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Macron erhält Karlspreis : Habt keine Angst

Hallo, Europa: Merkel und Macron bei der Verleihung des Karlspreises

Hallo, Europa: Merkel und Macron bei der Verleihung des Karlspreises Bild: EPA

Der französische Präsident Emmanuel Macron will mit seiner Dankesrede für den Karlspreis Europa wachrütteln. Sein Appell richtet sich auch an Angela Merkel.

          Zum Ende seiner Dankesrede im Krönungssaal des Aachener Rathauses kann Emmanuel Macron seine Ungeduld nicht mehr zügeln. Der Karlspreis, der ihm soeben verliehen wurde, sei kein Dank für erwiesene gute Dienste für Europa und noch weniger eine Aufforderung, fortan abzuwarten. „Warten wir nicht länger. Lassen Sie uns handeln!“, ruft er voller Hingabe in den bis auf den letzten Platz gefüllten Saal. Zum Schluss hält es auch die geladenen Gäste nicht mehr auf ihren Sitzen, der Applaus ebbt erst nach Minuten ab. Der Preisträger lächelt zufrieden – eine weitere Etappe auf dem im vergangenen September mit der aufsehenerregenden Rede an der Sorbonne eingeschlagenen Weg zu einem neuen europäischen Aufbruch.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der französische Präsident ist in Aachen in seinem Element. Schon beim festlichen Abendessen am Mittwoch unterhielt er sich angeregt mit den Gästen. Die frühere Karlspreisträgerin Dalia Grybauskaité erinnerte den jungen Präsidenten an einen Karl dem Großen zugeschriebenen Ausspruch. „Richtiges Handeln ist wichtiger als Wissen“, sagte die litauische Präsidentin. Macron ging nach dem Essen zu Fuß zurück ins Hotel und sprach unterwegs Deutsch, das er in der Mittelschule gelernt hatte. „Herzlichen Dank für den guten Empfang“, sagte er Passanten, die ihm in der Innenstadt begegneten. Macron hatte auf größere Sicherheitsvorkehrungen verzichtet und schlenderte durch die Gassen der Aachener Fußgängerzone, hier ein Plausch, hier ein Lächeln für ein Selfie, das alles in ungewohnt gelöster Stimmung für ein französisches Staatsoberhaupt. Der 40 Jahre alte Preisträger, dem vor einem Jahr der Einzug in den Elysée-Palast gelungen ist, nahm sich noch Zeit, den Austausch über Europa an der Hotelbar fortzusetzen. Dann ging er noch etwas an seiner Rede feilen.

          Bevor Macron seine Dankesrede im Krönungssaal zu einem weiteren flammenden Aufruf zu mehr Europa-Begeisterung und weniger Europa-Verzagtheit nutzt, ergreift Bundeskanzlerin Angela Merkel das Wort. Die Hoffnung der Veranstalter, die Karlspreisträgerin von 2008 werde in Aachen endlich eine umfassende und inhaltliche deutsche Antwort auf die europapolitischen Vorstellungen Macrons geben, erfüllt sich jedoch nicht. Sie hält sich an die ihr eigentlich zugedachte Rolle, eine Laudatio auf den Preisträger zu halten.

          Merkel: Europa müsse sein Schicksal selbst bestimmen

          Der „junge, dynamische Politiker“ Macron wisse, was Europa im Innersten zusammenhalte, sagt Merkel. Macron habe eine klare Vorstellung davon, „wo und wie Europa sich weiterentwickeln sollte“. Und der Präsident verfüge über eine Gabe, die in Zeiten der Zweifel an Europa besonders gefragt sei: „Begeisterungsfähigkeit“. Die Kanzlerin lobt Macrons Einsatz für Europa, der andere mitreißen könne. Sie würdigt den leidenschaftlichen Kampf gegen engstirnigen Nationalismus und Isolationismus. Sie freue sich darauf, gemeinsam mit Macron auf diesem Wege zusammenzuarbeiten.

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