20.04.2010 · Venezuelas Staatschef ist um Propaganda-Ideen nicht verlegen. Jetzt stellt er eine „Kommunikationsguerrilla“ auf: Jugendliche sollen die privaten Medien bekämpfen.
Von Joseph Oehrlein, Buenos AiresHugo Chávez rüstet weiter auf. Außer den bewaffneten Land- und Stadtmilizen verfügt er jetzt auch über eine „Kommunikationsguerrilla“. Deren Mitglieder sind junge Leute, vorwiegend Schüler im Alter zwischen dreizehn und siebzehn Jahren. Sie sollen, so die neue Kommunikationsministerin Tania Díaz, „kommunizieren, mobilisieren und organisieren“. Die erste Schlacht, welche die „Guerrilla“ zu schlagen hatte, lief unter dem Codenamen „Kommunikations-Donner“. Dabei galt es, Flugblätter zu verteilen und die Stationen einer Metro-Linie mit Handzetteln zu fluten.
Der Feind, den Chavez' Truppe bekämpft, sind die privaten Medien, die angeblich Lügen über die vom Präsidenten propagierte bolivarische Revolution und den Sozialismus verbreiten. Für ein erstes Pilotprojekt in der Hauptstadt Caracas wurden 79 angehende „Guerrilleros“ seit Februar in täglich abgehaltenen, vierstündigen Unterweisungen geschult. Ihre Hauptaufgabe besteht darin zu prüfen, ob die privaten Medienprogramme „kapitalistische Botschaften“ verbreiten. Wenn das der Fall ist, gehe es darum, die notwendige Gegenpropaganda zu entwickeln, sagte die von Chávez eingesetzte Regierungschefin von Caracas, Jacqueline Faría. Bei ihrem Kampf für die chavistische Wahrheit sollen die Schüler alle zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel einsetzen, Handys, Internet, Twitter und Facebook, aber auch Grafitti an Hauswänden.
So macht man die Opposition mundtot
Chávez, der so häufig und so virtuos wie kein anderer Präsident Lateinamerikas Fernsehen und Rundfunk für Selbstinszenierungen nutzt, hat kürzlich bekannt, dass er im Internet gern einen eigenen Blog betreiben und mit aller Welt kommunizieren möchte. Mit der exzessiven Medienpräsenz seines Lagers will er vor der Parlamentswahl Ende September das propagandistische Terrain der Opposition so weit wie möglich beschneiden. Mit gerichtlichen Verfahren wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten und der Schließung von Kanälen versucht er überdies, die oppositionellen Sender mundtot zu machen.
Die Chávez-Regierung betreibt sechs Fernsehkanäle, zwei im ganzen Land zu empfangende Radioprogramme und eine Druckerei. Außerdem verbreiten 600 lokale Radio- und 72 Fernsehstationen verschiedener Gruppierungen die offizielle Meinung der chavistischen „Revolution“. Die Programme der staatlichen Sender werden jedoch weit weniger als die der privaten Kanäle gesehen und gehört. Der Klassiker ist noch immer „Aló Presidente“ (Hallo, Präsident), Chávez' sonntägliche Alleinunterhaltungsshow mit einer durchschnittlichen Dauer von fünf Stunden, der Rekord liegt bei mehr als acht Stunden.
Unicef um Hilfe angerufen
Oppositionspolitiker, Eltern- und Menschenrechtsorganisationen kritisieren die „Kommunikationsguerrilla“. Sie rufe zur Gewalt auf und politisiere die Kinder. Eine Oppositionspartei rief die Kinderschutzorganisation Unicef an. Die venezolanische Menschenrechtsorganisation „Provea“ verurteilte die Einbeziehung der Kinder in die „zermürbende Polarisierung, die der venezolanischen Gesellschaft so viel Schaden zugefügt hat“.
Alles schon mal dagewesen
Rudolf Gottfried (rudi07)
- 20.04.2010, 23:47 Uhr
Ein Castro für Arme.
Gerhart Manteuffel (cem_m)
- 21.04.2010, 00:50 Uhr
nicht nur im eigenen Land
Eckhard Schmidt (eckhard43)
- 21.04.2010, 06:55 Uhr
Unnötiges Elend...
Christian Krämer (ChristianKraemer)
- 21.04.2010, 12:16 Uhr
Chavez
Johannes Grün (ppjjll)
- 21.04.2010, 12:43 Uhr