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Ein Muslim für Rotterdam : Einwanderer soll Bürgermeister werden

„Gewalt löst nichts”, hatte Aboutaleb nach dem Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh gesagt Bild: AFP

Der Sohn eines marokkanischen Imams wird Bürgermeister von Rotterdam: Mohammed Aboutaleb hat die marokkanische und die niederländische Staatsangehörigkeit und gilt als engagierter Fürsprecher eines harmonischen Zusammenlebens.

          Als erste niederländische Großstadt erhält Rotterdam einen eingewanderten muslimischen Bürgermeister. In geheimer Abstimmung sprach sich die Mehrheit der 45 Mitglieder des Stadtrats für den 47 Jahre alten Sozialdemokraten Ahmed Aboutaleb aus. Der Sohn eines marokkanischen Imams verließ sein Geburtsland 1976 und besitzt sowohl die marokkanische als auch die niederländische Staatsangehörigkeit. Derzeit gehört er der niederländischen Regierung als Staatssekretär für Arbeit und Soziales an. Sein neues Amt in der zweitgrößten Stadt des Landes wird er voraussichtlich Anfang 2009 antreten.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden ist Aboutaleb nach dem von einem marokkanischstämmigen Täter verübten Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh im November 2004. In seiner damaligen Funktion als Beigeordneter für Arbeit, Jugend und Bildung in Amsterdam hatte Aboutaleb am Tag nach dem Verbrechen zu Besonnenheit aufgerufen. Wer allerdings nicht Religions- und Meinungsfreiheit sowie das Verbot von Diskriminierung achte, sei gut beraten, die Konsequenzen zu ziehen und das Land zu verlassen. „Gewalt löst nichts“, hatte Aboutaleb damals gesagt.

          Fast die Hälfte der Einwohner Rotterdams ist ausländischer Abstammung.

          Schon vorher galt Aboutaleb, der früher auch als Journalist gearbeitet hatte, als engagierter Fürsprecher eines harmonischen Zusammenlebens. Da er als Staatssekretär in letzter Zeit im Schatten des charismatischen christlich-demokratischen Arbeitsministers Piet Hein Donner stand, war seit längerem gemutmaßt worden, dass es ihn in ein anderes Amt ziehe.

          Rotterdam ist die Heimatstadt des 2002 ermordeten Rechtspopulisten Pim Fortuyn. Seine 2001 gegründete Bewegung „Leefbaar Rotterdam“ erreichte auch bei den Kommunalwahlen im Jahr 2006 noch 14 - gegenüber zuvor 17 - der 45 Sitze im Gemeinderat, während die Sozialdemokraten sieben Sitze hinzugewannen und mit 18 Sitzen knapp ihre traditionelle Position als stärkste politische Kraft in der Hafenstadt wiedererlangten. Fast die Hälfte der rund 680.000 Einwohner ist ausländischer Abstammung.

          Es wird erwartet, dass Aboutaleb an dem harten Kurs seines rechtsliberalen Vorgängers Ivo Opstelten festhalten wird, der von konsequentem Vorgehen gegen die Kriminalität vor allem in Vierteln mit hohem Ausländeranteil geprägt war. Nicht nur die sozialdemokratische Partei, auch Sprecher mehrerer Organisationen marokkanischer Einwanderer reagierten erfreut auf die Wahl Aboutalebs. Der Vorsitzende der Stadtratsfraktion von Leefbaar Rotterdam, Ronald Sörensen, hatte an Aboutaleb hingegen auszusetzen, dass er ein Karrierist und Anhänger des Fußballvereins Ajax Amsterdam sei. Am schlimmsten sei aber, dass Aboutaleb zwei Pässe habe. „Es ist nicht klug, einen Repräsentanten einer Gruppe zu ernennen, die im ganzen Land, sicherlich auch in Rotterdam, so viele Probleme verursacht“, wurde Sörensen in niederländischen Medien zitiert.

          Quelle: F.A.Z.

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