Home
http://www.faz.net/-gq5-75pve
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Einsatz in Mali Schlag auf Schlag

Die Angriffe der französischen Luftwaffe setzen den radikalen Islamisten in Mali zu. Die Militärmission war vor dem Einsatzbefehl des Präsidenten Hollande gründlich vorbereitet worden. Nun verstummen die Kritiker und sagen ihre Unterstützung zu.

© dpa Vergrößern Ziele in zweitausend Kilometer Entfernung: Die französische Luftwaffe verbreitete Fotos von Soldaten, die in N’Djamena ein Mirage-Flugzeug einsatzbereit machen.

Etwa 2200 Kilometer sind es von N’Djamena im Tschad nach Mopti in Mali - sofern die französischen Mirage-F1-Kampfflugzeuge die direkte Route nehmen, die über Niger und Burkina Faso führt. Zwei dieser Kampfflugzeuge, die zum französischen Geschwader „Epervier“ im Tschad gehören, sind seit Freitag an den Luftangriffen der französischen Armee auf die Dschihadisten in Konna bei Mopti beteiligt. Möglich ist das nur, weil die Kampfflugzeuge auf dem Weg in ihr Einsatzgebiet in der Luft betankt werden. Drei Tankflugzeuge, umgebaute Airbusse, sind ebenfalls in N’Djamena stationiert.

Thomas Scheen Folgen:    

Der Einsatz der Kampfflugzeuge, die sich bislang als entscheidende Waffe gegen die Islamisten erwiesen haben, zeigt vor allem eines: Die französische Militärmission gegen die radikalen Islamisten war seit geraumer Zeit vorbereitet worden. Überflugrechte für Kampfflugzeuge sind nicht innerhalb einer Stunde zu erhalten, und die Einsatzplanung benötigt ebenso Zeit wie die Bereitstellung von zusätzlicher Munition am Stützpunkt N’Djamena. Das Gleiche gilt für die Kampfhubschrauber, die in Erwartung des Ernstfalles aus der Elfenbeinküste nach Burkina Faso verlegt worden waren. Auch wenn sich Präsident François Hollande erst am Donnerstag vergangener Woche zu dem Einsatzbefehl durchringen konnte - vorbereitet war die französische Armee schon längere Zeit. Offenbar setzte in Paris niemand große Hoffnungen in die geplante afrikanische Eingreiftruppe.

Karte / Afrika / Mali

Seit Freitag geht es deshalb Schlag auf Schlag. Aus dem Tschad wurden ebenso französische Truppen nach Mali verlegt wie vom französischen Stützpunkt in der Elfenbeinküste. Inzwischen dürfte sich die Stärke des französischen Kontingents auf mindestens 500 Soldaten belaufen. In Frankreich wurden Bomber des Typs Rafale in Alarmbereitschaft versetzt, vier von ihnen flogen nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Sonntag Angriffe auf logistische Einrichtungen der Islamisten in der Stadt Gao. „Es hat heute wieder Luftangriffe gegeben, genau wie vergangene Nacht und genauso, wie es morgen Angriffe geben wird“, sagte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Sonntag in einem Rundfunkinterview.

Inzwischen sollen französische Flugzeuge auch Ziele hoch im Norden von Mali angegriffen haben, darunter die Kaserne von Léré an der mauretanischen Grenze, die von der Islamistengruppe „Ansar al Dine“ genutzt wird, sowie ausgewählte Gebäude in Douentza, wo die Terrorgruppe „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (Mujao) einen Stützpunkt unterhält. Das bestätigte die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“, die in beiden Ortschaften medizinische Einrichtungen betreibt.

Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© AFP, Reuters Vergrößern Frankreich treibt Einsatz gegen Islamisten in Mali voran

Die Islamisten, die in der vergangenen Woche die Kontrolle über die Stadt Konna übernommen hatten und auf dem Weg nach Bamako waren, sind seit Beginn der französischen Angriffe nach übereinstimmenden Meldungen auf dem Rückzug. Wie viele ihrer Kämpfer sie durch die französischen Angriffe verloren haben, ist unklar. Die malische Armee sprach von „mehr als einhundert toten Dschihadisten“. Zu überprüfen ist das nicht. Doch selbst die Franzosen zeigten sich am Sonntag verhalten optimistisch. Die unmittelbare Gefahr sei vorerst gebannt, hieß es aus Paris.

Dabei scheint die französische Luftwaffe nicht nur die Fahrzeugkolonnen der Extremisten dezimiert, sondern auch deren Treibstoffvorräte und Kommandostrukturen schwer getroffen zu haben. Einer der wichtigsten Feldkommandeure der Islamistengruppe „Ansar al Dine“, Abdel Krim, der wegen seiner Glatze „Kojak“ genannt wird, soll nach Informationen malischer Sicherheitskreise bei den Angriffen getötet worden sein.

Mehr zum Thema

Angesichts des französischen Vorpreschens haben es jetzt auch die Westafrikaner eilig. Niger, Senegal und Burkina Faso wollen unverzüglich je ein Bataillon von 500 Soldaten nach Mali entsenden. Nigeria spricht von 600 Soldaten, nennt aber keinen Zeitrahmen. Der künftige Oberkommandierende der afrikanischen Eingreiftruppe, ein nigerianischer General, soll sich bereits in Mali aufhalten. Großbritannien und Amerika haben logistische Unterstützung beim Transport der afrikanischen Kontingente versprochen. London will zwei Flugzeuge schicken.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Unterstützung für IS Terrornachwuchs vom Sinai

Eine Welle der Gewalt erfasst Ägypten. Radikale Splittergruppen schließen sich dem Islamischen Staat an. Vor allem Ausländer in Kairo bangen um ihre Sicherheit. Mehr Von Markus Bickel, Kairo

12.11.2014, 22:53 Uhr | Politik
Burkina Faso Militär behält Schlüsselposten im Kabinett

Im Interimskabinett von Präsident Michel Kafando bleiben wichtige Posten in der Hand der Armee. Oberstleutnant Isaac Zida wird als Ministerpräsident auch das Verteidigungsministerium führen. Mehr

24.11.2014, 07:48 Uhr | Aktuell
+++ Bagdad Briefing +++ Eindämmen, bekämpfen und eliminieren

Immer mehr Anschläge erschüttern Ägypten. Die Terrorgruppe Ansar Beit al Maqdis hat dem Islamischen Staat die Treue geschworen. Wie regieren die ägyptischen Sicherheitskräfte? Mehr Von Markus Bickel, Kairo

14.11.2014, 14:35 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.01.2013, 21:36 Uhr

Risse im Guss

Von Berthold Kohler

Sigmar Gabriel hält Horst Seehofers Sorge wegen Uneinigkeit in der deutschen Russlandpolitik für eine „besondere Art von Humor“. Doch die Zweifel des CSU-Vorsitzenden sind berechtigt. Mehr 19