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Veröffentlicht: 07.04.2011, 20:10 Uhr

Elfenbeinküste Gbagbos letzte Trumpfkarte: als Märtyrer sterben

Ein militärischer Sieg des anerkannten ivorischen Präsidenten Ouattara könnte schnell in eine politische Niederlage umschlagen. Sein Widersacher Gbagbo wird schon als Held gefeiert, der gegen einen vermeintlichen französischen Neokolonialismus kämpft.

von , Johannesburg
© Reuters Protest für Gbabo und gegen Sarkozy in Paris

Der seit fast einer Woche in seiner Residenz im Abidjaner Stadtteil Cocody von Truppen seines Widersachers Alassana Ouattara belagerte ivorische Machthaber Laurent Gbagbo ist dabei, zu einem Held für die afrikanische Öffentlichkeit zu werden. Je länger sein Widerstand dauert, umso lauter werden überall auf dem Kontinent Stimmen, die ihn als aufrechten Kämpfer gegen einen vermeintlichen französischen Neokolonialismus feiern. Hintergrund waren die Luftangriffe von Hubschraubern der französischen „Operation Einhorn“ als auch Hubschraubern der UN-Mission im Land (Onuc) gegen Stellungen der Präsidentengarde in Abidjan vom vergangenen Montag.

Thomas Scheen Folgen:

Ob diese Luftschläge durch das Mandat der Vereinten Nationen gedeckt waren und – wie Onuci und Frankreich behaupten – dem Schutz von Zivilisten dienten, indem schwere Waffen vernichtet wurden, spielt in der öffentlichen Meinung, wie sie in Zeitungen und zahllosen Internetforen Ausdruck findet, kaum eine Rolle. Was vielmehr wahrgenommen wird, ist, dass die ehemalige Kolonialmacht wieder einmal zu Gewalt greift, um in einer ehemaligen Kolonie einen genehmen Präsidenten zu installieren – in diesem Fall Ouattara. Dafür gibt es einen bösen Begriff: „La Francafrique“.

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Vermutlich ist das einer der Gründe, warum der von den Ouattara-Truppen als „finaler Angriff“ angekündigte Sturm auf die Residenz von Gbagbo am Mittwoch nach zwei Stunden wieder abgebrochen wurde. Gbagbo als Held im Bunker ist für Ouattara schon schlimm genug. Ein toter Gbagbo aber wäre für den von der internationalen Gemeinschaft anerkannten Präsidenten Ouattara eine Katastrophe. Ouattara muss als Staatsoberhaupt einen großen Teil des Gbagbo-Lagers ins Boot holen, will er halbwegs ungestört regieren. Ein getöteter Gbagbo aber würde angesichts der jüngsten Geschichte der Elfenbeinküste wohl zu einem westafrikanischen Patrice Lumumba werden – jenem kongolesischen Ministerpräsidenten, der auf Geheiß Belgien und Amerikas 1961 ermordet worden war und trotz seiner politischen Unzulänglichkeit seither Märtyrerstatus genießt.

Rücktritt gegen Geld?

Aus seinem Bunker heraus spielt Gbagbo dieses Instrument inzwischen perfekt. Er hat im Gegenzug für die von UN, Frankreich und Ouattara geforderte schriftliche Rücktrittserklärung offenbar hohe finanzielle Forderungen erhoben. So sollen die Bankguthaben seiner Frau Simone in Amerika wieder freigegeben werden. Die ehemalige Gewerkschaftlerin Simone Gbagbo gilt nicht nur als politische Extremistin, sondern auch als dem Geld zugetan. Ihr Vermögen wird auf mehrere Dutzend Millionen Dollar geschätzt.

Der zweite Grund für das Unvermögen der Ouattara-Truppe, die Residenz von Gbagbo einzunehmen, ist allerdings handfester Natur und spricht portugiesisch. Nach Informationen der für gewöhnlich gut informierten Zeitschrift „Jeune Afrique“ wird Gbagbo zwar nur von 200 Sldaten beschützt. Darunter sollen sich 92 angolanische Elitesoldaten befinden, die zur „Unidada da Guarda Presidencial“, der Prätorianergarde des angolanischen Präsidenten Eduardo Dos Santos, gehören. Das ist eine für urbane Kriegsführung trainierte Sondereinheit, die mutmaßlich das Residenzgelände vermint hat.

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