Home
http://www.faz.net/-gq5-6r0b1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ehemaliger afghanischer Präsident getötet Taliban bekennen sich zu Anschlag auf Rabbani

 ·  Ein Sprecher der Taliban sagte, der Sprengsatz sei im Turban eines Kämpfers versteckt gewesen, der sich mit dem ehemaligen afghanischen Präsidenten zu Gesprächen getroffen hätte. Rabbani war zuletzt Chef des sogenannten Friedensrates.

Artikel Video (1) Lesermeinungen (4)

Die Taliban haben sich zu dem Selbstmordanschlag auf den früheren afghanischen Präsidenten Burhanuddin Rabbani bekannt. Ein Taliban-Sprecher sagte am Dienstag, zwei Kämpfer hätten Rabbani in dessen Haus zu Gesprächen getroffen. Einer von beiden habe dann einen Sprengsatz gezündet. Dieser sei im Turban versteckt gewesen. Bei dem Anschlag seien neben Rabbani und den zwei Taliban auch vier Sicherheitskräfte getötet worden.

Rabbani, Vorgänger von Präsident Hamid Karzai, war zuletzt Chef des sogenannten Friedensrates. In dieser Funktion sollte er versuchen, den jahrelangen Konflikt am Hindukusch mit politischen Mitteln zu lösen. Zu seinen Aufgaben zählte vor allem, die Aussöhnung mit den radikalen Taliban voranzubringen. Nach Angaben des Taliban-Sprechers kannte Rabbani die Attentäter.

„Beide trafen ihn häufig in seinem Haus in Kabul und sicherten sich das Vertrauen Rabbanis und seiner Leibwächter“, sagte der Sprecher am Telefon von einem unbekannten Ort aus. „Sie sagten Rabbani, sie würden bald hochrangige Taliban-Führer zu ihm an den Verhandlungstisch bringen.“ Der Taliban-Sprecher ergänzte, ähnliche Attentate seien für die nahe Zukunft geplant.

Der Hohe Friedensrat in Afghanistan teilte am Mittwoch, mit er wolle eine Aussöhnung mit den Taliban auch nach der Ermordung seines Vorsitzenden Burhanuddin Rabbani vorantreiben. Der frühere afghanische Präsident sei „ein unermüdlicher Botschafter für den Frieden“ gewesen, teilte das Gremium am Mittwoch mit. „Wir wollen dem afghanischen Volk versichern, dass wir alles in unser Kraft stehende unternehmen werden, um seine Vision einer friedlichen Zukunft für dieses großartige Land zu erfüllen.“

Panetta: Tötung Rabbanis „Anlass zur Beunruhigung“

Das amerikanische Verteidigungsministerium wertete den tödlichen Anschlag auf Rabbani als Teil einer Strategie gewertet. Die radikalislamischen Taliban verübten zunehmend Attentate auf ranghohe Persönlichkeiten, sagte Verteidigungsminister Leon Panetta am Dienstag in Washington. Der amerikanische Generalstabschef Mike Mullen sagte, die Taliban seien aufgrund ihrer Schwächung durch die Erfolge der internationalen Militärkoalition zu „spektakulären Angriffen“ übergegangen.

Trotz der Schwächung der Taliban müssten diese Anschläge ernst genommen werden, betonte Mullen. „Aus strategischer Sicht sind sie bedeutend. „ Auch Panetta sagte, die Tötung Rabbanis sei „Anlass zur Beunruhigung“. Die amerikanische Armee arbeite mit der afghanischen Armee zusammen, um den Taliban Einhalt zu gebieten. Der Pentagon-Chef zeigte sich überzeugt davon, dass die internationale Koalition weiter in die „richtige Richtung“ gehe. „Wir haben Fortschritte im Kampf gegen die Taliban verzeichnet und können uns nicht von solchen sporadischen Ereignissen davon abhalten lassen“, sagte Panetta.

Rabbani, der zwischen 1992 und 1996 afghanischer Staatschef war, war am Dienstag in seinem Haus in Kabul Opfer eines Anschlags geworden. Die Polizei bestätigte Angaben aus Rabbanis Umfeld, wonach der 71-Jährige durch eine Bombe getötet wurde, die im Turban eines Talibankämpfers versteckt war. Rabbanis Aufgabe war es zuletzt, Friedensverhandlungen mit den Taliban zu führen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte das Attentat „auf das Schärfste“, wie sein Sprecher Martin Nesirsky in New York mitteilte. Ban sei „zutiefst schockiert über den Tod“ Rabbanis. Die Tat sei ein „Angriff auf Menschen, die für die Rückkehr des Friedens nach Afghanistan arbeiteten“. Die UNO werde weiterhin Afghanistan und das afghanische Volk bei ihren Bemühungen um Frieden unterstützen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Antiterrorkampf 2.0

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Obama möchte das Kapitel, das am 11. September 2001 begann, schließen. Mit dieser Absicht aber steht seine Verantwortung als Präsident und Oberbefehlshaber in einem Spannungsverhältnis, das schwer aufzulösen ist. Mehr 13 2