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Veröffentlicht: 10.08.2011, 23:11 Uhr

Eritrea und Somalia Die stillen Helfer von al Shabaab

Die radikale islamistische Miliz in Somalia braucht für ihren Kriege Geld. Einen Teil erwirtschaften die Radikalen durch Handel und Erpressung, doch beträchtliche finanzielle und logistische Unterstützung kommt auch aus Eritrea.

von , Johanesburg
© ©Helmut Fricke Sie kämpfen gegen die Shabaab-Miliz: Soldaten der Amisom-Truppe in Mogadischu

Die radikale islamistische somalische Miliz al Shabaab ist nicht nur eine Terrororganisation, sondern inzwischen auch ein Wirtschaftsfaktor. Die Expertengruppe der Vereinten Nationen für Somalia (UN Monitoring Group for Somalia) schätzt, dass die Miliz Einnahmen erzielt, die zwischen 70 und 100 Millionen Dollar pro Jahr liegen sollen. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Expertengruppe vor Monatsfrist dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vorgelegt hatte.

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Ein Großteil dieser Einnahmen erziele die Miliz durch Hafen- und Transportgebühren in den von ihnen kontrollierten Gebieten, durch Handel mit Holzkohle, die nach Saudi-Arabien exportiert wird, durch systematische Erpressung der Bevölkerung und nicht zuletzt durch finanzielle Zuwendungen auf Eritrea.

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Die Führung des kleinen Landes am Roten Meer ist nicht nur nach Meinung der UN-Experten zu einer echten Gefahr für die Stabilität am Horn von Afrika geworden. Äthiopien und Djibouti haben den Sicherheitsrat am Mittwoch aufgefordert, schärfere Sanktionen gegen Asmara zu verhängen, weil Eritrea durch die Unterstützung von al Shabaab den Terror am Horn fördere. Die Expertengruppe der UN beschuldigt Eritrea zudem, einen Anschlag auf ein Gipfeltreffen der Afrikanischen Union im Januar in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba geplant zu haben. Eritrea bestreitet die Vorwürfe und sieht dahinter eine „unangemessen Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ durch Amerika und Äthiopien.

Infografik / Karte / Somalia © F.A.Z. Vergrößern

Eritrea stellt den Radikalen in Somalia Waffen und Ausbilder zur Verfügung

Eritrea, das sich 1991 friedlich von Äthiopien abspaltete, und von 1998 bis 2000 mit demselben Äthiopien einen blutigen Krieg über die Kontrolle einiger Grenzdörfer führte, unterstützt seither jeden, der sich gegen Addis Abeba wendet. Das gilt für die Rebellen in Ogaden im Osten Äthiopiens ebenso wie für al Shabaab in Somalia. Eritrea hatte schon vor dem Einmarsch der äthiopischen Armee in Somalia 2006 enge Kontakte zu der somalischen Terrorgruppe Al Ittihad al Islamija, die sich die Rückeroberung des überwiegend von Somaliern bewohnten Region Ogaden auf die Fahne geschrieben hatte.

Der Führer dieser Gruppe, Scheich Hassan Dahir Aweys, avancierte 2005 zum Vorsitzenden der Union der Scharia-Gerichtshöfe in Mogadischu, was schließlich der Grund für den äthiopischen Einmarsch war. Seither ist Aweys auch in der Hierarchie von al Shabaab weit aufgestiegen, und Eritrea hat die Kontakte zu Al Ittihad al Islamija also auch einfach auf al Shabaab übertragen, weil die Person von Aweys ein Garant dafür ist, dass Ogaden und damit Äthiopien nicht zur Ruhe kommt.

Eritrea stellt den Radikalen in Somalia Waffen und Ausbilder zur Verfügung. Das soll in der Vergangenheit soweit gegangen sein, dass größere Angriffe von al Shabaab von eritreischen Offizieren geplant, koordiniert und befehligt worden sein sollen. Im Verlauf der äthiopischen Besetzung von Mogadischu von 2006 bis Januar 2009 waren die Angriffe von al Shabaab auf die ausländischen Truppen auch technisch immer ausgefeilter geworden bis hin zu Sprengfallen, die per Lichtschranke gezündet wurden.

Auch dafür sollen eritreische Ausbilder Sorge getragen haben. Im Juli 2008 hatte der damalige somalische Polizeiminister dieser Zeitung Zugang zu einem Trainingslager für Selbstmordattentäter gewährt, in dem nach seinen Angaben knapp 100 Kinder und Jugendliche auf ihre Rolle als „Märtyrer“ vorbereitet wurden. Als die somalischen Sicherheitskräfte das Lager aushoben, hatten sie zwei Eritreer festgenommen. An der aktiven Unterstützung der Radikalen hat sich seither nichts geändert. Nach Angaben der afrikanischen Friedenstruppe für Somalia, Amisom, kämpfen nach wie vor Eritreer auf Seiten von al Shabaab. Die Waffen und Munition von al Shabaab, die überwiegend aus Iran stammen sollen, werden über Eritrea in den Hafen von Kismayo verschifft, den die Radikalen kontrollieren.

Das ärmste Land leistet sich die größte Armee

Dabei leistet sich Eritrea, das auf dem UN-Index für Meinungsfreiheit seit seiner Staatsgründung auf einen der letzten Plätze rangiert und zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, eine der größten Armeen des afrikanischen Kontinents, die 200.000 Mann umfassen soll. Diese wie auch die Unterstützung für al Shabaab finanziert Asmara über ein ausgeklügeltes System von Steuern, die von Auslandseritreern eingetrieben werden. Die eritreische Diaspora wird auf 1,2 Millionen Menschen geschätzt, die angehalten sind, zwei Prozent ihres Einkommens an die Regierung in Asmara abzugeben.

Das Geld wird nach Angaben der UN-Expertengruppe für Somalia von den Mitarbeitern der eritreischen Botschaften eingesammelt und in erster Linie nach Dubai transferiert, weil die eritreische Regierung nahezu alle ihre Auslandsgeschäfte über Dollarkonten in den Vereinigten Arabischen Emiraten abwickelt. Ein Teil dieser Steuern aber wird regelmäßig von Dubai nach Nairobi transferiert - auf Konten, die der eritreischen Botschaft in Kenia gehören. Von diesen wiederum werden regelmäßig hohe Dollarbeträge in bar abgehoben, ohne dass klar ist, wohin das Geld geht.

Nach Erkenntnissen der UN-Expertengruppe wird dieses Geld - bis zu 100.000 Dollar im Monat - von Botschaftsangehörigen an kenianische als auch somalische Mittelsmänner weitergereicht, die Kontakte zu al Shabaab haben. Der Transfer nach Mogadischu ist einfach: Die Fluggesellschaften, die von Nairobi nach Mogadischu fliegen, sind bekannt für ihren laschen Umgang mit Sicherheitsbestimmungen. Und die Landgrenze zwischen Kenia und Somalia wird nur sporadisch kontrolliert.

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