09.10.2006 · Internationalen Protesten zum Trotz hat Nordkorea am Montag zum ersten Mal eine Atomwaffe getestet. Der unterirdische Versuch sei erfolgreich verlaufen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur. „Der Atomtest wurde mit 100 Prozent unserer Weisheit und Technologie ausgeführt“, hieß es in der Erklärung.
Nordkorea hat nach eigenen Angaben seinen ersten Atomwaffentest erfolgreich durchgeführt. Das unterirdische Experiment sei mit „einheimischer Weisheit und Technologie hundertprozentig durchgeführt worden“, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag morgen. Aus dem Versuchsgelände sei keine Radioaktivität ausgetreten.
„Der Atomwaffentest ist ein historisches Ereignis, das unser Militär und unser Volk glücklich macht“, hieß es bei KCNA. „Der Atomwaffentest wird dazu beitragen, den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und in der umliegenden Region zu erhalten.“ Nordkorea habe sich stets eine so mächtige und zuverlässige Waffe zur Selbstverteidigung gewünscht.
Sprengkraft von 550 Tonnen TNT
Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Verteidigungsexperten, das Experiment habe um 10.36 Uhr Ortszeit (3.36 Uhr MESZ) in Hwaderi nahe der Stadt Kilju stattgefunden. Ein Beamter der Behörde zur seismischen Überwachung der Region bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, daß um diese Zeit eine Erderschütterung mit einer Stärke von 3,6 auf der Moment-Magnitude registriert worden sei.
Nach Angaben aus Südkorea hatte die Bombe eine Sprengkraft von 550 Tonnen TNT. Das sagte der Sprecher des staatlichen Koreanischen Instituts für Geowissenschaften, Park Chang Soo. Die Atombomben, die die Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg auf Japan abwarfen, waren größer. Die am 6. August 1945 über Hiroshima gezündete Bombe hatte eine Sprengkraft von 15.000 Tonnen TNT, die am 9. August 1945 über Nagasaki abgeworfene Bombe entsprach 21.000 Tonnen TNT.
Rußland bestätigte um kurz vor 9 Uhr ebenfalls den Atombombentest. Die russischen Überwachungssysteme haben „den Test einer Atomwaffe in Nordkorea entdeckt“, zitierte die Nachrichtenagentur Itar-Tass Generalleutnant Wladimir Werchowzew aus dem Verteidigungsministerium. „Es ist hundert Prozent sicher, daß es eine unterirdische Atomexplosion war.“
Besorgnis bei den Nachbarstaaten
Der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyan rief nach Angaben seines Sprechers seine Sicherheitsberater zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Das Verteidigungsministerium erhöhte den Alarmzustand bei den Streitkräften. An der Börse in Seoul stürzten die Aktienkurse um die Mittagszeit (Ortszeit) kräftig ab. Der Kospi-Index gab zeitweise um 3,6 Prozent nach.
Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe, der sich am Montag zu Gesprächen mit Präsident Roh in Südkorea aufhielt, erklärte, man müsse sich zunächst noch vergewissern, ob der nordkoreanische Atomwaffentest auch tatsächlich stattgefunden habe. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete, setzte die Regierung aber sofort einen Sonderausschuß ein, um eine angemessene Reaktion zu erarbeiten. Japan hat schon in der vergangenen Woche angekündigt, man werde sich für harte Sanktionen einsetzen, falls die Regierung in Pjöngjang die Appelle der internationalen Staatengemeinschaft ignoriere.
Die Vereinigten Staaten erklärten, mehrere Expertengremien seien zurzeit damit beschäftigt, die Meldung aus Nordkorea zu verifizieren. Erst dann werde eine offizielle Stellungnahme erfolgen, verlautete aus Regierungskreisen in Washington. Nordkorea hat in der vergangenen Woche bekannt gegeben, es werde „zur Abschreckung einer möglichen Invasion der Vereinigten Staaten“ erstmals eine Atomwaffe testen. Die Ankündigung löste weltweit Besorgnis aus. Neben zahlreichen Staats- und Regierungschefs forderte auch der UN-Sicherheitsrat die Regierung in Pjöngjang dazu auf, den Test zu unterlassen.
Südkorea und Japan appellierten besonders intensiv an Nordkorea, keinen Atomwaffentest durchzuführen. Beim Besuch des japanischen Ministerpräsident Shinzo Abe in Peking bekräftigten Japan und China am Wochenende diesen Appell noch einmal. Von Peking aus reiste Abe nach Seoul weiter.
Nordkorea ist Atommacht
Paul Hyngar (hyngar)
- 09.10.2006, 09:40 Uhr
auch Nordkorea hat ein Recht auf Atomwaffen
Matthias Hühn (matthiashuehn)
- 09.10.2006, 10:42 Uhr
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Andrew McDouall (Thiuda)
- 09.10.2006, 10:58 Uhr
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A. Ro-Nori (Steuerzahler)
- 09.10.2006, 11:02 Uhr
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Hayri Ergun (DrErgun)
- 09.10.2006, 11:16 Uhr