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Veröffentlicht: 27.12.2015, 11:38 Uhr

Trotz Fahndungserfolgen Immer mehr Einbrüche in Großstädten

Der Anstieg der Einbruchzahlen ist ein Megatrend, von dem ganz Westeuropa betroffen ist. Die Polizei ist kaum noch in der Lage, die Verbrechen aufzuklären.

von , Düsseldorf
© Picture-Alliance Bislang gibt es noch keine Trendwende: Sichergestelltes Diebesgut in Düsseldorf

Es schien einer jener vielen Anrufe besorgter Bürger zu sein, die dann doch nicht weiterführen. Im Düsseldorfer Stadtteil Stockum sei ein Auto im Schritttempo neben zwei Personen auf dem Gehweg unterwegs, meldete die Frau. Auch das Kennzeichnen hatte sich die Anwohnerin notiert. Das war der entscheidende Hinweis, der dann dazu führte, dass die Polizei eine hochaktive Einbrecherbande aus Südosteuropa festnehmen konnte. Nahezu täglich waren die drei illegal in Wuppertal lebenden Männer unterwegs. Ihre Beutezüge führten sie unter anderem nach Werl, Schermbeck, Wesel, Korschenbroich, Solingen und eben auch in die Landeshauptstadt. In mindestens zwei Wohnungen oder Häuser drangen die Einbrecher in jeder Stadt ein.

Reiner Burger Folgen:

Als umsichtig und professionell beschreiben die Ermittler das Vorgehen der Bande. Immer waren die Männer mit dem Fahrzeug einer nicht vorbestraften Bekannten unterwegs, nie schlugen sie in ihrem eigenen Wohnumfeld zu. Wochenlang überwachte die Ermittlungskommission „Poet“ – benannt nach dem Dichterviertel in Stockum, aus dem der Hinweis gekommen war – die Einbrecher. Die Düsseldorfer Ermittler tauschten sich intensiv mit anderen Polizeibehörden aus, um ihr Bild von den mobilen Tätern zu vervollständigen. Ende November konnten Beamte die Bande dann auf der Heimfahrt von einem Einbruch in Soest dingfest machen.

„Fälle wie dieser machen deutlich, dass wir hartnäckig am Thema Einbruchskriminalität arbeiten“, sagt der Düsseldorfer Polizeipräsident Norbert Wesseler. Tatsächlich ist die Zahl der Einbrüche gerade in Dortmund, Essen, Duisburg und Düsseldorf zuletzt wieder stark gestiegen. Registrierte die Polizei zum ersten Halbjahr 2014 noch rund 29.000 Einbrüche in ganz Nordrhein-Westfalen, waren es bis Mitte 2015 schon mehr als 33.500. Und weil erst danach die „Einbruchssaison“ mit den kürzer werdenden Tagen wieder richtig losging, rechnet auch Innenminister Ralf Jäger (SPD) damit, dass er einen neuen Einbruchs-Negativrekord verkünden muss, wenn er Anfang 2016 die neueste Kriminalitätsstatistik vorstellt. Auf Anfrage sagt Jäger: „Wir haben es immer häufiger mit überregionalen Diebesbanden aus Südosteuropa zu tun. Sie fallen in Städte ein und sind oft für ganze Tatserien verantwortlich.“ Dass die Banden wenig Spuren hinterließen und die Beute im Ausland umsetzten, erschwere die Ermittlungsarbeit. Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs habe in Nordrhein-Westfalen höchste Priorität, versichert Jäger. In jüngster Zeit seien aufgrund der aktuellen Entwicklung der Kontroll- und Fahndungsdruck auf reisende Einbrecherbanden nochmals verstärkt worden.

Infografik / Angst vor Einbrüchen © DPA Vergrößern

Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass der Innenminister glaubte, eine Trendumkehr erkennen zu können. Zum ersten Mal seit sieben Jahren war 2014 die Gesamtzahl der Fälle in Nordrhein-Westfalen leicht gesunken. Auch die bei Einbrüchen ernüchternd schlechte Aufklärungsquote hatte sich geringfügig verbessert. Jäger hatte sich überzeugt gezeigt, dass sein Konzept „Mobile Täter im Visier“ („Motiv“), mit dem die Polizei gegen überregional agierende Banden vorgeht, Wirkung zeige. Für „Motiv“, mit dem die nordrhein-westfälische Polizei seit Sommer 2013 arbeitet, filtern Fachleute des Landeskriminalamts aus den Datenbanken alle „mobilen Intensivtäter Eigentum“ heraus. Dabei handelt es sich um Tatverdächtige, die innerhalb von zwölf Monaten mit mindestens fünf Eigentumsdelikten und in mindestens drei Polizeibezirken aufgefallen sind. Früher wurden diese Täter, die für eine hohe Zahl von Einbrüchen verantwortlich gemacht werden, von den lokalen polizeilichen Maßnahmen nicht effektiv genug erfasst. Bei „Motiv“ beschäftigen sich nun die 16 über ganz Nordrhein-Westfalen verteilten Kriminalhauptstellen und die Koordinierungsstelle im Landeskriminalamt (LKA) mit geballter Ermittlerkraft mit den Serientätern. Verdichtet sich ein Verdacht, wird wie im Fall „Poet“ in Düsseldorf eine Ermittlungskommission eingerichtet.

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