http://www.faz.net/-gpf-8v3xt

Elor Azaria : 18 Monate Haft wegen Tötung eines verletzten Palästinensers

  • Aktualisiert am

Verurteilt: Der israelische Soldat Elor Azaria mit seiner Mutter Bild: EPA

Ein israelischer Soldat hat einen kampfunfähigen Attentäter mit einem Kopfschuss hingerichtet. Der Fall spaltet Israel: Für die einen ist Azaria ein Held, für die anderen ein Mörder.

          Ein israelischer Soldat muss wegen Totschlags an einem verletzten palästinensischen Attentäter für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Dies entschied ein Militärgericht in Tel Aviv am Dienstag. Der 21 Jahre alte Soldat war im vergangenen Monat schuldig gesprochen worden. Bis zu zwanzig Jahren Haft drohten Elor Azaria zuvor. Viele Israelis sahen den Soldaten hingegen als unschuldig an und feierten ihn als Volkshelden. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach sich nach der Urteilsverkündung im Januar für eine Begnadigung aus.

          Der Vorfall hatte sich am 24. März vergangenen Jahres in Hebron im Westjordanland ereignet. Damals hatten zwei Palästinenser an einer Kreuzung auf einen israelischen Soldaten eingestochen. Sie wurden umgehend angeschossen und kampfunfähig gemacht. Der Soldat überlebte den Angriff. Während Sanitäter ihn medizinisch versorgten, ging der damals 18 Jahre alte Militärsanitäter Azaria zu einem der beiden Attentäter, der bereits eine Zeitlang verletzt am Boden lag, und erschoss ihn aus nächster Nähe.

          Der Vorfall, von dem die Menschenrechtsorganisation Betselem ein Video veröffentlichte, löste in Israel eine heftige Kontroverse über das ethisch korrekte Verhalten der eigenen Soldaten aus. Von Konservativen wird Azaria als Held gefeiert, Palästinenser und Menschenrechtsorganisationen bezeichnen ihn hingegen als Mörder. Mehrere Hundert Israelis gingen am Tag der Urteilsverkündung im Januar auf die Straße, um für die Freilassung Azarias zu demonstrieren.

          Azaria polarisiert: Anfang Januar demonstrieren Frauen für seine Begnadigung.
          Azaria polarisiert: Anfang Januar demonstrieren Frauen für seine Begnadigung. : Bild: AFP

          Nach einer Umfrage des Israelischen Demokratie-Instituts aus dem August unterstützt eine klare Mehrheit von 65 Prozent der jüdischen Israelis das Vorgehen Azarias als Selbstverteidigung. Unter rechtsorientierten Israelis sind es sogar 83 Prozent. Die konservative Zeitung „Makor Rischon“ wählte Azaria sogar zum „Mann des Jahres“ 2016.

          Quelle: limu/dpa

          Weitere Themen

          Ein Weltfußballer als Präsident Video-Seite öffnen

          George Weah : Ein Weltfußballer als Präsident

          Er wuchs in einem Armenviertel auf, wurde als „King George“ zum Fußballstar und jetzt ist er Präsident von Liberia: George Weah. Der 51-Jährige hat sich für seine Amtszeit viel vorgenommen.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Geschenkt hat er eigentlich noch nie etwas: Niki Lauda

          Zuschlag für Airline : Das riskante Spiel des Niki Lauda

          Niki Lauda ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Luftfahrtbranche. Geschenkt hat er noch nie etwas – weder sich noch anderen. Jetzt will er die Fluggesellschaft retten, die seinen Namen trägt.

          Offensive gegen Kurden : Verstößt die Türkei gegen das Völkerrecht?

          Anne Peters ist Direktorin am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Im FAZ.NET-Interview erklärt sie, wie der türkische Militäreinsatz in Nordsyrien aus völkerrechtlicher Perspektive zu bewerten ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.