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Drohende Hungersnot in Somalia Islamisten gewähren Nothelfern keinen Zugang

22.07.2011 ·  Die Al-Shabab-Miliz in Somalia hat die Hilfeaufrufe am Horn von Afrika als Propaganda bezeichnet und will Mitarbeitern von Hilfsorganisationen nun doch keinen Zugang zu ihrem Herrschaftsgebiet gewähren.

Von Thomas Scheen, Johannesburg
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Die radikal-islamische Miliz Al Shabab will entgegen ursprünglicher Zusagen keinen westlichen Hilfsorganisationen Zugang zu den von ihnen kontrollierten Hungergebiete im Süden Somalias gewähren. „Diese Organisationen sind hier nicht willkommen“, sagte Sheik Ali Mohamud Rage, der Sprecher der Miliz, am Donnerstag in einem Radiointerview mit einem somalischen Sender.

In der vergangenen Woche hatten Vertreter der Miliz, die sich auf Al Qaida beruft, versichert, der seit 2009 geltende Bann gegen westliche Hilfsorganisationen werde angesichts der dramatischen Situation aufgehoben. Sheik Ali Mohamud Rage bestritt zudem, dass es in den beiden Regionen Bakool und Lower Shabelle eine Hungersnot gebe. „Wir leiden unter einer Dürre, das ist richtig, aber was die Vereinten Nationen sagen, ist zu 100 Prozent falsch“.

Die UN hatten zu Beginn dieser Woche diese beiden Regionen zu Hungergebieten erklärt, in denen bis zu 350.000 Menschen in akuter Lebensgefahr seien. (Siehe: UN erklären Teile von Somalia zu Hungergebiet)

Für den Sprecher von Al Shabab ist diese Einstufung eine „politische Erklärung mit einer versteckten Agenda“, deren Zweck es sei, die Bevölkerung zur „Flucht in nicht-muslimische Länder“ zu veranlassen. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hatte am Freitag angekündigt, in den kommenden Tagen eine Luftbrücke in die somalische Hauptstadt Mogadischu einrichten zu wollen, um von dort aus die von Hunger bedrohten Menschen weiter im Süden versorgen zu können. (Siehe auch: Erste UN-Hilfslieferungen in Somalia eingetroffen)

Mogadischu ist teilweise unter der Kontrolle der Friedenstruppe der Afrikanischen Union, Amisom. Die Sprecherin des WFP, Emilia Casella, sagte am Freitag, man werde überall dort arbeiten, „wo dies möglich“ sei. Ihrer Einschätzung nach ist Al Shabab kein „monolithischer Block“.

Al Shabab verschleppt Familienministerin

Wie unberechenbar Al Shabab aber ist, hatte sich am Mittwochabend abermals gezeigt, als Kämpfer der Miliz die gerade erst ernannte Familienministerin der somalischen Übergangsregierung in einem Ort 60 Kilometer nördlich von Mogadischu verschleppten. Über das Schicksal der Frau ist nichts bekannt. Die internationale Gemeinschaft zögert mit ihren Hilfszusagen für die Menschen in Südsomalia, weil sie befürchtet, die Hilfe könnte Al Shabab zugute kommen, die von der amerikanischen Regierung als terroristische Vereinigung eingestuft ist.

Am Horn von Afrika sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen bis zu zwölf Millionen Menschen von Hunger bedroht. Am schlimmsten sei die Lage in Somalia, wo seit mehr als 20 Jahren nahezu ununterbrochen Krieg herrscht.

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.

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