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Entwicklungshilfe : Hilfe per Fernsteuerung

Lieber hinter hohen Mauern: Auf die Straße, so wie dieses afghanische Paar in Herat, wagen sich die Mitarbeiter der GIZ immer seltener. Bild: AFP

Aus Sorge um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter in Afghanistan hat die deutsche Entwicklungshilfe ihr Konzept überarbeitet. Die Arbeit ist eine tägliche Gratwanderung.

          Am 17. August 2015 wurde in Kabul eine deutsche Entwicklungshelferin entführt. Ihr Arbeitgeber, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), reagierte sofort. Innerhalb von nur 48 Stunden flog die staatliche Entwicklungsorganisation alle nichtafghanischen Mitarbeiter aus Kabul aus. Gut einen Monat später folgte die nächste Schreckensnachricht: Kundus, ein Zentrum der deutschen Entwicklungshilfe in Afghanistan, fiel in die Hände der Taliban und mit der Stadt auch reihenweise Laptops und Akten der GIZ und damit sicherheitsrelevante Daten. Es war reines Glück, dass kein Mitarbeiter zu Schaden kam. Die Organisation stand vor der Frage: Ist der Einsatz internationaler Mitarbeiter angesichts der Sicherheitslage noch vertretbar? Der Vorstand in Eschborn beschloss eine radikale Kehrtwende: Von der Feinsteuerung zur Fernsteuerung, wie es im GIZ-Jargon heißt.

          Friederike Böge

          Redakteurin in der Politik.

          Bis dahin hatte es die GIZ als ihre Stärke betrachtet, dass sie sich, anders als ihr amerikanisches Pendant oder die UN-Organisationen, nicht hinter hohen Mauern versteckte, sondern „in der Fläche“ präsent war, an mehr als hundert Wohn- und Arbeitsorten allein in Kabul. GIZ-Mitarbeiter hielten engen Kontakt zu afghanischen Behörden und der Zivilgesellschaft. Auch jenseits der Arbeit konnten sie sich über die Lage im Land austauschen: Sie wohnten mit anderen Ausländern zusammen, trafen in Restaurants Bekannte, besuchten die Hochzeitsfeiern afghanischer Kollegen und gingen selbst einkaufen.

          Doch inzwischen gelten andere Regeln: In Kabul wohnen die internationalen Mitarbeiter jetzt auf einem schwer gesicherten Gelände in Containern gleich neben ihren Schreibtischen. Und weil dort nur gut 30 Schlafplätze zur Verfügung stehen, muss rotiert werden: Aus dem sichereren Mazar-i-Sharif im Norden des Landes pendeln zahlreiche Mitarbeiter mehrmals in der Woche nach Kabul; sie fliegen morgens hin und abends zurück. Andere sitzen in Dubai oder gleich in der GIZ-Zentrale in Eschborn und fliegen jeweils für ein oder zwei Wochen ein - wenn einer der Schlafplätze frei ist.

          Nach einem Anschlag in Kabul
          Nach einem Anschlag in Kabul : Bild: AP

          Ihre Zahl ist nicht zufällig gewählt, sondern orientiert sich an der Zahl der gepanzerten Fahrzeuge. Auch für andere Städte in Afghanistan wie Mazar-i-Sharif und Taloqan sind Höchstgrenzen definiert. Insgesamt halbierte die GIZ die Zahl ihrer internationalen Mitarbeiter in Afghanistan von rund 200 auf rund 100. Dahinter steht die Logik: weniger Mitarbeiter, weniger Risiko.

          Besuche von Projekten und Ministerien sind aus Sicherheitsgründen viel seltener möglich als früher und in Kabul nur noch in gepanzerten Fahrzeugen. „Wir mussten die Kontakte zu den Partnern reduzieren, aber sie finden nach wie vor regelmäßig statt“, sagt GIZ-Landesdirektor Robert Kressirer. Ob eine Fahrt erlaubt wird, entscheidet das sogenannte Risk Management Office (RMO), eine eigene Abteilung innerhalb der GIZ in Afghanistan, die die Sicherheitslage permanent analysiert. „Früher hatten wir einmal pro Woche eine Sitzung mit dem RMO“, sagt Kressirer. „Heute beginnt jeder Tag mit einer Sicherheitsbesprechung.“

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