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Entführung im Irak Terrordrohung gegen Deutschland und Österreich

11.03.2007 ·  Eine islamistische Gruppe hat mit Anschlägen gegen Deutschland und Österreich gedroht, falls beide Länder nicht umgehend ihre Truppen aus Afghanistan abziehen sollten. Die Behörden sprechen derzeit von einer „abstrakten“ Bedrohung. Auch die Kidnapper deutscher Geiseln im Irak fordern den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.

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Auf einer Internetseite von Islamisten ist nach dem Video mit der Todesdrohung gegen zwei im Irak entführte Deutsche ein weiteres Video aufgetaucht. Darin wird von einer bisher unbekannten Organisation namens „Stimme des Kalifats“ wie in der ersten Aufzeichnung der deutsche Abzug aus Afghanistan gefordert. Zu diesem neuen Video gibt es vom Verteidigungsministerium in Berlin bisher noch keine Stellungnahme. Spezialisten der Bundesregierung werteten das neue Video derzeit aus, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

In der Aufzeichnung wird neben Deutschland auch Österreich mit Angriffen gedroht, falls sie ihre Soldaten nicht aus Afghanistan zurückziehen. Das Video zeigt einen maskierten Sprecher der Gruppe, der beide Länder auffordert, die Amerikaner nicht länger zu unterstützen. Der Sprecher fragt rhetorisch, ob es denn wert sei, die wirtschaftliche Stärke und die Sicherheit Deutschlands für „Bush und seine Bande“ aufs Spiel zu setzten. Der Sprecher drohte mit einer Frühjahrsoffensive in Afghanistan, „die die gesamte Welt noch vor ihrem Beginn in Schrecken versetzen werde“. Auf dem Video waren auch deutsche Soldaten in Afghanistan zu sehen (siehe auch: Extremisten-Video zielt auf deutsche Zuschauer).

In Wien wird die Video-Botschaft ebenfalls derzeit von Spezialisten ausgewertet. Das österreichische Innenministerium sprach von einer sehr „abstrakten“ Bedrohung, wie es sie „leider öfter“ im Internet gebe. Gleichwohl verschärfte das österreichische Verteidigungsministerium die Sicherheitsvorkehrungen für seine in Afghanistan stationierten Truppen. Die in Kabul eingesetzten Stabsoffiziere seien angewiesen worden, ihren Bereich bei der internationalen Friedenstruppe ISAF nicht zu verlassen, erklärte nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA ein Ministeriumssprecher in Wien.

„Ein erschütterndes Dokument“

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat unterdessen das Video mit den im Irak entführten Deutschen als „ein erschütterndes Dokument“ gewertet. „Wir schauen natürlich mit Sorge auf das Schicksal der beiden Geiseln. Unser Mitgefühl ist bei den Angehörigen, bei den Familien“, sagte er am Samstag in Berlin, nachdem er unmittelbar zuvor den Krisenstab besucht hatte.

„Wir hatten jetzt gerade eben im Krisenstab die Möglichkeit, eine erste Bewertung des veröffentlichten Videos vorzunehmen.“ In den nächsten Stunden und Tagen würden Spezialisten das Bildmaterial detailliert analysieren. Der Krisenstab sei seit viereinhalb Wochen dabei, „eine Aufklärung des Falles herbeizuführen und die entführten Deutschen wieder in Freiheit zu setzen“, sagte Steinmeier. Bisher sei das nicht gelungen, aber die Öffentlichkeit könne sicher sein, dass die Bemühungen darum weiterhin fortgesetzt würden.

Weitere Einzelheiten über die Arbeit des Krisenstabes und der Sicherheitsbehörden nannte Steinmeier nicht und bat dafür um Verständnis. „Seien sie nur versichert: Wir werden nichts unversucht lassen, um die beiden entführten Deutschen wieder gesund zu ihren Familien zurückzubringen.“ Zur Forderung der Entführer, Deutschland müsse binnen zehn Tagen den Abzug seiner Truppen aus Afghanistan bekannt geben und beginnen, äußerte er sich nicht. Der Außenpolitiker Eckart von Klaeden (CDU) sagte: „Die Bundesregierung ist nicht erpressbar.“

Geisel bittet Merkel um Hilfe

Aufständische hatten mit der Ermordung der beiden im Irak verschleppten Deutschen gedroht, wenn die Bundesregierung nicht binnen zehn Tagen mit dem Abzug aller deutschen Soldaten aus Afghanistan beginnt. Die Fernsehsender Al Arabija und Al Dschazira strahlten am Samstag ein Video aus, das auch im Internet veröffentlicht wurde. Ein mutmaßliches Mitglied der bislang unbekannten Gruppe „Pfeile der Rechtschaffenheit“ sagt darin: „Wir geben der deutschen Regierung zehn Tage von dem Tag dieser Veröffentlichung an, den Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan anzukündigen und zu beginnen.“

In dem Video sind vermummte Bewaffnete wie auch die beiden Geiseln zu sehen. Die Entführer zeigen einen deutschen Pass. Die Frau und ihr erwachsener Sohn sitzen mit gesenkten Köpfen und weinen. Die Frau, die ein blaues Kopftuch trägt, welches das Gesicht freilässt, fleht laut einer schriftlichen arabischen Übersetzung Bundeskanzlerin Merkel an, ihr Leben zu retten.

„Diese Leute wollen meinen Sohn vor meinen Augen töten und dann mich umbringen, wenn die deutschen Truppen nicht aus Afghanistan abgezogen werden“, sagte die Geisel demnach. Zwei der drei Vermummten in dem Video tragen Maschinengewehre. Der Mann in der Mitte verliest eine Erklärung. Bei den Entführungsopfern handelt es sich laut Medienberichten um eine Frau im Alter von mehr als 60 Jahren und ihrem Sohn im Alter von etwa Mitte 20. Die beiden werden seit Anfang Februar im Irak vermisst.

Morddrohung als Druckmittel?

Deutschland ist mit gut 3000 Soldaten der drittgrößte Truppensteller der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf). Die Bundeswehr ist vor allem im Norden des Landes stationiert. Erst am Freitag hatte der Bundestag dem zusätzlichen Einsatz von sechs deutschen Tornados zur Luftaufklärung am Hindukusch zugestimmt (siehe auch: Bundestag beschließt Tornado-Einsatz in Afghanistan).

Sicherheitsexperten der Bundesregierung werten die Morddrohung mit Ultimatum laut einem Bericht der „Bild am Sonntag“ als Druckmittel für eine spätere Lösegeldforderung. Die Zeitung beruft sich auf Berliner Regierungskreise. Offenkundig seien die Entführer im Irak enttäuscht vom bislang geringen öffentlichen Echo ihrer Tat in Deutschland. Deshalb hätten sie das Video mit den flehenden Geiseln angefertigt.

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