Home
http://www.faz.net/-gpf-749sh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

EU-Ausbildungsmission Muhiddin zieht in den Krieg

Die Bundeswehr trainiert Somalier für den Guerillakampf. Ob die Männer später auf der richtigen Seite stehen, weiß niemand. Trotzdem könnte der Einsatz zum Vorbild für eine Ausbildungsmission in Mali werden.

© Lorenz Hemicker Kein Spiel: Rekruten üben mit Plastikpanzern verschiedene Kriegstaktiken

Die Soldaten hocken im Sandkasten und schweigen. Zwischen ihren Fingern halten sie beigefarbene Plastikfiguren, die sie vorsichtig in die Miniatur-Dünenlandschaft zu ihren Füßen setzen. Ein paar Soldaten lächeln. Das Spielzeug mag sie an eine Kindheit erinnern, die sie nie hatten, zweitausend Kilometer östlich, in Mogadischu. Jetzt sitzen sie auf einem Truppenübungsplatz im Westen Ugandas. Eineinhalb Stunden sind es von hier bis zur nächsten asphaltierten Straße; der internationale Flughafen der Hauptstadt liegt eine Tagesfahrt entfernt. In dieser Einöde sollen die Männer fit werden für den Guerrillakrieg.

Lorenz Hemicker Folgen:

Das Trainingsgelände liegt mitten in der Feuchtsavanne. Lehmhütten stehen da, Kinder spielen auf der Schießbahn. Ziegen grasen zwischen alten sowjetischen Panzern. Nur das europäische Lager mit seinen hellblauen Dächern hebt sich vom Grün und Braun ab. Es ist das weithin sichtbare Zeichen einer Militärmission, von der in Deutschland kaum jemand weiß. Nach Somalia, einem der fragilsten Länder der Erde, soll so etwas wie Ordnung getragen werden. Mit europäischer Hilfe.

Ein Einsatz, der zur Blaupause werden könnte

Unterstützt von heimischen Truppen, schulen im Trainingslager in Uganda 100 EU-Soldaten, darunter sechzehn Deutsche, Militärrekruten aus Somalia - einem Staat, in dem immer wieder Hungersnöte grassieren und in den vergangenen zwei Jahrzehnten einer der langwierigsten Bürgerkriege der Welt tobte. Ein Ort, an dem Kriegsfürsten, Clanchefs und korrupte Politiker um Macht und Einfluss kämpfen. Die Trainingsmission der Europäischen Union soll dem gerade gewählten Präsidenten Hassan Sheikh Mohamud dabei helfen, das Land am Horn von Afrika stabiler zu machen. Es ist ein Einsatz, der zur Blaupause werden könnte für eine Ausbildungsmission in Mali, die in Brüssel gerade auf dem Reißbrett entworfen wird.

Die jungen Männer, die Spielzeugfiguren durch den Sand schieben, sind angehende Offiziere und Unteroffiziere. 545 Männer und acht Frauen hat Somalia nach Bihanga geschickt. Bis Jahresende sollen 3000 Rekruten in dem Lager ausgebildet werden. Die Sandkastenspiele der Soldaten sind Übungen für angehende militärische Führer. Sie sollen lernen, Soldaten in Gefechten überlegt einzusetzen. Denn nach sechs Monaten in Bihanga wartet auf die Somalier der Krieg. Dann sollen sie zu Hause Soldaten ausbilden und den Kampf der Regierung gegen die radikalislamischen Milizen im Land führen.

Mehr zum Thema

Johann Streib* bildet die Rekruten aus. Der 30 Jahre alte Hauptfeldwebel aus Bayern war für die Bundeswehr schon in Afghanistan, in Bosnien und im Kosovo. Nun also Bihanga. Um ihn herum bauen 35 somalische Soldaten einen Kontrollpunkt auf. Einige rollen blaue Regentonnen heran, andere schleppen mannshohe und stacheldrahtbespannte Hindernisse. Streib hat ihnen verboten, ihre Gewehre aus der Hand zu legen. Zum Tragen bleibt nur ein Arm frei. „Wir könnten ihnen zwar Schulterriemen geben“, sagt er. „Aber die haben sie in Somalia auch nicht.“

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anschlag in Mogadischu Täter soll in Bonn gelebt haben

Der Täter, der am Montag einen Anschlag auf ein Hotel in Mogadischu verübt hat, soll in Bonn gelebt haben. Informationen aus Sicherheitskreisen zufolge habe er der Salafisten-Szene angehört und schon vorher versucht auszureisen. Mehr

28.07.2015, 13:22 Uhr | Politik
Somalia Kämpfe in Hotel in Mogadischu halten an

Nach dem Islamisten-Angriff auf ein Hotel in der somalischen Hauptstadt Mogadischu halten die Gefechte an. Behörden berichten, dass bereits mehrere Menschen ums Leben gekommen seien. Ein Sprecher der al Shabaab-Miliz sagte, seine Gruppe stecke hinter dem Anschlag. Mehr

28.03.2015, 10:37 Uhr | Politik
Somalia Autobombenanschlag erschüttert Mogadischu

In Mogadischu ist eine gewaltige Autobombe explodiert. Der Anschlag, zu dem sich die islamistische al Shabaab-Miliz bekannte, zielte vor allem auf ein von Diplomaten frequentiertes Hotel. Dabei kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Mehr

27.07.2015, 07:41 Uhr | Politik
Mogadischu Tote bei Anschlag der Shabaab-Miliz in Somalia

Al Shabaab-Terroristen haben ein Regierungsgebäude in Mogadischu, der Hauptstadt von Somalia, gestürmt und zahlreiche Menschen getötet. Zuvor hatten die Angreifer zwei Sprengsätze gezündet. Dann seien Bewaffnete um sich schießend in das Gebäude gestürmt. Mehr

15.04.2015, 15:48 Uhr | Politik
Von der Leyen in Mali Land der trügerischen Hoffnung

Die Bundesregierung würde Mali gerne zu einem Musterbeispiel deutscher Sicherheitspolitik machen. Der Weg zur Stabilität ist aber noch weit - islamistische Terrorgruppen bedrohen den brüchigen Frieden im Land. Mehr Von Johannes Leithäuser, Bamako

28.07.2015, 19:17 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 10.11.2012, 21:56 Uhr

Kein Abgrund von Landesverrat

Von Reinhard Müller

Die Veröffentlichung von Dokumenten des Verfassungsschutzes ist kein Landesverrat. Aber es gibt auch keine Verschwörung gegen Journalisten. Mehr 3 4