30.11.2005 · Die irakischen Behörden haben noch keine Spur von der verschleppten Deutschen Susanne Osthoff. Kanzlerin Merkel sagte vor dem Bundestag, ihre Regierung unternehme alles, um das Leben der Entführten zu schützen.
Fünf Tage nach der Entführung von Susanne Osthoff im Irak haben lokale Behörden noch keine Spur von der verschleppten deutschen Archäologin.
Das Innenministerium in Bagdad habe die Sicherheitsbehörden angewiesen, allen verfügbaren Hinweisen nachzugehen, sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Bagdad. „Trotzdem haben wir bisher noch keinerlei Informationen über das Schicksal oder den Zustand der Entführten.“
Merkel: „Im Kampf Terrorismus nicht nachlassen“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu Beginn ihrer ersten Regierungserklärung vor dem Bundestag ein konsequentes Vorgehen angesichts der Entführung Susanne Osthoffs im Irak angekündigt. „Diese Bundesregierung, und ich denke auch dieses Parlament - wir lassen uns nicht erpressen“, sagte Merkel am Mittwoch in ihrer ersten Regierungserklärung. „Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus dürfen wir nicht nachlassen.“
Noch seien die Motive und Hintergründe der Geiselnehmer unklar. „Daher verbieten sich voreilige Schlußfolgerungen.“ Die Regierung werde alles tun, um die Deutsche und ihren ebenfalls entführten irakischen Fahrer so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen. Der internationale Terrorismus sei unverändert eine der größten Herausforderungen für die Staatengemeinschaft, sagte Merkel. Im Kampf gegen ihn „dürfen wir nicht nachlassen. Er richtet sich gegen das, was uns wichtig ist und den Kern unserer Zivilisation ausmacht.“
Die Schwester der Entführten hat nahezu zeitgleich die Bundesregierung aufgefordert, den Forderungen der Täter entgegenzukommen. „Ich hoffe, daß die Bundesregierung nicht so stur ist und sich viel mehr Gedanken über eine Veränderung in der Irak-Politik macht“, sagte sie am Mittwoch in München der Deutschen Presseagentur.
„Auf amerikanische Beziehungen zurückgreifen“
Die deutschen Behörden haben unterdessen in der Nacht zu Mittwoch fieberhaft am Entführungsfall Osthoff gearbeitet. Allerdings gebe es keine neuen Erkenntnisse, sagte ein Sprecher des Krisenstabes des Auswärtigen Amtes am frühen Morgen.
Auch die Vereinigten Staaten wollen Deutschland bei den Bemühungen um die Freilassung der 43 Jahre alten Deutschen unterstützen, die im Irak zusammen mit ihrem Fahrer als Geisel genommen wurde. Wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nach einem Gespräch mit der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice am Dienstag in Washington sagte, würden die Vereinigten Staaten dabei „auf amerikanische Beziehungen“ in der Region „zurückgreifen“.
Osthoff wurde angeblich mehrfach gewarnt
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht in dem Entführungsfall eine Warnung für ganz Deutschland. Der Fall „zeigt, daß wir auch in Deutschland vom internationalen Terrorismus durchaus bedroht sind“, sagte Schäuble der Tageszeitung „Die Welt“.
Der neue Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), hält es für notwendig, mit den Entführern Gespräche aufzunehmen. „Ein Verhandeln im zivilen Sinne, wo man sich an einen Tisch setzt, um über Verträge zu sprechen, wird das nicht sein. Aber man muß mit ihnen sprechen“, sagte Polenz der „Berliner Zeitung“. Polenz lehnte es aber ab, auf die Forderungen der Entführer einzugehen.
Susanne Osthoff wurde nach einem Medienbericht bereits seit längerem von Extremisten bedroht. Osthoff habe persönliche Drohungen der Extremistengruppe Al Qaida erhalten, berichtete die ARD am Dienstag. Amerikanische Soldaten hätten die Deutsche erst kürzlich in Sicherheit bringen müssen. Auch sei Osthoff mehrfach von der deutschen Botschaft gewarnt worden. Das Auswärtige Amt wollte den Bericht am Abend nicht kommentieren.
Journalistin Sgrena: Alle Ausländer in Gefahr
Bislang unbekannte Geiselnehmer haben Frau Osthoff und ihren irakischen Fahrer am vergangenen Freitag bei Tal Afar im Irak verschleppt. Am Dienstag stellten sie in einem der ARD zugespielten Video ein Ultimatum. Darin wird Deutschland aufgefordert, die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einzustellen. Ansonsten würden die Geiseln getötet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die Regierung werde alles in ihrer Macht stehende tun, um das Leben der Geiseln zu retten. (Siehe auch: )
Die italienische Journalistin Giuliana Sgrena, die im Februar im Irak entführt wurde, sieht zurzeit alle Ausländer in dem Land in höchster Gefahr. Auch eine kritische Haltung zur Irak-Politik der Vereinigten Staaten biete keinen Schutz, sagte Sgrena der „Neuen Presse“ aus Hannover. „Meine Entführer sagten mir, daß sie keinerlei Unterschiede machen zwischen Militärs, Journalisten oder auch humanitär Tätigen.“ Die Geiselnehmer hätten ihr auch gesagt: „Wenn du den Fuß in den Irak setzt, bist du im Krieg mit drin.“
Im irakischen Bakuba haben Unbekannte am Mittwoch das Feuer auf einen Kleinbus eröffnet und acht Menschen getötet. Die Tat sei von zehn maskierten Männern verübt worden, teilte die Polizei mit. Bakuba liegt etwa 65 Kilometer nördlich von Bagdad. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.
(Siehe auch: )
Krieg oder Frieden
Hayri Ergun (DrErgun)
- 30.11.2005, 09:49 Uhr
da liegt Herr Schäuble aber vollkommen daneben
stephan fischer (meyfisch)
- 30.11.2005, 10:11 Uhr
Propaganda
Sven Mueller (versmuellen)
- 30.11.2005, 17:56 Uhr