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Treffen zwischen Trump und Kim : Weltklasse-Pokerspieler unter sich

„Alles auf einmal wäre schön“: Beim Treffen mit Südkoreas Präsident Moon wollte Trump sich aber nicht festlegen. Bild: AP

Vor dem geplanten Gipfeltreffen von Trump und Kim werden Bedingungen gestellt, Erwartungen formuliert und Drohungen ausgesprochen. Dabei spielt auch China eine wichtige Rolle.

          „Ziemlich bald“ werde man wissen, ob sein Gipfeltreffen mit Kim Jong-un am 12. Juni stattfinde oder nicht, hat Donald Trump am Dienstag gesagt. An diesem Wochenende sind ranghohe Vertreter des Weißen Hauses am geplanten Austragungsort in Singapur mit Emissären des nordkoreanischen Diktators verabredet. Ein vorheriges Planungstreffen hatte Pjöngjang platzen lassen. Nun müssen die Amerikaner herauskriegen, woran es hakt: Bangt der Diktator in erster Linie um seine persönliche Sicherheit in Singapur und um seine Rückkehr? Oder gehen die Differenzen tiefer und lehnt Kim Amerikas Vorbedingungen für einen „Deal“ ab? „Wir stellen gewisse Bedingungen, und ich glaube, wir kriegen sie“, sagte Trump beim Empfang des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in in Washington. „Und wenn nicht, dann treffen wir uns nicht.“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Trump wollte diese Bedingungen nicht ausbuchstabieren. Auf die Frage, ob Pjöngjang seine Atomwaffen „alle auf einmal“ aufzugeben hätte, antwortete er zunächst: „Alles auf einmal wäre schön.“ Schnell aber fügte er hinzu: „Muss es so sein? Ich glaube, da will ich mich nicht total festlegen.“ Denn wenigstens öffentlich beharrt Nordkorea bisher auf einem schrittweisen Vorgehen, wie sie schon mehrmals gescheitert ist – und Trump hatte sich vorgenommen, Kim zu umgarnen. So verzichtete er darauf, dem Nordkoreaner ein Ultimatum zu stellen. Zwar sei die Wahrscheinlichkeit nun „sehr substantiell“, dass es mit der Begegnung am 12. Juni nichts werde, sagte Trump. „Aber das heißt nicht, dass es nicht später klappen kann.“ Auf diese Weise bekräftigte der amerikanische Präsident abermals, wie wichtig ihm das Gipfeltreffen ist, nach dem Pjöngjang schon so lange trachtet. Klarer als zuvor formulierte Trump sein Versprechen an Kim: „Ich werde seine Sicherheit garantieren.“ Trump fügte hinzu: „Er wird sicher sein. Er wird glücklich sein. Sein Land wird reich sein.“ In 25 oder 50 Jahren werde Kim zurückblicken und „sehr stolz“ sein können.

          Kim Jong-un legt sein Glück keinesfalls in Trumps Hände

          Zur gleichen Zeit verdeutlichte die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA, dass Kim Jong-un sein Glück keinesfalls in Trumps Hände legen möchte. Tatsächlich sei es Nordkorea, das die Entwicklungen steuere – und die Vereinigten Staaten reagierten lediglich darauf, stellte das Staatsmedium fest. Der Machthaber ist womöglich verärgert darüber, dass Trump ihn als Getriebenen von Amerikas erfolgreicher Sanktionspolitik darstellt. Dabei erhebt Kim selbst den Anspruch, ein großer Friedensstifter zu sein, wenn er auch anders als Trump noch nicht den Friedensnobelpreis für sich ins Gespräch gebracht hat. KCNA machte den „Obersten Führer“ denn auch schon jetzt als „Sieger“ aus, denn er habe dem Land den Status eines „strategischen Staates von Weltrang“ verschafft. Einen Status, den Nordkorea ebenjenen Atomwaffen verdankt, die es nach dem Willen Washingtons abgeben soll.

          Südkoreas Präsident Moon beteuerte, man müsse an Nordkoreas Willen zum Gipfeltreffen nicht zweifeln. Der Südkoreaner sieht sich als Vermittler zwischen Trump und Kim. Moon begründete seinen Optimismus im Weißen Haus damit, dass Trump persönlich die Führung übernommen habe. Trump revanchierte sich mit überbordendem Lob für seinen „sehr fähigen“ und „extrem kompetenten“ Gast.

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