Das Auswärtige Amt hat vor den Auswirkungen der Taliban-Propaganda in Deutschland gewarnt. Die radikalislamischen Taliban arbeiteten sehr effizient mit dem Instrument der Propaganda, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Donnerstag im ARD-Fernsehen. „Da sitzt ein Mann mit Bart und Mobiltelefon im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet und schafft es, mit wenigen Anrufen am Samstagvormittag ganz Deutschland in Aufregung zu versetzen. Das darf nicht sein.“
Deutschland habe es mit „ausgemachten Profis“ und „Zeremonienmeistern des Terrors“ zu tun, die gezielt die politische Diskussion in Europa beobachteten, um sie zu beeinflussen, sagte der Sprecher. Deutschland rücke zunehmend ins Visier der Taliban, weil der Bundestag im Herbst über die Zukunft der Bundeswehr-Einsätze in Afghanistan entscheiden soll. (Siehe auch: Taliban und die deutschen Medien: Abteilung für Desinformation)
Leichnam wird obduziert
Der Leichnam des in Afghanistan gestorbenen deutschen Ingenieurs wird an diesem Donnerstag in Köln obduziert. Der 44 Jahre alte Bauingenieur Rüdiger D. aus Mecklenburg-Vorpommern war in Afghanistan in Geiselhaft geraten und während seiner Verschleppung gestorben. Unklar ist, ob der Mann an den Folgen eines in der Geiselhaft erlittenen Kollapses starb oder an Schüssen, die seine Entführer auf ihn abfeuerten. Nach einer ersten Untersuchung in Kabul wies der Leichnam mehrere Schusswunden auf.
Derweil ist das Schicksal des zweiten in Afghanistan verschleppten Deutschen nach wie vor ungewiss. Der Krisenstab bemühe sich zusammen mit der afghanischen Regierung um die Freilassung des Ingenieurs aus Bayern. Es soll sich um den 62 Jahre alten Rudolf B. handeln. Die beiden Männer waren vorige Woche in der Provinz Wardak verschleppt worden.
Seoul schockiert über Tod einer Geisel
Auch eine Gruppe christlicher Missionare aus Südkorea befindet sich noch in Afghanistan in Geiselhaft. Die südkoreanische Regierung verurteilte die Tötung einer der Geiseln, eines 42 Jahre alten Pfarrers. Die Entführer würden für den Tod der Geisel zur Rechenschaft gezogen, sagte ein Sicherheitsberater am Donnerstag.
Die afghanische Polizei hatte den Leichnam des entführten Südkoreaners geborgen. Er weise zehn Einschüsse in Kopf, Brust und Bauch auf, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Ein mutmaßlicher Taliban-Sprecher hatte zuvor gesagt, eine der 23 Geiseln sei getötet worden, weil die Forderungen der Organisation nach Freilassung von inhaftierten Gesinnungsgenossen nicht erfüllt worden sei.
Milizenchef befiehlt Entführung von Ausländern
Die Talibanrebellen sind nach Aussage eines ihrer Milizenchefs angewiesen, möglichst viele Ausländer in Afghanistan zu verschleppen. Mansur Dadullah sagte in einer am Mittwochabend vom BBC-Fernsehen ausgestrahlten Sendung außerdem, dass die Taliban zur Enthauptung von Geiseln Kinder einsetzen wollten. Kinder sollten eine militärische Ausbildung gegen die „grausamen Invasoren und Ungläubigen“ bekommen. Die Tötung von „Ungläubigen und Spionen“ werde die Kinder „tapfer“ machen, so Dadullah. Die Geiselnahme von Ausländern sei ein geeignetes Mittel, um die Freilassung inhaftierter Taliban zu erreichen.
Dadullah hatte seinen Bruder Mullah Dadullah ersetzt, den die Nato-geführten Truppen im Mai getötet hatten. Er selbst war im März als einer von fünf Taliban-Gefangenen gegen den entführten italienischen Journalisten Daniele Mastrogiacomo augetauscht worden.
Bei Gefechten der von Amerika geführten Koalitionstruppen und afghanischen Regierungssoldaten mit Aufständischen wurden laut offiziellen Angaben im Süden Afghanistans mehr als 60 mutmaßliche Taliban-Kämpfer getötet. Allein mehr als 50 von ihnen kamen bei Kämpfen in der Provinz Helmand ums Leben, sagte ein amerikanischer Militärsprecher.
Späte Einsicht
Josef Rockinger (Rockinger)
- 26.07.2007, 16:45 Uhr
Rhetorische Plattitüden
Hans Kolb (nietzsche_123)
- 26.07.2007, 17:07 Uhr
Die afghanische Bevölkerung besitzt eben einen gesunden Menschenverstand
Karl Tischlinger (Tischlinger)
- 26.07.2007, 21:48 Uhr
Viel yu lange hat man unser Volk an der Nase herum geführt
Josef Bujtor (Mramorak)
- 27.07.2007, 03:05 Uhr
