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Eskalation in Nahost Israel setzt Angriffe fort - Zahl der Toten steigt

28.12.2008 ·  Die israelische Luftwaffe hat auch am Sonntag wieder Ziele im Gazastreifen bombardiert. Von 270 Toten ist die Rede. Mit der Operation will Israel „die Spielregeln grundlegend ändern“. Erwogen wird auch eine Bodenoffensive; 6700 Reservisten wurden mobilisiert.

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Die israelische Luftwaffe hat auch am Sonntag ihre Angriffe auf Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen fortgesetzt. „Die Offensive dauert an“, sagte ein Militärsprecher. Nach palästinensischen Angaben hat es in der Nacht 22 Luftangriffe gegeben. Die Zahl der Toten seit Samstag sei auf mindestens 270 gestiegen. Die Zahl der Verletzten bei der Operation „Gegossenes Blei“ wird je nach Quelle mit 700 bis 900 angegeben. Ein israelischer Militärsprecher bestätigte außerdem Berichte, denen zufolge auch eine Moschee getroffen wurde. Es handele sich um eine „Basis für Terroraktivitäten“, sagte er.

An der Grenze zu Ägypten eskalierte die Situation am Nachmittag. Hunderte Palästinenser durchbrachen an mehreren Abschnitten die Grenze; ägyptische Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer, wie Regierungsbeamte und Augenzeugen berichteten. Entlang der 14 Kilometer langen Grenze strömten an mindestens vier Stellen Palästinenser nach Ägypten. Ein ägyptischer Major wurde bei einem Gefecht mit bewaffneten Palästinensern getötet, wie aus Sicherheitskreisen verlautete.

Zuvor hatte die israelische Luftwaffe nach Augenzeugenberichten die Schmugglertunnel im Gazastreifen unter Beschuss genommen - eine der wichtigsten Versorgungslinien für die Hamas. Es habe Dutzende Explosionen gegeben, in dem Gebiet an der Grenze zu Ägypten loderten zahlreiche Brände, hieß es.

Israel setzt Angriffe fort - Zahl der Toten steigt

UN verlangt sofortiges Ende der Kämpfe

Der UN-Sicherheitsrat verlangte in einer am Sonntag in New York veröffentlichten Stellungnahme ein sofortiges Ende der Kämpfe im Gazastreifen. Das Gremium forderte beide Seiten dazu auf, etwas gegen die Krise im Gazastreifen zu unternehmen. Die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats waren auf Antrag Libyens zusammengetreten und hatten über einen Entwurf Russlands für eine nicht verbindliche Erklärung beraten.

„Unser Hauptziel ist eine sofortige Waffenruhe“, hatte Libyens stellvertretender UN-Botschafter Ibrahim Dabbaschi am Samstagabend gesagt. Der palästinensische Beobachter bei den Vereinten Nationen Riad Mansur sagte, es gebe „keine Rechtfertigung für das Abschlachten hunderter palästinensischer Zivilisten“.

„Notwendiger Schutz vor Terrorangriffen“

In einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und den Präsidenten des Sicherheitsrates verteidigte Israel sein Vorgehen im Gazastreifen. Die israelische UN-Botschafterin Gabriela Shalev argumentierte, Israel unternehme notwendige Militäraktionen, um seine Zivilbevölkerung vor fortgesetzten Terrorangriffen zu schützen, die vom Gazastreifen ausgingen.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak hält es für unmöglich, mit der Hamas eine Waffenruhe einzugehen und wies entsprechende Aufrufe dazu zurück. „Wenn von uns eine Waffenruhe mit der Hamas verlangt wird, dann ist das für uns so, als ob Sie (die Vereinigten Staaten) zu einer Waffenruhe mit Al Qaida aufgefordert werden“, sagte Barak am Samstag in einem Interview mit einem amerikanischen Fernsehsender. „Das ist etwas, was wir nicht wirklich akzeptieren können.“

„Die Spielregeln grundlegend ändern“

Der Minister bestätigte, dass die Regierung mit Bodentruppen in den Gazastreifen einmarschieren werde, wenn das nötig sei. „Unsere Absicht ist, die Spielregeln grundlegend zu ändern“, sagte Barak. Israelische Offiziere teilten mit, mehrere hundert Soldaten seien auf dem Weg zur Grenze zum Gazastreifen. Auch Panzer werden dort offenbar zusammengezogen. Die israelische Regierung teilte am Sonntag nach einer Sondersitzung des Kabinetts ferner mit, es würden 6700 Reservisten mobilisiert.

Als Ziel der Offensive nannte die Regierung in Jerusalem die Einstellung der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. Ministerpräsident Ehud Olmert sagte am Samstagabend, es gehe um „eine grundsätzliche Verbesserung der Sicherheitslage“. Das könne „einige Zeit dauern“.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyib Erdogan bezeichnete die israelischen Luftangriffe im Gazastreifen als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. In Ankara forderte er am Sonntag die israelische Regierung zur Einstellung der Offensive auf. Er sei darüber empört, dass die Militäraktion mitten in den Vermittlungsbemühungen seiner Regierung für Friedensgespräche zwischen Syrien und Israel begonnen worden sei. Daraus spreche auch eine Nichtachtung der Türkei, sagte Erdogan.

Abbas: Palästinenser hätten Offensive verhindern können

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas gab indes der radikalen Hamas die Hauptschuld an der jüngsten Eskalation. Die palästinensische Seite hätte die israelische Offensive verhindern können, wenn sie sich an die Waffenruhe mit Israel gehalten hätte, sagte Abbas am Sonntag in Kairo. „Wir haben mit ihnen (der Hamas) gesprochen und gesagt 'Wir bitten euch, haltet euch an die Waffenruhe'... also, wir hätten es verhindern können“, sagte Abbas, der der moderaten Fatah-Bewegung angehört, die mit der Hamas um Einfluss konkurriert. Seit dem Umsturz im Gazastreifen durch die Hamas kontrolliert die Fatah nur noch das Westjordanland. Die Hamas hatte in den vergangenen Tagen wiederholt Raketen vom Gazastreifen auf Israel abgefeuert, was Israel mit der Militäroffensive beantwortete.

Aus Protest gegen die Angriffe Israels haben die israelischen Araber einen Generalstreik ausgerufen. Israelische Medien berichteten am Sonntag, in den arabischen Ortschaften des Landes sollten mit Beginn der Arbeitswoche die Geschäfte geschlossen bleiben und ein Trauertag eingehalten werden. „Die arabische Öffentlichkeit kann ein solch schreckliches Massaker nicht schweigend hinnehmen“, teilte das höchste Komitee israelischer Araber am Sonntag mit. In Ägypten protestierten mehr als 50.000 Menschen gegen die israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen. Auch in Paris und London demonstrierten Tausende.

Wegen der Angriffe setzte Syrien die indirekten Friedengespräche mit dem jüdischen Staat aus. Ein Regierungsvertreter erklärte am Sonntag in Damaskus, die „Aggression Israels“ habe alle Türen für Fortschritte in Richtung einer friedlichen Lösung geschlossen.

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