http://www.faz.net/-gq5-8ctiy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.01.2016, 13:32 Uhr

Angebliche Vergewaltigung Lawrow wirft Deutschland Vertuschung vor

Die Gerüchte über eine angebliche Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens in Berlin hat die Polizei zurückgewiesen. Sie ermittelt nun wegen einvernehmlicher Sexualkontakte der Dreizehnjährigen mit zwei Männern. Russlands Außenminister macht den deutschen Behörden dennoch schwere Vorwürfe.

© Reuters Auch „Bärgida“-Demonstranten nahmen Bezug auf den Fall eines angeblich vergewaltigten Mädchens.

In dem Fall eines 13 Jahre alten deutsch-russischen Mädchens, das in Berlin 30 Stunden verschwunden war und anschließend aussagte, von „Südländern“ vergewaltigt worden zu sein, hat sich nun auch der russische Außenminister eingeschaltet. Bei seiner jährlichen Pressekonferenz warf Sergej Lawrow Deutschland vor, den Fall zu vertuschen. Er sagte, er hoffe, dass die Aufklärung nicht aus politischer Korrektheit „überlackiert“ werde und brachte den Fall in Verbindung mit dem „Migranten-Problem“ in Deutschland.

Der Fall des Mädchens erregt seit Anfang Januar die Gemüter, besonders der russland-deutschen Gemeinde. Auch Ermittlungen der Polizei und die anschließende Mitteilung, es habe „keine Entführung und keine Vergewaltigung“ gegeben, konnten die Empörung nicht beruhigen. Befeuert wurde diese durch russische Medien, die breit und teilweise falsch über die angebliche Vergewaltigung berichteten.

Mehr zum Thema

Lawrow sagte nun, er sei davon überzeugt, dass das Mädchen mit „absoluter Sicherheit nicht freiwillig 30 Stunden verschwunden“ gewesen sei. Die russische Regierung arbeite derzeit mit dem Anwalt der Familie zusammen. Weiter sagte er, die Neuigkeiten über den Fall seien „sehr lange unterdrückt“ worden.

Die Staatsanwaltschaft in Berlin teilte unterdessen mit, dass sie nun gegen zwei Männer ermittle. Es gehe um den Verdacht, dass es vor dem Verschwinden des Mädchens einvernehmliche Sexualkontakte zu den Männern gegeben habe, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Gegen die beiden Männer, die Anfang 20 sein sollen, wird wegen sexuellen Kindesmissbrauchs ermittelt. Die Dreizehnjährige gilt noch als Kind. Bislang war von Ermittlungen gegen einen Verdächtigen die Rede. „Was in der fraglichen Zeit passiert ist, konnten wir bislang aber nicht klären“, berichtete der Sprecher. Das Mädchen habe widersprüchliche Angaben gemacht.

Die Schülerin aus Marzahn-Hellersdorf war laut Polizei am 11. Januar als vermisst gemeldet worden und tauchte erst nach 30 Stunden wieder auf. Später kursierte im Internet das Gerücht von der Vergewaltigung durch eine Gruppe südländisch aussehender Männer – die sich laut Polizei aber nicht bestätigten.

© dpa, reuters Sorge vor russischer Medien-Kampagne gegen Deutschland

Quelle: FAZ.NET/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vergewaltigungsvorwurf Ermittlungen gegen Grünen-Politiker Bonde

Schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Minister: Seine frühere Geliebte hat ihn wegen Vergewaltigung angezeigt. Kurz darauf sprach sie zwar von einem Missverständnis. Dennoch wird ermittelt. Mehr Von Susanne Preuß, Stuttgart

19.05.2016, 15:00 Uhr | Gesellschaft
Frankreich Brutaler Angriff auf Polizisten in Paris

Am Mittwoch kam es in Paris bei einer Demonstration gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform zu Ausschreitungen mit der Polizei. Gewalttätige Demonstranten haben dabei einen Polizeiwagen angegriffen und in Brand gesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Mehr

19.05.2016, 14:16 Uhr | Gesellschaft
Kriminalitätsstatistik Anreisen, einbrechen, abreisen

Die Kriminalitätsstatistik zeigt: Die Zahl der Straftaten ist 2015 insgesamt leicht gestiegen. Wohnungseinbrüche nehmen stark zu, andere Straftaten wie Mord und Vergewaltigung hingegen ab. Mehr Von Johannes Leithäuser, Berlin

23.05.2016, 13:35 Uhr | Gesellschaft
Motorradgang Putins Nachtwölfe fahren durch Berlin

Mitglieder der russischen Rockergruppe Nachtwölfe sind in einem Motorrad-Konvoi zum Sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park in Berlin gefahren. Anlass war der 71. Jahrestag des Sieges über Nazideutschland. Mehr

09.05.2016, 16:01 Uhr | Gesellschaft
Kampf gegen den Terror Doppel-Offensive gegen IS-Hochburgen

Nachdem die irakische Armee die vom Islamischen Staat gehaltene Stadt Falludscha angreift, sieht sich die Terrormiliz nun auch Angriffen in Raqqa ausgesetzt. An den Angriffen will sich auch Russland beteiligen. Mehr

25.05.2016, 09:18 Uhr | Politik

Anleitung zur Reparatur

Von Jasper von Altenbockum

Die SPD hält das Integrationsgesetz für ein neues Einwanderungsgesetz. Warum nur? Beim Thema Einwanderung geht es um eine ganz andere Frage. Mehr 164