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Entführung im Irak Krisenstab müht sich um Kontakt mit Geiselnehmern

25.01.2006 ·  Knapp zwei Monate nach der Entführung von Susanne Osthoff bemüht sich im Auswärtigen Amt abermals ein Krisenstab um die Freilassung deutscher Geiseln im Irak. Noch ist nicht klar, wer hinter der Entführung der beiden Ingenieure aus Leipzig steckt.

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Knapp zwei Monate nach der Entführung von Susanne Osthoff bemüht sich im Auswärtigen Amt in Berlin abermals ein Krisenstab um die Freilassung deutscher Geiseln im Irak. Bis Mittwoch morgen war nicht bekannt, wer hinter der Entführung der beiden Ingenieure einer Firma aus dem Raum Leipzig steckt.

Generalbundesanwalt Kay Nehm leitete schon am Dienstag ein Ermittlungsverfahren ein, wie eine Justizsprecherin am Mittwoch in Karlsruhe sagte. Die Ermittlungen wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Geiselnahme richteten sich gegen Unbekannt.

Die Männer waren am Dienstag in Baidschi 200 Kilometer nördlich von Bagdad verschleppt worden. Ein Bekennerschreiben liege nicht vor, hieß es am Abend in Berlin. „Wir sind bemüht, alle erreichbaren Informationen zu bekommen“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Auch der Bundesnachrichtendienst (BND) ist an den Ermittlungen beteiligt. Kanzleramtsminister de Maizière und Steinmeier hatten am Dienstag die Entführungsfälle bestätigt.

„Entführungsindustrie“

Der neue Präsident des Bundesnachrichtendienstes Uhrlau sagte in Berlin, der neue Fall liefere einen Beleg dafür, daß sich im Irak eine regelrechte „Entführungsindustrie“ etabliere, die „Verflechtungen zwischen islamistischen, nationalistischen und rein kriminellen Strukturen offenbart“.

Bei den beiden Entführten handelt es sich um Mitarbeiter der sächsischen Anlagenbau-Firma Cryotec aus dem Raum Leipzig. Nach Angaben der irakischen Chemiefabrik, für die die deutsche Firma in Baidschi arbeitete, konnte ein dritter Deutscher der Entführung entgehen.

„Kollegen gesund und kurzfristig zurückbekommen“

Die drei Deutschen waren erst am Freitag im Irak angekommen und sollten bis zum heutigen Mittwoch in dem irakischen Unternehmen, das Reinigungsmittel herstellt, eine Produktionsanlage installieren.

In der sächsischen Heimat der Entführten befragte die Polizei am Dienstag abend den Geschäftsführer der Cryotec GmbH, Peter Bienert. Die „Leipziger Volkszeitung“ zitiert Bienert mit den Worten: „Mein Interesse ist, die Kollegen gesund und kurzfristig zurückzubekommen.“ Weitere Ausagen wehrte Bienert im ZDF ab, „um der Sache zu dienen“. Das Unternehmen entwickelt und plant Industrieanlagen und hat seit längerem geschäftliche Kontakte in den Irak.

Mitschuld der Medien?

Nach Meldungen aus dem Entführungsgebiet teilte die Polizei in Baidschi mit, die beiden Deutschen seien auf dem Weg von der Kaserne, wo sie ihre Unterkunft hatten, zur Arbeit von Bewaffneten in zwei Fahrzeugen angehalten und verschleppt worden. Die Entführer hätten irakische Militäruniformen getragen. Der Fahrer der beiden deutschen Ingenieure sei unverletzt geblieben und verschont worden; ein weiterer Mitarbeiter sei ebenfalls der Entführung entgangen.

Außenminister Steinmeier sagte auf die Frage, ob eine Lösegeldzahlung im Fall Osthoff die neue Geiselnahme mit verursacht haben könnte, „nicht die Lösegeldzahlung, sondern die Berichterstattung darüber“. Erst vor knapp zwei Monaten war die Archäologin Susanne Osthoff im Irak entführt worden. Am 18. Dezember kam sie frei. Berichte, wonach dafür ein Lösegeld gezahlt wurde, kommentiert die Bundesregierung nicht.

„Wir sind nicht erpreßbar“

Auch der frühere Geheimdienst-Koordinator der Bundesregierung Bernd Schmidbauer (CDU) äußerte sich kritisch zur Debatte über Lösegeldzahlungen an Entführer. „Wir sind nicht erpreßbar. Und es ist auch nie Lösegeld in dieser Form gezahlt worden.“ Das müsse in die Region vermittelt werden. Schmidbauer sagte auch, die Deutschen hätten Warnungen des Auswärtigen Amtes ignoriert und daher damit rechnen müssen, „daß eine Entführung stattfindet“.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz, mahnte zu öffentlicher Zurückhaltung. Jedes Gerede über die Umstände einer Entführung würde in Zukunft die Lösung solcher Fälle erschweren, sagte der CDU-Politiker der „Berliner Zeitung“.

Noch etwa hundert Deutsche im Irak

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes befinden sich trotz dringender Ausreise-Appelle gegenwärtig noch hundert Deutsche im Irak. Bei den meisten handelt es sich um mit Irakern verheiratete Ehepartner, einige Deutsche sind aus wirtschaftlichen Gründen in dem Land tätig. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag teilt mit, es seien wohl weniger als drei Dutzend Deutsche für jene 30 bis 40 deutsche Firmen aktiv, die sich vor allem in den kurdischen Nordprovinzen des Irak engagierten.

Das größte Geschäftsvorhaben deutscher Firmen sei gegenwärtig der Bau einer Zementfabrik im Nordirak. Deutsche Firmen seien im Irak bei der Lieferung von Nutzfahrzeugen, Dieselgeneratoren, beim Bau von Kraftwerken oder Klimaanlagen tätig, gibt der DIHK an. Das Exportvolumen deutscher Firmen habe im abgelaufenen Jahr 280 Millionen Euro betragen, für das gegenwärtige Jahr werde eine Steigerung erwartet.

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Von Thomas Gutschker

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