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Drogenkrieg Kein Ende der Gewalt in Mexiko

 ·  Mexiko erlebt mit 300 Morden binnen sieben Tagen die gewalttätigste Woche seit mehr als drei Jahren: Am Wochenende wurden mehr als 30 Menschen getötet, unter ihnen der Bürgermeister der Stadt Guadalupe.

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Mexiko hat mit 300 Morden in nur sieben Tagen die gewalttätigste Woche seit Beginn des „Drogenkrieges“ vor dreieinhalb Jahren erlebt. Am Wochenende wurden in Mexiko mindestens 31 Menschen getötet, darunter der Bürgermeister der Stadt Guadalupe im Bundesstaat Chihuahua - und zwölf weitere Leichen gefunden. Zudem kamen beim Absturz eines Militärhubschraubers im Norden des Landes elf Soldaten ums Leben.

Zwischen dem 12. und dem 18. Juni seien 283 Männer und 17 Frauen meist im Zusammenhang mit der Drogenkriminalität umgebracht worden, berichtete die Zeitung „Reforma“. Unter den Opfern seien auch 29 Polizisten und zwei Soldaten. 23 Opfer hätten Folterspuren aufgewiesen, eines sei enthauptet worden. Seit Jahresbeginn wurden damit 5229 Mordopfer registriert, schrieb die Zeitung weiter. Im gesamten Vorjahr waren es nach Regierungsangaben 9653.

Die Kämpfe zwischen verschiedenen Drogenkartellen, bei denen es vor allem um die Kontrolle des Rauschgiftschmuggels in die Vereinigten Staaten geht, werden extrem brutal ausgefochten. In der Stadt Madero legten die Täter am Freitag vor einer Woche 20 Leichen ab, deren Hände gefesselt waren und von denen einige Folterspuren aufwiesen.

Bandenkriege zwischen den Drogenkartellen

Bürgermeister Manuel Lara Rodríguez sei am Samstag „in einem Privathaus“ von drei Bewaffneten erschossen worden, die anschließend flohen, teilte das mexikanische Justizministerium mit. Die Täter warfen die Leiche vor sein Haus in der nahe gelegenen Großstadt Juárez, wohin sich Rodríguez wegen Todesdrohungen zurückgezogen hatte. Allein in Juárez wurden im vergangenen Jahr 2660 Menschen umgebracht. In Chihuahua finden in zwei Wochen Kommunalwahlen statt. Der Mord an Rodríguez könnte daher mit lokalpolitischen Konflikten zusammenhängen. Erst im Februar war der Bürgermeister der Stadt Guadalupe y Calvo im Süden Chihuahuas ermordet worden.

Im blutigen Drogenkrieg wurden nach Angaben der Behörden seit Freitagabend in dem gesamten Bundesstaat neben Rodríguez 18 weitere Menschen getötet. Chihuahua liegt an der Grenze zu den Vereinigten Staaten und zählt zu den gefährlichsten Bundesstaaten Mexikos. In der Region liefern sich vor allem die Drogenkartelle von Sinaloa und Juarez erbitterte Bandenkämpfe. Guadalupe liegt im Norden des Bundesstaats, rund 60 Kilometer von der hochgefährlichen Stadt Ciudad Juárez entfernt.

Bei einem Gefecht zwischen Soldaten und mutmaßlichen Mitgliedern von Drogenbanden im Bundesstaat Tamaulipas starben drei Armeeangehörige und acht Angreifer, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Eine Patrouille sei in der Stadt Miguel Aleman aus einem Hinterhalt attackiert worden. Später erschossen Soldaten einen weiteren Angreifer in der Nachbarstadt Reynosa. In Tamaulipas stehen sich die Drogenkartelle Gulf und Los Zetas, eine Bande ehemaliger Elitesoldaten, gegenüber.

„Nicht nur der Kampf des Präsidenten, sondern aller Mexikaner“

In der Nähe des internationalen Flughafens von Cancún auf der Halbinsel Yucatán wurden in Brunnenschächten zwölf bereits verweste Körper entdeckt, wie ein Staatsanwalt am Freitag (Ortszeit) sagte. Vermutlich handele es sich um Opfer von Bandenkriegen. Vor einer Woche waren in einer stillgelegten Mine im südlichen Bundesstaat Guerrero 55 Leichen aufgefunden worden.

Mehrere Kartelle liefern sich in Mexiko eine blutige Auseinandersetzung um die lukrativen Schmuggelrouten in die Vereinigten Staaten, seit 2006 fielen dem Drogenkrieg fast 23.000 Menschen zum Opfer. Die mexikanische Regierung setzt mehr als 50.000 Polizisten und Militärs im Kampf gegen die Drogenbanden ein. Auch die mit dem Hubschrauber verunglückten Soldaten waren Teil einer Anti-Drogen-Einheit. Die Maschine vom Typ Bell 412 stürzte nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom Samstag in der Nähe von Santiago Papasquiaro im Bundesstaat Durango ab. Der Unfall ereignete sich demnach bereits am Freitagabend.

Angesichts der sich immer schneller drehenden Gewaltspirale hatte Präsident Felipe Calderón die Bürger kürzlich aufgerufen, den Staat im Kampf gegen die organisierte Kriminalität nicht allein zu lassen. „Es ist nicht nur der Kampf des Präsidenten, sondern aller Mexikaner“, sagte der Staatschef. Seit er im Dezember 2006 der Polizei und dem Militär befahl, die organisierte Kriminalität mit aller Härte zu bekämpfen, starben nach offiziellen Angaben 22.700 Menschen. Diese Zahl aber ist schon wieder überholt: sie stammt vom April.

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Von Klaus-Dieter Frankenberger

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