http://www.faz.net/-gpf-8p5fi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Aktualisiert: 08.01.2017, 21:36 Uhr

Zum Tode Rafsandschanis Der Machiavelli Irans

Er galt als einer der Architekten der iranischen Revolution und gerissener Machtpolitiker. Jetzt ist der ehemalige Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani im Alter von 82 Jahren gestorben.

von
© AFP Der ehemalige iranische Staatspräsident Akbar Rafsandschāni (hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2011) ist gestorben.

Kurz bevor Ali Akbar Haschemi Rafsandschani am Sonntagabend an den Folgen eines Herzinfarkts starb, hatte ihn noch der iranische Präsident Hassan Rohani im Teheraner „Krankenhaus der Märtyrer“ besucht. Rohani wäre im Sommer 2013 ohne die Unterstützung Rafsandschanis wohl kaum zum Präsidenten der Islamischen Republik gewählt worden. Doch nachdem der mit konservativen Theologen besetzte Wächterrat Rafsandschani als Kandidat für das Amt des Präsidenten disqualifiziert hatte, stellte sich der hinter Rohani, um so die Wahl eines Hardliners zu verhindern. Beide gehörten zum Lager der Pragmatiker und grenzten sich von den konservativen Kräften, zu denen der frühere Präsident Mahmud Ahmadineschad zählt, ebenso ab wie von den Reformern, die auf einen Umbau des Islamischen Republik dringen.

Rainer Hermann Folgen:

Der Tod des 1934 geborenen Rafsandschani schwächt die gemäßigten Kräfte, deren Kandidat bei der für Mai geplanten Präsidentenwahl wieder Rohani sein wird. Denn Rafsandschani war über Jahrzehnte der Machiavelli der iranischen Politik und der gerissenste Machtpolitiker der Islamischen Republik. Seinen Spitznamen „Kusseh“ (Haifisch) verdankte er zwar seinem geringen Bartwuchs. Er bezog sich aber auch auf Rafsandschanis Politikstil und die Art und Weise, mit der er Verbindungen knüpfte und Mehrheiten schmiedete. Seit dem Tod von Revolutionsführer Chomeini im Jahr 1989 galt Rafsandschani als der zweitmächtigste Mann Irans – nach dessen Nachfolger Chamenei.

Der „Bankier Chomeinis“

Rafsandschani hatte sich im Alter von 15 Jahren als einziger der zehn Söhne eines reichen Pistazienproduzenten aus der Stadt Rafsandschan für das Studium der islamischen Theologie entschieden. In Ghom wurde er Schüler von Chomeini. Als dieser ins Exil ging, wurde Rafsandschani, der nicht nur Theologe, sondern auch erfolgreicher Unternehmer war, zum „Bankier Chomeinis“. Der dankte es ihm und machte ihn 1980 zum Sprecher des neuen Parlaments, des Madschlis.

Mehr zum Thema

Sein Leben war von Siegen und Niederlagen gekennzeichnet. Mal war er ganz oben, dann wieder völlig abgeschrieben. Er hatte 1988 maßgeblichen Anteil an der Beendigung des Kriegs mit dem Irak. Als er 1989 zum Präsidenten gewählt wurde, öffnete er das Land vorsichtig, liberalisierte die Wirtschaft und berief Technokraten in die Regierung. In diese Zeit fielen auch Serienmorde an politischen Gegnern. Er nahm damals Kontakte zu Saudi-Arabien auf. In Iran gilt er als der Politiker, der am stärksten auf die Aussöhnung mit Saudi-Arabien hingearbeitet hat.

© AP, reuters Trauer um Irans früheren Präsidenten Rafsandschani

2005 unterlag Rafsandschani bei der Präsidentenwahl Ahmadineschad. Bei der Wahl von 2009 sprach er sich gegen diesen aus, der von Ajatollah Chamenei favorisiert wurde. Er forderte größere politische Freiheiten und fiel in Ungnade. Nach einer Kampagne gegen ihn, in der er als korrupt und skrupellos bezeichnet wurde, zog er sich 2011 vom Vorsitz des einflussreichen Expertenrats zurück. Als Chamenei ihn danach zum Vorsitzenden des Schlichtungsrates berief, kehrte er auf die politische Bühne zurück.

Offene Mauterei

Von Daniel Deckers

Die deutsche Variante der Maut ist so ziemlich die absurdeste Konstruktion, die man sich denken kann. Angela Merkel will mit ihr möglichst wenig zu tun haben. Aus gutem Grund. Mehr 10 59

Zur Homepage