02.01.2010 · Weil zwei frühere Guantánamo-Gefangene an den Vorbereitungen des gescheiterten Anschlags über Detroit beteiligt waren, ist die Debatte um das Lager neu entbrannt. Von den 560 Entlassenen könnte laut Pentagon jeder Siebte den terroristischen Kampf wieder aufgenommen haben.
Von Matthias Rüb, WashingtonDie Zahl der „Rückfälligen“ unter ehemaligen Gefangenen des Lagers Guantánamo ist seit je umstritten. Die Debatte wurde jetzt neu entfacht, weil offenbar zwei im November 2007 an die Behörden ihres Heimatlandes Saudi-Arabien überstellte Gefangene an den Vorbereitungen des gescheiterten Anschlags über Detroit durch den Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab beteiligt waren: Muhamad Attik al Harbi, Häftling Nummer 333, und Said Ali Shari, Häftling 372.
Beide durchliefen ein „Rehabilitierungsprogramm“ der saudischen Regierung. Sie setzten sich später über die durchlässige Grenze in das Nachbarland Jemen ab und übernahmen Führungspositionen bei „Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel“. Mehrere Berichte des Pentagons kommen zu der Erkenntnis, dass von den bisher insgesamt 560 Entlassenen aus dem Lager etwa jeder Siebte den terroristischen Kampf wiederaufgenommen haben könnte.
Fast die Hälfte der Gefangenen Jemeniten
Der letzte statistische Pentagonbericht stammt von April 2009. Zum Zeitpunkt des Amtsantritts von Präsident Barack Obama betrug die Zahl der Entlassenen demnach etwa 530, seither wurden weitere rund 30 Männer freigelassen. Die Zahl der gegenwärtigen Gefangenen in dem Lager auf dem Gelände des Stützpunkts der amerikanischen Kriegsmarine auf Kuba liegt bei gut 200; von ihnen sind fast die Hälfte Jemeniten.
Gemäß dem Bericht vom April kann bei 27 Männern aufgrund von sichergestellten DNA-Spuren, Fingerabdrücken oder verlässlichen Geheimdienstinformationen als gesichert gelten, dass sie sich abermals Terrororganisationen angeschlossen haben; 47 weitere Männer stehen im Verdacht, das getan zu haben. Aus dem Pentagon heißt es, in jüngster Zeit sei eine erhöhte Rückfallquote unter Entlassenen zu verzeichnen. Menschenrechtsorganisationen bezeichnen die Darstellung des Pentagons, dass bis zu 14 Prozent der Entlassenen (wieder) Terroristen sind, als übertrieben.
Zu der überhöhten Zahl komme es, weil das Pentagon schon beim Vorliegen von ungesicherten Informationen vom Verdacht der Wiederaufnahme terroristischer Aktivitäten spreche. Im Frühjahr kritisierte Präsident Obama auf überraschende Weise seinen Vorgänger George W. Bush: Man sei bei der Freilassung von Gefangenen zu lax gewesen und habe „nicht genau genug darauf geachtet, welche Personen wirklich gefährlich sind und weiter eine Bedrohung für uns darstellen“.
Obama und Bush
Harald Möller (Velbert)
- 02.01.2010, 17:21 Uhr
Matthias Rüb Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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