30.05.2007 · Als Drahtzieher der Entführung von fünf Briten aus einem Gebäude des irakischen Finanzministeriums in Bagdad sieht die irakische Regierung den Schiitenprediger Muqtada al Sadr. Zuvor war in Basra ein Führer der Mahdi-Miliz von britischen Soldaten getötet worden.
Der irakische Außenminister Zebari vermutet, dass die Mahdi-Miliz des Schiitenpredigers Muqtada al Sadr am Dienstag die ausländischen Computerexperten aus einem Gebäude des irakischen Finanzministeriums in Bagdad entführt hat. Das Gebäude liege nahe der Sadr-City, einer Hochburg der Miliz.
Ein Kommandant der Mahdi-Miliz habe sich der Entführung als einer „Racheaktion“ bezichtigt und weitere Operationen angekündigt, berichtete die britische Presse. Amerikanische und irakische Truppen umstellten in der Nacht zum Mittwoch Sadr-City, wo sie die Entführten vermuten. Mit Hilfe von geheimdienstlichen Hinweisen wollen sie in den kommenden Tagen die Stadtteile durchkämmen. Erste Verdächtige wurden verhaftet.
„Ernsthafte Herausforderung“
Zebari bezeichnete die Entführung als „sehr ernsthafte Herausforderung für die Regierung“. Der Ablauf der Entführung lasse den Schluss zu, dass die Entführer Kontakte zur Polizei des Stadtviertels hatten, sagte Zebari. Der Vorfall sei ein weiterer Beweis, dass Mitglieder der Milizen die Sicherheitskräfte unterwandert hätten. Die mehr als 100 Entführer, die Uniformen der Polizei getragen hatten, hatten einen Computerfachmann und vier Leibwächter aus Großbritannien entführt. Der Compterfachmann ist bei dem amerikanischen Beratungsunternehmen Bearingpoint beschäftigt, die Leibwächter arbeiten für die kanadische Sicherheitsfirma Gardaworld. Ein weiterer britischer und ein irischer Experte, die anwesend waren, blieben unentdeckt. Unter den Entführten befanden sich keine Deutschen, wie zunächst vermutet worden war.
Das Innenministerium teilte mit, bei den Entführern handle es sich nicht um eine Einheit der Polizei, die „abtrünnig“ geworden sei. Ein Sprecher der Bewegung von Sadr in Bagdad, Abdulmahdi al Mutairi, sagte, der Umfang der Entführung übersteige die Fähigkeiten der Mahdi-Miliz.
Britische Einheiten bereiten angeblich Befreiung vor
Einen Zusammenhang mit der Tötung des radikalen Schiitenpredigers Wissam Waili durch britische Truppen am 25. Mai in Basra stellte indes der anglikanische Geistliche von Bagdad, Andrew White, her. Waili gehörte zu den Führern des militanten Flügels der Mahdi-Miliz. White erwartet daher für die Entführten keine Lösegeldforderung.
Außenminister Zebari rechnet hingegen damit, dass die Entführer die Entführten als Verhandlungsmasse einsetzen werden. Die britische Tageszeitung „Daily Telegraph“ berichtete, die auf Rettungseinsätze spezialisierte britische Eliteeinheit SAS stehe in Bereitschaft. Sie hatte im vergangenen Jahr den britischen Friedensaktivisten Kember und zwei Kanadier aus einer Gefangenschaft einer islamistischen Gruppe befreit.
Türkischer Vorstoß in den Irak
Unterdessen setzte die türkische Armee auch am Mittwoch die Verlegung von Einheiten an die Grenze zum Irak fort. Bislang spürt die Armee Freischärler der kurdischen PKK auf türkischem Territorium nach. Seit Ministerpräsident Erdogan in der vergangenen Woche einem Vorstoß türkischer Soldaten auf irakischen Boden indirekt unterstützt hat, gilt eine grenzüberschreitende Operation als wahrscheinlicher. Washington hat die Türkei wiederholt vor einem solchen Vorgehen gewarnt, da es die Lage im Irak nur weiter kompliziere.
Am Dienstag legte die Türkei bei der amerikanischen Regierung Protest ein, nachdem zwei amerikanische Kampfflugzeuge des Typs F16 in türkischen Luftraum eingedrungen waren. Washington bezeichnete das als Versehen, die türkische Presse deutete die Luftraumverletzung als Warnung, von einer grenzüberschreitenden Operation abzusehen.
Die Zukunft des Irak entscheidet sich im Norden
Hakan Kiyar (laudatio)
- 31.05.2007, 00:54 Uhr
Die Einheit von Irak
Fikret Sitti (sunci)
- 31.05.2007, 12:52 Uhr
Was haben die da zu suchen!
Fikret Sitti (sunci)
- 31.05.2007, 13:02 Uhr