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Albert II. dankt ab Der König geht

 ·  Nach fast zwei Jahrzehnten als Staatsoberhaupt Belgiens dankt Albert II. am 21. Juli ab. In dieser Zeit erwies sich der König als ruhender Pol eines zerrissenen Landes.

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© AP Vergrößern Sonnige Tage: Albert und Paola

Fast zwei Jahrzehnte wird König Albert II. Staatsoberhaupt Belgiens gewesen sein, wenn er am Nationalfeiertag, dem 21. Juli, abdankt. Sein Rücktritt kommt fast genauso unerwartet wie im Sommer 1993 die Übernahme seines Amtes. Damals war König Baudouin, der knapp 63 Jahre alte Bruder Alberts, Ende Juli während eines Urlaubs in Spanien einem Herzinfarkt erlegen. Seit 1951 hatte der streng katholisch-konservativ geprägte Baudouin an der Spitze des Landes gestanden. Sein drei Jahre jüngerer Bruder Albert schien bis zu seiner Thronbesteigung ein häufig in Klatschblättern vertretener, anscheinend glücklich mit einer Prinzessin aus italienischem Adel verheirateter Vater dreier Kinder zu sein.

Als sich der neue König bei seinem Amtsantritt 1993 ungewohnt zittrig der Öffentlichkeit zeigte, wuchsen zunächst Zweifel an seiner Eignung für die neue Aufgabe. Er konnte sie nicht nur schnell zerstreuen, sondern erwies sich in den nachfolgenden Jahren als - meist - ruhender Pol in einem von wachsenden Spannungen zwischen den niederländisch- und französischsprachigen Teilen geprägten Land.

Ein unmissverständlicher Tadel

Dabei haben auch belgische Staatsoberhäupter überwiegend repräsentative Funktionen. Jedes Wort, das sie bei den traditionellen Fernsehansprachen am Nationalfeiertag und zu Weihnachten in den Mund nehmen, muss der Premierminister vorab gebilligt haben. König Albert II. hat sich vor allem hinter den Kulissen um den Interessenausgleich zwischen dem wohlhabenden und nach mehr Autonomie strebenden Flandern und dem ärmeren Wallonien bemüht.

Nur einmal, am Nationalfeiertag im Juli 2011, schien er seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen: Sichtlich erregt und mit geballten Fäusten wies er damals darauf hin, dass er nicht nur das Recht habe, über die Entwicklung im Land informiert zu werden und zu ermutigen. „Gemeinsam mit Ihnen möchte ich jetzt, öffentlich und in aller Offenheit, Gebrauch vom dritten Vorrecht machen: dem Recht zu warnen.“ Es folgte ein unmissverständlicher, zweifellos regierungsamtlich gebilligter Tadel der Unfähigkeit führender Politiker, die auch 400 Tage nach der Wahl noch kein Kabinett zustande gebracht hatten. Noch am selben Tag setzten sich die künftigen Koalitionspartner wieder an einen Tisch.

„Es lebe Belgien!“

Als er seine Entscheidung in einer Fernsehansprache am Mittwochabend erläutert, wirkt der König überraschend gelassen - auch wenn er mit dem Hinweis beginnt, er sei „tief bewegt“ Stehend, hin und wieder mit dem Papier raschelnd, verliest er die kurze Ansprache. Er kommt schnell zur Sache: „Ich stelle fest, dass mein Alter und meine Gesundheit es mir nicht erlauben, mein Amt so auszuüben, wie ich das gerne tun möchte.“ Sein Sohn, der 53 Jahre alte Kronprinz Philippe, sei gut auf die Nachfolge vorbereitet.

Seit Jahren hat es in Belgien Mutmaßungen über einen vorzeitigen Abtritt des gesundheitlich oft angeschlagen wirkenden Monarchen gegeben. Die Debatte flackerte abermals auf, als die niederländische Königin Beatrix im Januar ihren Verzicht auf den Thron ankündigte. Auch Kenner des belgischen Königshauses taten sich schwer, die Zeichen zu deuten. Immer wieder hieß es, ein Verzicht vor der Parlamentswahl im Mai 2014, in der die separatistisch ausgerichtete Neue Flämische Allianz ihren Siegeszug fortsetzen möchte, sei riskant. Zuletzt schien dem König eine Klage seiner unehelichen Tochter zugesetzt zu haben. 1999 hatte er die Vaterschaft in einer Fernsehansprache eingestanden - die Sache schien längst ausgestanden, hat ihn aber zuletzt wieder eingeholt.

Vielleicht war es ein demonstratives Zeichen, dass der König sich kurz nach Vollendung des 79. Lebensjahres im Juni bei einem Spiel der Fußballnationalmannschaft unbeschwert im Kreis seiner Familie zeigte. Seine letzten Worte am Mittwoch lauten: „Es lebe Belgien!“

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