18.05.2007 · Eine gute Atmosphäre für den EU-Russland-Gipfel zu schaffen, war Präsident Putin anscheinend überaus wichtig. An der Wolga ließ er dafür eigens ein Fischerdorf errichten, mit Landgasthof, Blockhäusern, Teich und einem echten Hahn.
Von Hendrik KafsackAls die russische Zarin Katharina die Große im Jahr 1787 in das soeben eroberte Krimgebiet reiste, ließ der Feldmarschall Fürst Grigorij Potjomkin - so will es eine Legende - am Rande der Wegstrecke Dörfer aus bemalten Kulissen errichten. Selbst Menschen sollen für kurze Zeit „eingezogen“ sein. So habe Potjomkin seiner Gönnerin und Geliebten vortäuschen wollen, die Krim sei lebendig und vor allem wohlhabend.
Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahre 2007 an die Wolga reiste, um die EU bei ihrem halbjährlichen Treffen mit Russland zu vertreten, erinnerte sich die Regierung in Moskau anscheinend an die wohl von Gegnern des Feldmarschalls erfundene Geschichte: An den Ufern der Wolga ließ der russische Präsident Wladimir Putin, obwohl sicher keineswegs Günstling der Kanzlerin, eigens für das Gipfeltreffen ein Fischerdorf errichten, ohne eigene Bewohner zwar, aber inklusive Hahn, Landgasthof, zahlreichen Blockhäusern, Teich und Sauna. Diese soll zwar entgegen der Jelzin-Kohlschen Tradition weder von Putin noch Merkel besucht worden sein. Im Gasthof aber trafen sich beide mit dem EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso zu „Filet vom Babystör mit Honigsauce, Haselhuhn und Eisbombe“.
Wie viel das „Blendwerk“ den russischen Steuerzahler gekostet hat, bleibt Geheimnis der russischen Regierung. Nach Berichten russischer Medien soll der gesamte Bau von Fischerdorf, Tagungszentrum, Straßen und Hafen zwischen 30 und 110 Millionen Euro verschlungen haben. Einen Trost gibt es jedoch für die Steuerzahler: Im Gegensatz zu den „Potjomkinschen Dörfern“ auf der Krim soll zumindest das Tagungszentrum am Fluss weitergenutzt werden. Böse Zungen sagen: als Sommersitz Putins.
Potemkinsche Dörfer
Ilya Kalinin (amor-fati)
- 21.05.2007, 10:19 Uhr