter den Anschlägen stehen. Denn angekündigt sind die Terrorakte schon seit Sommer vergangenen Jahres. Damals hatte Doku Umarow, der Führer der Terrororganisation „Kaukasisches Emirat“, das Moratorium für „weiche Ziele“, also Attacken gegen die Zivilbevölkerung, für beendet erklärt. Das Ziel sei, so ließ er in einer Botschaft wissen, die Olympischen Spiele „mit allen von Allah erlaubten Mitteln“ zu verhindern. Mit weiteren Terrorakten vor oder während der Winterspiele rechnen auch die deutschen Sicherheitsbehörden. „Es ist der Beginn einer Serie“, ist man dort überzeugt.

          Als Ziel ist Sotschi den Terroristen entbehrlich

          Seit mehr als zwanzig Jahren kommt der Nordkaukasus nicht zur Ruhe. War nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die nationale Souveränität und Unabhängigkeit für die nordkaukasischen Republiken Russlands das wichtigste Thema, so rückten immer mehr der fundamentale Islam und der Dschihad, also der Kampf gegen die Ungläubigen, in das Zentrum der Auseinandersetzungen mit der russischen Zentralmacht. So will das „Kaukasische Emirat“ ein streng islamisches „Kalifat“ im Nordkaukasus errichten. Die Angaben über die Zahl der Krieger, die heute dafür kämpfen, sind allerdings sehr widersprüchlich. So verfügt Umarow nach Angaben deutscher Sicherheitskreise nur noch über wenige hundert Unterstützer und rund hundert aktive Terroristen, die weitgehend in autonomen Zellen agieren. Der wenig charismatische 49 Jahre alte Tschetschene ist demnach in seiner Bewegungsfreiheit so eingeschränkt, dass er kaum noch Befehle geben kann, höchstens allgemeine Direktiven. Der russische Geheimdienst FSB hat die Terrororganisation so dezimiert und unterwandert, dass sie zu großen Aktionen nicht in der Lage ist. Dem widersprechen indes andere Angaben. So hat der FSB die Zahl islamistischer Dschihadisten aus dem Nordkaukasus, die im syrischen Bürgerkrieg gegen das Assad-Regime kämpfen, zuletzt mit 400 angegeben. Der Boden, solche Leute zu rekrutieren, wäre - wenn die Zahlen zutreffen - also weiterhin fruchtbar.

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