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Egypt-Air-Absturz : Irritation und Empörung in Paris

Gedenken an Absturzopfer: Piloten und Flugbegleiterinnen trauern in Kairo um ihre toten Kollegen. Bild: dpa

Der Terrorverdacht als Absturzursache des Airbus von Egypt Air auf dem Flug nach Paris sorgt für Aufregung. Doch die These der ägyptischen Ermittler stößt bei französischen Fachleuten auf große Skepsis.

          An den sterblichen Überresten der Passagiere des abgestürzten Egypt Air-Flugzeugs sollen Sprengstoffspuren gefunden worden sein. In Frankreich ist die Meldung des Luftfahrtministeriums in Kairo mit Skepsis aufgenommen worden. „Die Untersuchung wird fortgesetzt werden, um die exakten Gründe für den Absturz dieses Fluges herauszufinden“, teilte ein Sprecher des französischen Außenministeriums in Paris am Freitag mit.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Deutlich irritiert reagierten die französischen Ermittler der für Unfälle zuständigen Luftfahrtbehörde BEA. „Wir sind nicht über die Bedingungen informiert worden, unter denen die Proben genommen wurden“, sagte ein BEA-Sprecher. Mehrere Zeitungen zitierten anonyme Quellen aus der Luftfahrtbehörde, die sich empört über die ägyptische Kommunikationsstrategie zeigten. Es sei kaum vorstellbar, dass beinahe sieben Monate nach dem Absturz plötzlich Sprengstoffspuren gefunden würden.

          Seit längerem ist bekannt, dass es bei den Ermittlungen zu dem Absturz zu Spannungen zwischen Kairo und Paris kommt. Der Airbus der Fluggesellschaft Egypt Air war am 19. Mai mit 66 Menschen an Bord im östlichen Mittelmeer abgestürzt. Die französischen Ermittler hatten nach ersten Auswertungen der beiden Flugschreiber einen terroristischen Hintergrund ausgeschlossen. So weisen die Aufzeichnungen des Tonrekorders darauf hin, dass im Cockpit Feuer ausgebrochen war. Das Wort „Feuer“ wurde aufgezeichnet. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass sich in einer der Toiletten und im Bereich der Bordelektronik Rauch ausgebreitet hatte.

          Feuer im Flugzeug

          Die Untersuchung der Wrackteile ergab auch, dass der vordere Teil des Flugzeugs großer Hitze ausgesetzt gewesen sein muss. Die französischen Ermittler mutmaßten, dass Wartungsmängel zu einem technischen Defekt und dem Brand geführt haben könnten. Die ägyptischen Behörden beförderten gleich nach dem Absturz zunächst den Terrorverdacht. Die Nachrichtenagentur AP zitierte ägyptische Gerichtsmediziner mit der Einschätzung, wonach sich an Bord des Airbus eine Explosion ereignet haben müsse. Das hätten Analysen der geborgenen Leichenteile ergeben. Doch dem widersprach der Chef der ägyptischen Forensik-Behörde, Hesham Abdel Hamid, wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena und später auch Reuters berichteten. Es handle sich um bloße Vermutungen und es sei viel zu früh, derartige Schlüsse zu ziehen, hieß es aus Kairo.

          Die Staatsanwaltschaft in Paris hat unterdessen den Terrorverdacht fallen gelassen und ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Unter den Opfern waren 15 französische Staatsbürger. Die französischen Angehörigen der Opfer sind zusehends empört über die ägyptischen Behörden. Sie fordern, dass die sterblichen Überreste ihrer Familienmitglieder endlich nach Frankreich gebracht werden, damit sie sich von den Verstorbenen gebührend verabschieden können.

          Der Generalsekretär des Opferverbandes Fenvac, Stéphane Gicquel, hielt Kairo am Freitag einen „Manipulationsversuch“ vor: „Nichts deutet auf einen Terroranschlag hin. Es handelt sich nur um einen Erpressungsversuch der ägyptischen Behörden, die den Ruf ihrer Fluggesellschaft retten und den Fehler auf Paris abwälzen wollen.“ Auch die Vorsitzende des Opfervereins der Egypt Air-Passagiere, Julie Heslouin, übte harsche Kritik: „Dies ist nur ein neuer Vorwand, die sterblichen Überreste nicht freizugeben“, beklagte sie. Heslouin verlangte von der französischen Staatsführung, Kairo zur Rede zu stellen. Mit einer Unterschriftensammlung im Internet wollen die Familien darauf aufmerksam machen, dass Ägypten die Überführung auf unerträgliche Weise hinauszögere.

          Selbst wenn sich der Terrorverdacht erhärten sollte, wäre fraglich, ob die Bombe in Paris an Bord kam. Das Flugzeug war nur 1 Stunde und 5 Minuten auf dem Großflughafen Roissy Charles de Gaulle am Boden. Zuvor hatte es einen längeren Zwischenstopp in Tunis eingelegt.

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