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Entführung im Irak Ultimatum abgelaufen: Schicksal der Geiseln ungewiß

04.02.2006 ·  Die im Fernsehen ausgestrahlten Appelle der Mütter der beiden entführten Deutschen im Irak und von Außenminister Steinmeier sind bisher ungehört verhallt. Das Schicksal der Geiseln ist nun vollkommen ungewiß, da das Ultimatum der Kidnapper abgelaufen ist.

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Nach dem mutmaßlichen Auslaufen eines Ultimatums herrscht weiter Ungewißheit über das Schicksal der beiden im Irak entführten deutschen Ingenieure. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Samstag in Berlin, es habe in der Nacht keine neue Entwicklung gegeben. Der Krisenstab werde sich am Mittag treffen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte am Freitag abend in einer Video-Botschaft an die Entführer appelliert, die Männer freizulassen. Zudem forderte er die Geiselnehmer in dem vom arabischen Nachrichtensender Al-Dschazira ausgestrahlten Appell zur Kontaktaufnahme auf.

Köhler in großer Sorge

Bundespräsident Horst Köhler hatte schon am Freitag seine „großen Sorge“ im Zusammenhang mit der Entführung der beiden Deutschen geäußert. „Wir hoffen alle, das sie gesund nach Hause kommen“, sagte Köhler am Freitag in Berlin. Zugleich äußerte er sein Mitgefühl für die Eltern der beiden Ingenieure aus Leipzig, die am 24. Januar in der nordirakischen Stadt Beidschi verschleppt worden waren.

Die im Fernsehen ausgestrahlten Appelle der Mütter der beiden entführten Deutschen im Irak und von Außenminister Steinmeier sind bisher ungehört verhallt. Das Schicksal der Geiseln ist nun vollkommen ungewiß, da das Ultimatum der Kidnapper abgelaufen ist.

Köhler sagte, er habe „volles Vertrauen“ in die Bundesregierung, daß sie alles Menschenmögliche unternehme, damit die beiden Landsleute freigelassen werden. „Dafür bete ich“, setzte das Staatsoberhaupt hinzu. Zugleich rief Köhler Medien und Politiker zur Zurückhaltung in der Geiselaffäre auf. Er lege großen Wert darauf, daß der Krisenstab seine Arbeit machen könne, daher sollten alle ihre öffentlichen Äußerungen zur Entführung bedenken.

Karikaturen-Streit hat Einfluß

In einem am Dienstag abend ebenfalls über Al-Dschasira veröffentlichten Video hatten die Entführer mit dem Tod ihrer Geiseln gedroht und der Bundesregierung eine Frist von 72 Stunden gesetzt, ihre Forderungen zu erfüllen. Sie verlangen, daß die Bundesregierung die Botschaft in Bagdad schließt und die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung beendet. Zudem fordern sie den den Abzug aller deutschen Firmen aus dem Irak. Das Video war zugleich das letzte Lebenszeichen von den Geiseln.

Außenminister Steinmeier zeigte sich am Freitag besorgt, daß der internationale Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen die Bemühungen um eine Freilassung der deutschen Ingenieure belasten könnte. Die Versuche, Kontakt mit den Entführern zu bekommen, seien davon nach seiner Einschätzung nicht betroffen. „Aber sicher ist richtig, das haben wir gestern bei den Eruptionen in den palästinensischen Gebieten gespürt, daß dieser Karikaturen-Streit Einfluß auf die Stimmung der arabischen Ländern hat“, fügte Steinmeier hinzu. „Wir geben uns alle Mühe, um das in den nächsten Tagen zu dämpfen.“

Kein neuer Erkenntnisstand

Im Entführungsfall könne er keine neuen Erkenntnisse mitteilen, sagte Steinmeier weiter. „Es ist uns leider bisher nicht gelungen, direkten Kontakt zu den Entführern zu bekommen.“ Die beiden Ingenieure einer Firma bei Leipzig waren am 24. Januar in der Region von Baidschi nördlich von Bagdad verschleppt worden.

Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg ergänzte, es gebe seit der zweiten Videobotschaft „keinen neuen Erkenntnisstand“. Steg versicherte zugleich, die Bundesregierung setze weiterhin alles daran, die beiden Geiseln „so schnell wie möglich in Freiheit zu bekommen“. Doch habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag abend im Koalitionsausschuß deutlich gemacht, daß es sich um eine „ernste und schwierige Situation“ handle. Zu dem von den Geiselnehmern gestellten Ultimatum wurden unter Verweis auf taktische Erwägungen wie bisher keine Angaben gemacht.

Früherer Geheimdienstkoordinator: „Relativ wenig Chancen“

Der frühere Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer (CDU) hat sich extrem besorgt zum Schicksaal der beiden deutschen Geiseln im Irak geäußert. „Wir haben relativ wenig Chancen“, sagte er am Freitag im Sender N24. „Ich denke, daß es eine sehr dramatische Situation ist jetzt vor Ort - wenig Kontakt, keine Verhandlungen, das Ultimatum, all die Drohungen. Die Appelle der Mütter waren derzeit das einzig Richtige“, fügte er hinzu.

Die Geiselnehmer hatten in einem am Dienstag gesendeten Video ein 72-Stunden-Ultimatum gesetzt.

Ehemalige Irak-Geisel Sgrena rät zu Lösegeldzahlungen

Die ehemalige Geisel und italienische Journalistin Giuliana Sgrena hat sich für Lösegeldzahlungen zur Befreiung von Entführten im Irak ausgesprochen. „Ein Staat muß alles tun, um das Leben seiner Bürger zu retten. Dazu gehört es auch, den Forderungen der Entführer nachzugeben“, sagte Sgrena in einem dpa- Gespräch in Stuttgart. Eine Lösegeldindustrie existiere im Irak ohnehin schon lange.

Sgrena war vor einem Jahr im Irak entführt worden. Nach vier Wochen Geiselhaft wurde sie befreit. „Ich weiß bis heute nicht, ob bei meiner Freilassung Lösegelder geflossen sind“, widersprach die Italienerin Medienberichten.

Nicht äußern wollte sich die Journalistin zu der Frage, ob die Bundesregierung auch auf politische Forderungen der Entführer eingehen sollte. Diese hatten zuletzt unter anderem den Abzug aller deutschen Firmen aus dem Irak und die Schließung der deutschen Botschaft in Bagdad gefordert. „Ich kann das nicht beurteilen“, sagte Sgrena.

Hilfreicher wäre nach Auffassung der Journalistin der Abzug aller westlichen Truppen aus dem Irak. „Nur aus eigener Kraft kann dieses Land wieder zu einem Rechtstaat werden. Und nur so können Geiselnahmen wie die der beiden Deutschen verhindert werden“, argumentierte sie.

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