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Ehrenbürger Dalai Lama Der Pariser Bürgermeister als Paralleldiplomat

22.04.2008 ·  Mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Paris an den Dalai Lama hat sich Bertrand Delanoë dem Beschwichtigungskurs Präsident Sarkozys gegenüber Peking widersetzt. Sein Ausflug in die China-Politik ist kein Zufall.

Von Michaela Wiegel, Paris
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Mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Paris an den Dalai Lama und den inhaftierten chinesischen Regimekritiker Hu Jia hat sich Bertrand Delanoë dem Beschwichtigungskurs Präsident Sarkozys gegenüber Peking widersetzt. Der sozialistische Bürgermeister knüpft damit an die von Jacques Chirac begründete Tradition an, im Rathaus der französischen Hauptstadt ein Zentrum französischer Paralleldiplomatie zu errichten.

Zugleich gelang Delanoë mit der symbolischen Ehrung, was der eigentliche Oppositionsführer, der sozialistische Parteivorsitzende François Hollande, bislang nicht vermocht hatte. Er erreichte, dass die Stimme der Opposition wieder gehört wurde. Delanoës Autorität im Stadtrat war groß genug, die durch einen Drohbrief des chinesischen Botschafters geschürten Bedenken zu zerstreuen. Die 72 sozialistischen Stadtratsmitglieder stimmten einmütig Delanoës Initiative zu. (Siehe auch: Peking spricht von einer „Provokation“: Dalai Lama und Hu Jia Ehrenbürger von Paris)

Hatte sich der 57 Jahre alte Bürgermeister während seines ersten Mandats aus der internationalen Politik weitgehend herausgehalten, so könnte sein Ausflug in die China-Politik eine neue Etappe in seiner Amtsführung einleiten. Im Kommunalwahlkampf hat Delanoë versprochen, sich ganz Paris widmen zu wollen. Aber ihm ist anzumerken, dass ihn eine größere nationale Verantwortung lockt.

Beliebt in Paris

Hatte er seine Wahl 2001 noch stärker der Zerrissenheit des rechtsbürgerlichen Lagers als eigenem Geschick verdankt, so sprachen die Wähler ihm im März das Vertrauen wegen seiner Bilanz aus.

Zwar scheiterte Delanoë bei dem Versuch, die Olympischen Sommerspiele 2012 nach Paris zu holen. Es war eines der wenigen Male, dass er öffentlich als schlechter Verlierer auftrat und wütend die Briten des Schummelns bezichtigte. Das Fiasko überdeckte jedoch nicht lang seine positive Bilanz im sozialen Wohnungsbau, bei den Krippenplätzen oder beim Ausbau alternativer Verkehrsmittel.

Das neue Straßenbahnnetz („Tram“) oder der Fahrradverleih („Vélib“) haben in kürzester Zeit die Gewohnheiten der Pariser verändert. In der Sozialistischen Partei gilt Delanoë wegen seiner Beliebtheit als möglicher Bewerber für die Präsidentenwahlen 2012. Der Bürgermeister hat bislang geschwiegen, aber auch nicht „non“ gesagt.

Coming out vor zehn Jahren

Delanoë wurde im Mai 1950 im tunesischen Badeort Bizerte geboren und hat seine Kindheit in dem einstigen Protektorat verbracht. Bis heute kehrt er regelmäßig zum Urlaub nach Tunesien zurück, wo er ein Ferienhaus besitzt. In Toulouse studierte er Jura und Wirtschaftswissenschaften, danach zog es ihn nach Paris und in die Politik. Er schloss Freundschaft mit Lionel Jospin, der ihm die Türen in der Parteizentrale öffnete.

1977 wurde Delanoë zum ersten Mal in den Stadtrat von Paris gewählt. Er gründete eine Werbe- und Kommunikationsagentur, die ihm finanzielle Unabhängigkeit sicherte. Die Franzosen entdeckten ihn 1998, als er mitten in der parlamentarischen Debatte über eheähnliche Lebensverhältnisse („Pacs“) seine Homosexualität enthüllte. Seither haben sie sich daran gewöhnt, dass der Bürgermeister die jährliche Gay-Parade in Paris anführt.

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